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«Schweizer Finanzplatz ist gesund»

Zum Auftakt des diesjährigen Bankiertags gibt sich der Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, der Genfer Privatbankier Pierre Mirabaud, selbstbewusst.

Der Finanzplatz Schweiz sei gesund, sein internationaler Ruf nach wie vor intakt, und die Bankiers müssten sich nicht schämen, sagte Mirabaud vor den Medien in Zürich. Er verschwieg zwar die Fehler in den eigenen Reihen nicht und kritisierte Gier, falsche Anreizsysteme und untaugliches Risikomanagement. Am meisten habe ihn gestört, dass der gesunde Menschenverstand im Herdentrieb verloren gegangen sei. Die Schweiz müsse aber endlich aufhören, sich schlechter zu reden, als sie sei, forderte Mirabaud und sagte: «Der Schweizer Finanzplatz ist gesund.» Die Lage möge für einzelne Institute immer noch schwierig sein. Umso wichtiger sei es, dass sich die anderen Banken solidarisch zeigten. Häme sei absolut fehl am Platz.

Internationale Reputation intakt

Auch die internationale Reputation des Finanzplatzes ist gemäss Mirabaud als Ganzes nach wie vor intakt. Im Ausland werde die Schweiz nicht speziell mit der Finanzkrise identifiziert. Im Unterschied zu anderen Ländern habe in der Schweiz kein Steuerfranken zur Rettung einer Bank aufgewendet werden müssen. Dass ausländische Investoren sich in dieser Situation und in dieser Höhe an einer Schweizer Bank beteiligt hätten, sei ein gutes Zeichen für die Qualität des Swiss Banking, sagte der Bankierpräsident zur Kapitalspritze aus Singapur und dem Mittleren Osten für die UBS.

Mit Blick auf die Pläne von Bankenkommission und Nationalbank, das Eigenmittelregime für die beiden Grossbanken zu verschärfen, warnte Mirabaud vor Schnellschüssen. Es wäre besser, abzuwarten, wie sich die neue Finanzmarktaufsichtsbehörde FINMA bewähre. Eine tendenzielle Erhöhung der Eigenmittelunterlegung müsse zudem strikt risikobasiert und mit einem speziellen Augenmerk auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit erfolgen. Zur geplanten Einführung einer Leverage ratio sagte Mirabaud, in den USA gebe es solche Verschuldungslimiten schon lange und dadurch sei die Finanzkrise auch nicht vermieden worden.

Nur einzelne Systemteilnehmer schuld

Zu den Lehren aus der Krise gehöre aber das Überdenken der Anreize in den Entlöhnungssystemen sowie der moralisch-ethische Aspekt. «Nicht das System hat versagt, sondern einige Systemteilnehmer», sagte der Privatbankier. Er verurteilte auch die Kritik und Schuldzuweisungen der politischen Linken und sagte: «Wir Banker als Berufsgattung müssen uns nicht schämen, sondern können auf unseren Beitrag zum Wohlstand des Landes stolz sein.»

Mit Nachdruck verteidigte Mirabaud das Bankgeheimnis und die Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug. In Anspielung auf die Kritik aus Deutschland sagte der Bankierpräsident: «Niemand käme auf die Idee, die Geschwindigkeitsbegrenzungen für deutsche Autofahrer auf Schweizer Autobahnen aufzuheben, nur weil es eine solche in Deutschland nicht gibt.»

Abschaffung der Stempelsteuer gefordert

Der Geschäftsführer der Bankiervereinigung, Urs Roth, bekräftigte die Forderung des Finanzplatzes nach einer schrittweisen Abschaffung der Stempelsteuer. Die Steuerausfälle seien durch Wachstum kompensierbar. Das zusammen mit BAK Basel Economics erstellte Bankenbarometer kommt zum Schluss, dass der Bankenplatz trotz Verschiebungen von Geldern als ganzes keinen Nettoabfluss von Vermögen befürchten müsse.

AP/cpm

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