Tamedia-Chef verlässt Unternehmen

Beim Medienkonzern Tamedia, der auch die «Basler Zeitung» herausgibt, kommt es zu einem Chefwechsel.
Berufliche Veränderung: CEO Christoph Tonini wird im nächsten Jahr die Tamedia verlassen. (Keystone/Ennio Leanza/12. März 2019)

Berufliche Veränderung: CEO Christoph Tonini wird im nächsten Jahr die Tamedia verlassen. (Keystone/Ennio Leanza/12. März 2019)

CEO Christoph Tonini geht per 30. Juni 2020. Danach übernimmt Verwaltungsratspräsident Pietro Supino die Gruppenleitung. Tonini habe schon vor längerer Zeit die Absicht geäussert, sich nach seinem 50. Geburtstag und 17 Jahren bei Tamedia beruflich zu verändern, teilte Tamedia am Mittwoch mit.

Tonini, der seit 2013 CEO ist, habe «Ausserordentliches» geleistet, hiess es weiter. Über 80 Prozent des heutigen Gruppenergebnisses stammten aus neuen Geschäften in den Bereichen Pendlermedien, Werbevermarktung und Marktplätze, die unter seiner Leitung entwickelt und übernommen worden seien.

Supino neuer Gruppenchef

Nach dem Abgang von Tonini übernimmt Verwaltungsratspräsident und Verleger Pietro Supino im Juli 2020 die Gruppenleitung – und damit ein Mitglied der Gründerfamilie des Tages-Anzeiger-Verlags.

Allerdings wird der Konzern bis dahin neu aufgestellt. Konkret werde Tamedia weitgehend dezentralisiert. Ab Jahresbeginn 2020 würden die vier Geschäftsfelder als eigenständige Einheiten «mit je eigener Geschäftsleitung, eigenem Verwaltungsrat sowie eigener Erfolgsrechnung» geführt. Die Rede ist von einer «holdingartigen Struktur». Neben Supino gehörten Samuel Hügli (Technologie & Ventures) und Sandro Macciacchini (Finanzen & Personal) weiterhin dem Führungsteam der Gruppe an.

Vier eigenständige Einheiten

Die vier weitgehend autonomen Geschäftsfelder sind laut den Angaben die «Bezahlmedien», welche von Marco Boselli und Andreas Schaffner geleitet werden, die «Pendlermedien» (Leitung: Marcel Kohler), die «Werbevermarktung» (Michi Frank) und die «Marktplätze» (Christoph Brand). Die Zusammensetzung der Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen der Einheiten werde in der zweiten Jahreshälfte festgelegt, hiess es weiter.

Dank der Dezentralisierung sollen die vier Einheiten «in den relevanten Märkten mit ihren unterschiedlichen Gesetzmässigkeiten» agiler handeln können, wie es weiter hiess.

Die Gruppen-Leitung werde künftig die Umsetzung der Strategie begleiten und die Nutzung von Synergien sicherstellen. Insbesondere wolle Tamedia mit der gruppenweiten Nutzung von Daten die Produkte verbessern. Betont wurde ausserdem, dass die Publizistik «als Ursprung der Gruppe» das zentrale verlegerische Anliegen und ein Investitionsschwerpunkt bleibe.

«Mehr Dynamik, mehr Wachstum»

Nicht geplant ist hingegen ein Verkauf oder gar eine Abspaltung einzelner Geschäftsbereiche. Dies gilt auch für die Sparte Bezahlmedien, zu der in der Deutschschweiz Titel wie der «Tages-Anzeiger», die «Basler Zeitung», der «Bund» oder die «Berner Zeitung» gehören.

«Das Ziel unserer neuen Organisation ist nicht ein Verkauf einzelner Aktivitäten», stellte Supino klar. «Wir wollen mehr Dynamik, mehr Wachstum», führte er aus. Offen sei der Tamedia-Konzern diesbezüglich aber für Partnerschaften. Die neue Struktur schaffe hierfür Flexibilität, so der Verwaltungsratspräsident.

Fokus auf Digitalstrategie

Trotzdem soll es bei den Bezahlmedien zu einigen Veränderungen kommen, wie der scheidende CEO Tonini zu AWP sagte. Primär soll der Bereich noch stärker digitalisiert werden. Langfristiges Ziel sei es, bei den Digitalabos der Tamedia-Zeitungen die Schwelle von mindestens 400'000 zu überschreiten.

Um dieses Ziel zu erreichen, reichten Lippenbekenntnisse nicht mehr, sagte Tonini weiter. Vielmehr soll künftig «eine digitale Denk- und Arbeitsweise» das Handeln sämtlicher Journalisten des Konzerns bestimmen. Betraut mit der Umsetzung dieser Digital-Strategie wurde mit Marco Boselli ein langjähriger und erfahrener Journalist. Boselli wird seine neue Funktion als Leiter Bezahlmedien ab Anfang 2020 antreten. Aktuell arbeitet er als «Leiter Publizistik und Prozesse Pendlermedien» bei Tamedia. Die Funktion hatte er im Jahr 2016 übernommen, ferner ist er seit 2003 Chefredaktor von «20 Minuten».

red/sda

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