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Saudiarabien will clean werden

Das Wüstenreich gilt als Inbegriff für die Verschwendung von Öl. Nun zeichnet sich eine vorsichtige Wende ab.

Saudiarabien will in den nächsten Jahren zum weltweiten «Powerhouse» für Sonnenenergie werden: Eine Solaranlage bei einem Recherchezentrum (21. Mai 2012).
Saudiarabien will in den nächsten Jahren zum weltweiten «Powerhouse» für Sonnenenergie werden: Eine Solaranlage bei einem Recherchezentrum (21. Mai 2012).
Fahad Shadeed, Reuters

Noch immenser als die Ölvorräte unter dem Wüstensand ist Saudiarabiens Verfügbarkeit von Sonnenlicht. Das Königreich liegt in einer Region mit einer der weltweit intensivsten Sonneneinstrahlungen, und seine endlosen Wüsten bieten ausreichend Platz für die Ausbreitung grosser Sonnenpanels. Dennoch trägt diese unerschöpfliche Quelle bislang so gut wie nichts zum Energiemix von Saudiarabien bei. Verantwortlich dafür sind zum einen technische Hemmnisse wie Sandstürme, welche die Energiegewinnung aus Solaranlagen empfindlich stören können und aufwendige Reinigungsarbeiten der Sonnenpanels erfordern.

Hauptgrund für die Vernachlässigung der Sonnenenergie sind indes die Subventionen auf Öl, mit denen die Regierung ihre Bürger beglückt. Sie summieren sich gemäss Schätzungen der Weltbank auf etwa 80 Milliarden Dollar pro Jahr, was mehr als 10 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht. Mit dieser drastischen Verbilligung wird den Saudis jeder Anreiz zum sparsameren Energieverbrauch genommen. Selbst die Stromproduktion des Landes beruht grossenteils immer noch auf der Verbrennung von Öl, und diese Kraftwerke gelten als hochgradig ineffizient.

Gleiches trifft für die zahllosen Klimaanlagen zu, auf die ungefähr zwei Drittel des landesweiten Verbrauchs an Elektrizität entfallen. Hausisolationen sind weitgehend unbekannt, und auch während Ferienabwesenheiten werden die Wohnhäuser stark abgekühlt. Diese enorme Verschwendung auf allen Ebenen führt dazu, dass Saudiarabien – mit seinen gerade mal 30 Millionen Einwohnern – zu den weltweit zehn grössten Ölkonsumenten zählt.

Gefährdeter Status als Ölmacht

Mittlerweile dämmert aber auch dem saudischen Königshaus, dass kein Weg mehr an einer Drosselung des Energieverbrauchs und vor allem an einem ausgewogeneren Energiemix vorbeiführt. Denn würde der einheimische Ölkonsum weiterhin um rund 7 Prozent pro Jahr zunehmen, sähe sich das Land gezwungen, seine Ölausfuhren drastisch einzuschränken. Und bis zum Jahr 2038, so hatte die britische Denkfabrik Chatham House in einem viel beachteten Bericht Ende 2011 errechnet, würde der derzeit grösste Ölexporteur der Welt zu einem Nettoimporteur werden.

Davon abgesehen, verliert Saudiarabien enorm viel Geld mit dem Verbrennen von Öl zur Stromerzeugung. Saudi Aramco, die staatliche Ölgesellschaft, verkauft ihren «Stoff» an die ebenfalls staatliche Elektrizitätsgesellschaft zu einem Preis von etwa 4 Dollar je Fass, was in etwa den Förderkosten entspricht. Auf dem Weltmarkt dagegen erhält Aramco derzeit rund 56 Dollar (gemessen an der Nordsee-Sorte Brent) für das gleiche Fass. Hält man sich vor Augen, dass die Saudis ungefähr ein Viertel des produzierten Öls verbrennen, wird rasch ersichtlich, welch hohe Einnahmen sich der Staat dadurch entgehen lässt.

Dessen Hinwendung zu erneuerbaren Energien entspringt also letztlich der Einsicht, dass das arabische Königreich ohne Kurskorrektur Gefahr läuft, seine wirtschaftlichen Grundlagen und insbesondere seinen Status als dominante Ölmacht aufs Spiel zu setzen. Vor diesem Hintergrund will das Land bis 2030 Investitionen von 30 bis 50 Milliarden Dollar zum Bau und Betrieb von Sonnen- und Windkraftwerken ermöglichen. Dieser Plan ist Teil des weitaus ambitiöseren Vorhabens, mit dem der stellvertretende Kronprinz Muhammad bin Salman – die bestimmende Figur im Königshaus – danach strebt, die starke Abhängigkeit vom Öl mittels einer breiter diversifizierten Wirtschaftsstruktur einzudämmen.

Der Traum vom «solaren Kraftzentrum»

Ölminister Khalid al-Falih will nun sein Land zu einem «solaren Kraftzentrum» entwickeln, wie er im Januar ankündigte. Bis 2023, so dessen Vorgabe, sollen Kapazitäten zur Produktion von annähernd 10 Gigawatt (= 10'000 Megawatt) aus erneuerbaren Energiequellen bereitstehen – und das sei «erst der Anfang», wie der Minister betonte. Mit dieser Kapazität könnte auf die Verbrennung von etwa 80'000 Fass Öl pro Tag verzichtet werden. In einem ersten Schritt ist im Nordwesten des Landes der Bau von Sonnen- und Windanlagen mit einer Gesamtkapazität von 700 Megawatt geplant. Die Kosten hierfür werden von Beobachtern auf etwa 700 Millionen Dollar veranschlagt.

Die öffentliche Ausschreibung dieser Aufträge ist bereits für den April vorgesehen. Für die Finanzierung wie auch den Betrieb dieser Anlagen wollen die Saudis primär private Investoren gewinnen. Laut Falih sollen die Verträge so ausgestaltet werden, dass die Kosten der Stromproduktion die weltweit niedrigsten bei erneuerbaren Energien sind.

Parallel zum Engagement in den erneuerbaren Energien beabsichtigt Saudiarabien den Vorstoss in die Atomkraft. Hierfür seien «erhebliche Investitionen» vorgesehen, wie der Ölminister kürzlich in Aussicht stellte. Mit Russland, Frankreich und Südkorea hatte das Land bereits Kooperationsverträge auf dem Gebiet der Nuklearenergie abgeschlossen.

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