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Was die Annäherung im Preisstreit für die Konsumenten bedeutet

Nestlé und Coop stehen im Streit um tiefere Einkaufspreise vor einer Einigung. Die Zahl der Aktionen dürfte steigen.

Hoffen auf tiefere Preise für Nestlé-Produkte: Kundinnen im Coop Südpark in Basel. Foto: Christian Beutler (Keystone)
Hoffen auf tiefere Preise für Nestlé-Produkte: Kundinnen im Coop Südpark in Basel. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Coop und weitere europäische Detailhändler haben im Kampf um tiefere Preise dem Nahrungsmittelmulti Nestlé offenbar Zugeständnisse abgerungen. Coop hat rund 200 Nestlé-Produkte aus dem Sortiment verbannt. Laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» haben sich die Parteien nun grundsätzlich geeinigt.

Nestlé soll dabei der Einkaufsorganisation Agecore in zentralen Punkten bessere Konditionen bieten. Der Konzern müsse sich demnach an gemeinsamen Werbeaktionen stärker beteiligen und mehr für eine gute Platzierung im Regal bezahlen. Wie stark die Preise der Nestlé-Produkte im Laden dadurch sinken – und ob überhaupt – ist unklar. Die Zahl der Aktionen dürfte aber steigen.

Einigung könnte für Nestlé teuer werden

Zu Agecore, die den Nestlé-Boykott initiiert hatte, gehören neben Coop auch die deutsche Edeka, die französische Intermarché und weitere europäische Supermarktketten. Sie machen rund 10 Prozent des Nestlé-Umsatzes in Europa aus. Die neuen Verträge sind aber noch nicht unterschrieben. «Es ist noch nichts in trockenen Tüchern. Nichts ist vereinbart, bis alles vereinbart ist. Die Verhandlungen laufen noch», sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Gemäss Edeka-Chef Markus Mosa ist man bei den Gesprächen mit Nestlé vorangekommen. «Wir sind aber noch lange nicht am Ziel», sagt er am Dienstag an einer Medienkonferenz. Das Angebot von Nestlé bezeichnete er als «in dieser Form nicht akzeptabel». Coop und Nestlé wollten keinen Kommentar abgeben.

Falls Nestlé gegenüber den Detailhändlern eingeknickt ist, könnte das laut Patrik Schwendimann, Analyst der Zürcher Kantonalbank, teuer für den Multi werden. Es würde sogar die gesamte Nahrungsmittelindustrie negativ treffen, weil es andere Händler dazu ermuntert, ebenfalls neue Konditionen auszuhandeln.

Jon Cox, Analyst von Kepler Cheuvreux, erwartet, dass Nestlé bei Produkten, bei denen die Konkurrenz durch Eigenprodukte der Detailhändler gross ist, Zugeständnisse machen wird. Bei ihren stärksten Marken werde Nestlé aber kaum nachgeben. Laut Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy ist die Eskalation des Konflikts auch Marketing vonseiten der Händler. «Das Ganze ist ein spektakuläres, lärmiges Druckmittel der Detailhändler», sagt er. «Die wichtigen Nestlé-Produkte hat Coop im Sortiment behalten. Ansonsten wäre die Gefahr zu gross, dass Kunden bei der Konkurrenz einkaufen.»

Weltweit höhere Preise als Ziel

Coop hat Produkte wie Maggi-Würze, Pizzas von Buitoni und Nescafé Azera aus dem Sortiment gekippt. Verkaufsrenner wie den milden Thomy-Senf oder Nescafé Gold rührte Coop nicht an. Diese gibt es auch bei Denner zu kaufen.

Klar ist: Zwischen Handel und Herstellern wird mit zunehmend harten Bandagen gekämpft. Das Umfeld wird für beide Seiten schwieriger. Die Preise für Lebensmittel sind unter Druck. Dafür sorgen die Discounter und der Einkaufstourismus. Zudem greifen kleine innovative Jungunternehmen Trends schneller auf und machen den Grossen das Leben schwer. Eine Priorität von Nestlé-Chef Mark Schneider ist es deshalb auch, neue Produkte schneller auf den Markt zu bringen. Zudem will er für Nestlé-Produkte weltweit höhere Preise durchsetzen, um das Wachstum des Konzerns anzukurbeln. Der Streit mit Agecore kommt ihm da sehr ungelegen.

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