Schweizer Wirtschaft bereitet sich auf eine neue Suezkrise vor

Die Suezkrise im Jahr 1956 hatte massive Folgen für die Wirtschaft in Europa. Der Konflikt in Ägypten könnte den Kanal erneut blockieren. Der Schweizer Handelsverband fühlt sich gewappnet.

Eine der wichtigsten Handelsschneisen: Der Suez-Kanal in Ägypten.

Eine der wichtigsten Handelsschneisen: Der Suez-Kanal in Ägypten.

(Bild: Keystone)

Der Suezkanal gilt als eines der Nadelöhre der Weltwirtschaft. Zurecht sorgen sich Wirtschaftsvertreter mit Blick auf die Krise in Ägypten um eine allfällige Blockade des Kanals. Erinnerungen an 1956 werden wach: Damals im November herrschte die Suezkrise. Die Blockade des wichtigen Handleswegs löste eine veritable Ölkrise aus. Dies auch weil der Suezkanal die einzige Verbindung ölreicher Ländern am Roten Meer und dem Mittelmeer ist.

Die Suezkrise hatte zur Folge, dass in England Tanksteller geschlossen wurden, in Schweden Fabriken stillgelegt und in ganz Europa viele Wohnungen nicht mehr beheizt werden konnten. Die Schweiz verhängte damals Fahrverbote, um der Ölknappheit entgegen zu wirken.

Wichtigkeit des Suezkanals hat abgenommen

Dennoch: Eine ähnliche Ölkrise befürchten Wirtschaftsexperten bei einer allfälligen Blockade des Suezkanals nicht. So wird heute weit weniger Öl durch den Kanal geschippert als noch vor 50 Jahren. Leon Leschus, Rohstoffexperte beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut, sagt gegenüber der «Zeit», dass in Deutschland noch genügend Lagerkapazität bestehe, um allfällige Verluste auszugleichen.

Auch der Branchenverband Handel Schweiz sieht momentan kaum Folgen des Machtkampfs in Ägypten für die Schweiz. Eine Ölverknappung durch eine Blockade des Suezkanals oder der darum herumführenden Pipeline hätte kurzfristig geringe Auswirkungen, da die Öllager in der Schweiz gut gefüllt seien.

Alternativen sind genügend vorhanden

Und für viele Produkte, die sich bei einer Sperrung des Suezkanals verteuern könnten, gebe es heute Alternativen, schreibt der Dachverband in einem Communiqué vom Freitag. Der Suezkanal ist für den Welthandel von Bedeutung, da durch ihn ein Zehntel des Seehandels fährt. Bei einer Schliessung müssten die Waren um Afrika herum transportiert werden, was die Preise hochtreiben würde.

Handel Schweiz rechnet allerdings nicht mit länger andauernden Konflikten in Ägypten, was auch in anderen nordafrikanischen Staaten für etwas mehr Ruhe sorgen dürfte, wie der Verband schreibt. «Die Gefahr eines Flächenbrandes im nahen Osten stufen wir demzufolge als gering ein.»

Ägypten würde es hart treffen

Eine Schliessung des Suezkanals würde wohl Ägypten selbst am meisten treffen. So erwirtschaftet das Land jährlich knapp 4,3 Milliarden Dollar Gebühren von Reedern, deren Schiffe des Kanal passieren.

mrs

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