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Swatch zeigt die UBS wegen Bankgeheimnisverletzung an

Nach der Millionenklage folgt nun die Anzeige: Damit eskaliert der Streit zwischen dem Uhrenkonzern und der Grossbank endgültig. Die Hintergründe sind nebulös, der Fall juristisch delikat.

Gibt sich unversöhnlich: Swatch-Chef Nick Hayek an der Pressekonferenz zum Jahresbericht. (1. März 2012)
Gibt sich unversöhnlich: Swatch-Chef Nick Hayek an der Pressekonferenz zum Jahresbericht. (1. März 2012)
Keystone

«Es stimmt», bestätigt Swatch-Sprecherin Béatrice Howald, «die Swatch Group hat gegen UBS wegen Verletzung des Bankkundengeheimnisses Strafanzeige eingereicht.» Damit hat der Konflikt zwischen den beiden Schweizer Wirtschaftsgrössen eine neue Eskalationsstufe erreicht. Es wird nicht mehr nur um Geld gestritten. Swatch erhebt Anschuldigungen, welche die Bank im Mark treffen müssen. Die Verletzung des Bankgeheimnisses gilt in unserem Land schliesslich noch immer als schweres Delikt.

Was ist passiert? Alle direkt Beteiligten hüten sich, Genaueres preiszugeben. Der Fall ist juristisch zu delikat. Howald verweist auf das hängige Verfahren: «Deshalb sind zurzeit keine weiteren Informationen zum Fall verfügbar.» UBS-Sprecherin Tatiana Togni sagt: «Wir kommentieren die Strafanzeige nicht.»

Am Anfang stand ein Verlust

Unter Westschweizer Anwälten – nicht etwa im Raum Biel, wo die Swatch ihren Sitz hat – zirkuliert folgende Version zur Geschichte: Die UBS soll im Rahmen des schwelenden Rechtsstreits bei einem externen Gutachter eine Expertise in Auftrag gegeben haben. Dabei sollen Bankkundendaten der Swatch in die Hände dieses Experten gelangt sein: ohne Wissen von Swatch und ohne dass Swatch die Weitergabe dieser Daten bewilligt habe.

Am Anfang des Streits stand ein Millionenverlust von Swatch auf einer Absolute-Return-Anlage bei der UBS. Solche Anlageprodukte verkauften die Banken vor Jahren offensiv und mit dem Versprechen, bei jeder Marktentwicklung eine positive Rendite zu erwirtschaften. Statt der positiven Rendite erlitt Swatch mit dem Produkt aber einen Verlust von rund 50 Prozent.

Drohgebärden blieben wirkungslos

Vor einem guten Jahr reichte die Swatch Group deshalb Klage gegen die Grossbank ein (TA vom 11. März 2011). Swatch fordert von der UBS knapp 25 Millionen Franken plus aufgelaufene Zinsen, wie Hanspeter Rentsch, in der Swatch-Konzernleitung für Rechtsfragen verantwortlich, vor Jahresfrist bestätigte.

Der Einreichung der Klage gingen erste Drohgebärden voraus: ein Betreibungsversuch und die Androhung einer Klage. Die UBS liess sich dadurch aber nicht an den Verhandlungstisch bringen. Ein Sühneverfahren vor dem Zürcher Friedensrichter endete ergebnislos. Dem Vernehmen nach soll ein Vergleich nicht zuletzt an den beiden Alphatieren Oswald Grübel auf der Seite der Bank und Nicolas Hayek auf der des Uhrenkonzerns gescheitert sein. Offensichtlich hat Grübels Ausscheiden aus der UBS-Spitze im September die Situation nicht entspannt. Im Gegenteil: Die neu eingereichte Strafanzeige zeigt, dass die Fronten verhärtet sind.

Anzeige ruht nun bei der Staatsanwaltschaft

Die Position der UBS scheint deshalb nicht besonders stark, weil sich Swatch nach eigenen Angaben bei dieser Investition durch einen Verwaltungsvertrag abgesichert hat. Damit wurde die Verantwortung für den Anlageentscheid an die Bank abgetreten. Bei der UBS scheint man dagegen die Meinung zu vertreten, dass es sich bei Swatch um einen professionellen Investor handelt, der für Anlageentscheide eigen- oder zumindest mitverantwortlich ist.

Die Anzeige – das bestätigt Swatch – wurde bereits am 24. Januar bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich eingereicht. Die Tatsache, dass Swatch dreieinhalb Monate später das Vorgehen wegen Verletzung des Bankgeheimnisses bestätigt, deutet darauf hin, dass man in Biel höchst unzufrieden mit den Zürcher Behörden ist.

Dem Vernehmen nach soll die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ruhen. Es ist nicht bekannt, dass diese bis heute Ermittlungen aufgenommen hat. Anders als im Fall Hildebrand: Nachdem bei der Bank Sarasin Daten des damaligen Nationalbankpräsidenten entwendet worden waren, kam es zu Hausdurchsuchungen bei SVP-Nationalrat Christoph Blocher in Herrliberg und am Thurgauer Wohnsitz des Sarasin-Mitarbeiters, der die Daten entwendet hatte. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft sicherte dem «Tages-Anzeiger» gestern Mittag eine Stellungnahme zum Fall zu. Diese blieb indessen aus.

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