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Siemens und Mitsubishi legen Angebot für Alstom auf dem Tisch

Nach zähen Verhandlungen haben sich Siemens und Mitsubishi auf ein gemeinsames Angebot für die Energiesparte des Industriekonzerns Alstom geeinigt.

Um den französischen Industriekonzern ist eine Bieterschlacht entbrannt: Alstom-Werk in Birr AG. (Archivbild: Keystone)
Um den französischen Industriekonzern ist eine Bieterschlacht entbrannt: Alstom-Werk in Birr AG. (Archivbild: Keystone)
Steffen Schmidt, Keystone

Siemens und Mitsubishi fordern den US-Konzern General Electric im Bieterrennen um Alstom mit einem gemeinsamen Gebot heraus. Das deutsch-japanische Konsortium will die französische Industrie-Ikone mit umfassenden Beteiligungen und sieben Milliarden Euro dem Zugriff der Amerikaner entziehen.

Während Siemens ausschliesslich das Gasturbinengeschäft der Franzosen will und dafür 3,9 Milliarden Euro bietet, schlagen die Japaner ein weitreichendes Geflecht an Beteiligungen an Alstom vor, wie die beiden mitteilten. Mitsubishi Heavy Industries (MHI) will dafür zunächst 3,1 Milliarden Euro locker machen. Alstom erklärte am Abend, die Offerte in den kommenden Tagen zu prüfen.

Beteiligung an Nuklearsparte

Die Japaner schlagen der Alstom-Spitze vor, sich mit 40 Prozent an der Nuklear- und Dampfturbinensparte, mit 20 Prozent an der Netztechnik und mit 20 Prozent an der Wasserkraftsparte der Franzosen zu beteiligen. Hinzu kommt ein Einstieg mit 10 Prozent auf der Konzernebene.

Die Anteile sollen aus dem Besitz von Alstom-Grossaktionär Bouygues stammen und sind nach aktuellem Börsenwert knapp eine Milliarde Euro wert. Die Partner seien bislang nicht an Bouygues herangetreten, erklärte der Alstom-Aktionär. Bouygues werde das Gebot aber unterstützen, das Alstom bevorzuge. Die Amerikaner hielten sich bedeckt zum Vorstoss der Konkurrenz.

Lockruf der Job-Garantie

MHI (Mitsubishi) lockt wie GE (General Electric) mit neuen Arbeitsplätzen in Frankreich, um die französische Politik auf seine Seite zu ziehen. «Die Allianz wird die Schaffung von mehr als 1000 Stellen in Frankreich ermöglichen», hiess es.

GE hatte sein 12,4 Milliarden Euro schweres Gebot der skeptischen Regierung in Paris ebenfalls mit dem Versprechen von 1000 Jobs versüsst. Die GE-Offerte für die gesamte Alstom-Energietechnik läuft noch bis 23. Juni.

Siemens hat sich mit der Gasturbinensparte das Filetstück Alstoms ausgesucht. «Das Angebot ist für Siemens weniger komplex, fokussiert und mit deutlich geringeren Risiken verbunden», erklärte Konzernchef Joe Kaeser. Den Mitarbeitern des Geschäftsfelds in Deutschland und Frankreich stellt er eine dreijährige Job-Garantie in Aussicht.

Schweizer Arbeitsplätze nach Frankreich

Ihren Sitz hat die Sparte in der Schweiz. Sollten die Münchner den Zuschlag bekommen, versprechen sie eine Verlegung der zugehörigen Servicesparte für Europa nach Frankreich. Die Finanzierung sei kein Problem.

MHI-Chef Shunichi Miyanaga betonte die Gemeinsamkeiten mit den Franzosen. «Wir haben im Bereich der Nukleartechnik bereits eine erfolgreiche Allianz mit dem französischen Unternehmen Areva gebildet. Ich bin der Überzeugung, dass unsere Zusammenarbeit mit Alstom im Turbinengeschäft eine französisch-japanische Allianz mit überlegener technologischer Expertise sein würde.»

Siemens-Chef trifft Hollande

Kaeser will am Dienstag auch bei Frankreichs Staatspräsident Hollande und der Nationalversammlung für seine Pläne werben. Der Präsident trifft sich am Vormittag mit Kaeser und Miyanagi, am Nachmittag ist die Anhörung im Parlament geplant. Siemens hatte sich selbst eine Frist bis heute Montag gesetzt.

Frankreich hatte das Rennen zwischen GE und der Siemens-Allianz am Wochenende noch angeheizt. «Ich glaube, dass GE die eigene Offerte ebenfalls nachbessert», hatte Finanzminister Michel Sapin gesagt. Er betonte, er habe keine Präferenz für einen der Bieter, Frankreich werde sich aber für den Erhalt von Arbeitsplätzen einsetzen. «Wir werden nicht (für Alstom) entscheiden, aber wir werden unseren Einfluss nutzen», sagte er.

Merkel für Siemens-Offerte

Die Aufsichtsräte von Siemens hatten sich am Sonntag für die Offerte ausgesprochen. Moralische Unterstützung kommt auch aus der Politik. «Selbstverständlich begrüsst die Bundesregierung Lösungen, die geeignet sind, die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit an den Standorten in Deutschland und auch an anderen Stellen in Europa zu stärken», erklärte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter in Berlin.

Die Japaner drängen verstärkt nach Europa. Nach einem Konzernumbau hat MHI mittlerweile vier Milliarden Dollar angespart und ist seit dem Frühjahr auf Einkaufstour. Zuletzt hatten sie von Siemens die Mehrheit an der Stahlwerkssparte VAI bekommen. Im Energiegeschäft ist MHI vor allem bei der Kohlekraftwerkstechnik sowie im Nuklearbereich stark und hat sich dort mit der heimischen Hitachi verbündet.

Nach der Fukushima-Katastrophe ergeben sich auf dem Heimatmarkt aber kaum mehr Chancen in der Atomenergie, sodass MHI-Chef Miyanagi sein Heil in Europa sucht. Weltweit ist Mitsubishi neben GE, Alstom und Areva einer der wenigen verbleibenden Atomstromspezialisten - abgesehen von der staatlich dominierten Rosatom in Russland.

AFP/thu

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