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Sonova vermeldet Rekordumsatz – und leidet unter dem starken Franken

Der Stäfner Hörgerätehersteller hat im Geschäftsjahr 2010/11 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Franken erzielt. Der Reingewinn erreichte 231 Millionen Franken. Im Vorjahr waren es noch 217 Millionen.

Der Produkterückruf, der starke Franken und die Affäre um Aktienverkäufe durch Spitzenmanager haben Sonova im vergangenen Geschäftsjahr 2010/11 schwer zu schaffen gemacht. Obwohl der Umsatz einen neuen Rekord von 1,6 Milliarden Franken erreichte, fiel der Gewinn auf das tiefste Niveau seit fünf Jahren.

Unter dem Strich erzielte Sonova noch einen Reingewinn von 231,1 Millionen Franken, wie der Konzern aus Stäfa ZH bekannt gab. Weniger Gewinn hatte der Hörgerätehersteller letztmals im Geschäftsjahr 2005/06 ausgewiesen.

Weniger als ursprünglich erwartet

Schuld am Taucher sind defekte Hörimplantate der US-Tochterfirma Advanced Bionics, die zurückgerufen werden mussten, nachdem es bei Patienten zu Problemen gekommen war.

Dies kostete Sonova viel Umsatz. Die Verkäufe von Hörimplantaten wurden ab November gestoppt, wodurch der Umsatz lediglich 71 Millionen Franken erreichte. Das seien rund 60 Millionen Franken weniger als ursprünglich erwartet, teilte Sonova mit.

Rekordgewinn futsch

Als Folge der Defekte musste Sonova eine Wertberichtigung von 192 Millionen Fr. vornehmen. Davon entfielen 156,6 Millionen Fr. auf den Goodwill von Advanced Bionics, die aber dem Vorjahr angelastet werden.

Damit ist aber der Rekordgewinn von 354,8 Millionen Fr. aus dem Vorjahr futsch. Nach dem Goodwillabschreiber musste Sonova den Reingewinn für das Geschäftsjahr 2009/10 auf 216,6 Millionen Franken nach unten korrigieren.

Zusätzlich fiel im folgenden Geschäftsjahr 2010/11 noch eine Wertberichtigung von 35,5 Millionen Franken auf Forschungs- und Entwicklungskosten in der Hörimplantatesparte an. Die neu gebildete Hörimplantatesparte erlitt einen operativen Verlust vor Abschreibern (Ebita) in Höhe von 45 Millionen Franken.

Affäre kostet acht Millionen Franken

Insgesamt schrumpfte der Betriebsgewinn (Ebita) des Konzerns von 420,3 Millionen auf 326,6 Millionen Franken. Dabei riss die Franken-Aufwertung ein Loch von 35 Millionen Franken in die Kasse. Zudem kostete die Affäre um Aktien- und Optionsverkäufe durch Spitzenleute den Konzern 8,1 Millionen Franken.

Sonova hatte wegen der Probleme bei den Hörimplantaten im März die Märkte mit einer Gewinnwarnung geschockt. Daraufhin stürzte die Aktie um fast ein Viertel ab.

Richtig Staub aufgewirbelt hat allerdings die Tatsache, dass kurz vor der Gewinnwarnung Spitzenleute noch mit Verkäufen von Sonova- Aktien und -Optionen Kasse gemacht hatten. Dies führte zu einem Köpferollen in der Teppichetage.

Posten räumen

Konzernchef Valentin Chapero und Finanzchef Oliver Walker mussten ihre Posten räumen. Auch Verwaltungsratspräsident Andy Rihs gab sein Amt auf, blieb aber im obersten Führungs- und Aufsichtsgremium.

Die Staatsanwaltschaft Zürich leitete ein Strafverfahren ein, bei dem sie gegen Chapero und Walker ermittelt. Die Schweizer Börse Six hat zudem eine Untersuchung gegen Sonova wegen einer möglichen Verletzung von Börsenvorschriften eingeleitet.

Die 8,1 Millionen Franken Kosten für die Affäre sei das, was man heute sehe, sagte Alexander Zschokke, der interimistisch den Posten des Konzernchefs übernahm, am Dienstag an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich.

Keine Folgen an Kundenfront

Zschokke und der neue interimistische Finanzchef Paul Thompson hatten vor der Gewinnwarnung ebenfalls Wertpapiere verkauft. Ob die Staatsanwaltschaft auch gegen sie ermittle, wollte Zschokke im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA nicht sagen: Zu dem laufenden Verfahren nehme er nicht Stellung.

Bei den Kunden habe die Affäre zu keinen negativen Folgen für Sonova geführt, sagte Zschokke. Das habe ihn selber überrascht. Der Umsatz kletterte um 7,8 Prozent auf den neuen Rekord von 1,617 Milliarden Franken. Dabei habe der starke Franken 84 Millionen Franken weggefressen. In Lokalwährungen sei Sonova gar um 13,3 Prozent gewachsen, hiess es.

Auch im laufenden Geschäftsjahr 2011/12 macht die Franken-Hausse Sonova zu schaffen. Das erwartete Wachstum von 8 bis bis 10 Prozent in lokalen Währungen werde durch Währungseinflüsse zunichte gemacht, sagte Finanzchef Thompson. Damit dürften die Umsätze stagnieren. Auch auf den Gewinn schlägt die Franken-Aufwertung durch. Bei gleichbleibenden Wechselkursen werde der Ebita schätzungsweise um 60 Millionen Franken gedrückt.

SDA/pbe

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