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Supermachos rechnen sich nicht mehr

Beim Adoboli-Prozess stand nicht bloss ein einzelner Banker vor Gericht, sondern eine Unternehmenskultur. Grossbanken sind die letzten Bastionen eines kruden Machismos. Höchste Zeit, dass sich dies ändert.

Aus Filmen wie «Wall Street» und Büchern wie «Lügenpoker» wissen wir es schon lange: Banker sind Supermachos. Wie die Elitesoldaten der Navy Seals werden sie zu eigentlichen Geldkampfmaschinen trainiert. Dass es sich bei den Masters of the Universe keineswegs um Kopfgeburten aus Hollywood handelt, sondern dass selbst vermeintlich seriöse Schweizer Banken ihre jungen Investmentbanker zu Kunden schicken wie Geheimagenten ins Feindesland, wurde spätestens im Frühling 2008 klar. In Miami wurde damals ein gewisser Martin Liechti verhaftet, seines Zeichens Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung der UBS und zuständig für das Private Banking in den USA.

Liechtis Verhaftung war der Auftakt zu einer spektakulären Enthüllung über die Art und Weise, wie die UBS ihre privilegierten Kunden umgarnte. Erstaunt und verblüfft erfuhr die Öffentlichkeit, dass die Schweizer Grossbank ein weitverzweigtes, geradezu geheimdienstartiges Netzwerk unterhielt, das reichen Amerikanern half, Steuern zu hinterziehen. Junge UBS-Banker versteckten dabei Diamanten in Zahnpastatuben und hatten Laptops bei sich, deren Harddisk sie im Notfall mit einem Sicherheitscode sofort löschen konnten. Sie fühlten sich wie James Bond.

«Die Welt lag uns zu Füssen»

Einer von ihnen schilderte seine Erlebnisse im «Magazin» wie folgt: «Ich bin die letzten Jahre auf einer Welle gesurft, wir waren alle supercool drauf. Die Welt lag uns zu Füssen, alles lief gut, kein Mensch dachte daran, dass dies alles mal aufhören könnte. Als ich zum ersten Mal eine Visitenkarte der UBS mit meinem Namen drauf in der Hand hatte, fühlte ich mich richtig stark. Diese drei Buchstaben, UBS, nicht irgendeine Bank, sondern die mächtigste Schweizer Bank.»

Auch Kweku Adoboli war bei der UBS in London lange «supercool drauf». Er war ein typischer Vertreter des modernen Investmentbanking: hoch intelligent, bestens ausgebildet, fleissig und extrem ehrgeizig. Solche jungen Männer – Frauen gibt es in dieser Branche praktisch nicht – werden von den führenden Investmentbanken gezielt umworben und danach für ihren Job ausgebildet. Dabei lernen sie zwar nicht, wie man lautlos tötet, aber es kann trotzdem ganz schön ruppig zugehen. Michael Lewis schildert seine eigene Ausbildung zum Investmentbanker im legendären Bestseller «Lügenpoker» wie folgt: «Das Leben eines Lehrlings war ungefähr so, wie jeden Tag von einem starken Mann verprügelt zu werden. Mit der Zeit wurde man selbst fies und arrogant.»

Ein mehr als zwiespältiges Geschäft

Die Ausbildung, die die besten und klügsten Hochschulabgänger bei den Investmentbanken geniessen, ist deshalb eine Art Initiationsritus. Sie formen aus jungen Theoretikern erfahrene Geldkrieger. Das kann gelegentlich nur schiefgehen. Es ist kein Zufall, dass die sogenannten Rogue Trader – Händler, die auf betrügerische Art Milliarden verspekulieren – den Banken immer wieder gewaltige Schäden verursachen, und dabei werden der Öffentlichkeit wahrscheinlich nur jene Fälle bekannt, die sich beim besten Willen nicht mehr vertuschen lassen. Investmentbanking ist daher aus wirtschaftlicher Sicht ein mehr als zwiespältiges Geschäft. Es ist extrem volatil, und wenn Gewinne gemacht werden, dann fliessen diese mehrheitlich in Form von Boni in die Taschen der Geldkrieger.

Die UBS hat nun die Konsequenzen gezogen und will das Investmentbanking massiv zurückfahren. Das Beratergeschäft für Firmenübernahmen und Fusionen wird zwar beibehalten, aber dieses Geschäft wird auf Honorarbasis betrieben und ist daher risikolos. Die Geldkampfmaschinen hingegen kommen beim sogenannten Eigenhandel zum Einsatz. Den will die UBS einstellen. Sie hat offenbar eingesehen, dass die Supermachos nicht nur eine Belastung für den Ruf der Bank geworden sind, sondern dass sie sich ganz einfach betriebswirtschaftlich nicht mehr rechnen.

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