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Sieg für Staatsanwalt: Boni werden gekürzt

Versicherungsgigant AIG, mit Staatsgeld gerettet, suspendiert Boni für die Chefetage im Wert von 600 Millionen Dollar – ein Erfolg für New Yorks Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo.

Seit der Genehmigung des 700-Milliarden-Dollar-Rettungsplans durchs Parlament ist die Managerentlöhnung auch in den USA unter Beschuss. Teil des Pakets ist, dass Finanzhäuser, die Staatsgelder erhalten, sich einschränken müssen bei Löhnen, Boni und goldenen Fallschirmen für die Chefetage. Versicherungskonzern AIG hat in einer Notfallaktion rund 120 Milliarden Dollar vom Staat erhalten – nur deshalb ist er nicht bankrott gegangen. Dennoch hat er bis vor kurzem geplant, seinem Management insgesamt 600 Millionen Dollar an Boni auszuzahlen; ausserdem hätte der frühere Konzernchef Martin Sullivan noch 19 Millionen erhalten sollen.

AIG-Leute waren besonders gierig

Unter dem Druck des New Yorker Generalstaatsanwalts Andrew Cuomo hat AIG diese Zahlungen nun suspendiert. «Es fällt mir schwer zu verstehen, wie man Boni auch nur in Betracht ziehen kann für Manager, die das Unternehmen faktisch in den Bankrott geführt haben», kommentierte Cuomo den Etappensieg vor den Medien. Er führt einen juristischen Kampf mit dem aktuellen Management des Versicherungskonzerns. Konzernchef Edward Liddy, der im Juni von Sullivan übernommen hatte, erklärte sich nun zu diesen Konzessionen bereit. Cuomo erklärte allerdings auch, er habe keine Ahnung, was für Zahlungen Sullivan möglicherweise schon erhalten habe. Und er sucht nach Wegen, das frühere Management dazu zu zwingen, bereits bezahlte Boni zurückzugeben. «Bis die Steuerzahler ihre 120 Milliarden Dollar samt den Zinsen zurückbekommen haben, sollte kein Manager bei AIG irgendwelche Boni erhalten», sagte Cuomo.

AIG gilt als Paradebeispiel für exzessive Managergier, seit bei einer parlamentarischen Anhörung die Praktiken des Unternehmens ans Licht kamen. So fand gleich nach der staatlichen Rettungsaktion eine Klausurwoche für Top-Versicherungsagenten statt – in einem Spa in Kalifornien. Kosten 442'000 Dollar, davon 150'000 allein fürs Essen. Nun hat AIG 160 weitere Konferenzen und Anlässe abgesagt, die insgesamt acht Millionen Dollar gekostet hätten. Die Firma sagte ausserdem zu, ein Gremium zu bilden, das neue Kontrollen für Managementausgaben entwickelt.

Ob dieses Beispiel Schule macht, ist offen. Viele Analysten bezweifeln, dass die im Rettungsplan formulierten Bedingungen für die Managerentlöhnung zu einem grundsätzlichen Wandel führen werden. Details sind noch nicht viele bekannt – eine Regel ist aber, dass Unternehmen, die von Staatsgeldern profitieren und ihre Manager mit mehr als 500'000 Dollar pro Jahr entlöhnen, mehr Steuern zahlen müssen.

Das klinge gut und beruhige die Öffentlichkeit, sagen Experten, aber am Ende würden die Banken höhere Steuern zahlen und andere Wege finden, ihren Managern so viel zu zahlen, wie sie es für richtig halten. So sei es immer gewesen, sagt Kevin Murphy, Finanzprofessor an der University of Southern California: «Die Bilanz des Parlaments bei der Regulierung von Managerlöhnen ist bisher unbefleckt von Erfolgen.» Auch er glaubt nicht, dass sich die Banken an die 500'000-Grenze halten werden. Vielen Top-Managern sei das schlicht zu wenig. «Notfalls suchen die sich dann halt einen anderen Job bei einer Bank oder einem Hedge-Fund, für den diese Regel nicht gilt.»

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