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Ringier kann «Le Temps» übernehmen

Im Oktober 2013 war die Westschweizer Zeitung zum Kauf angeboten worden, mehrere Seiten bekundeten danach ihr Interesse. Jetzt gab die Weko grünes Licht für eine Übernahme durch das Zürcher Medienhaus.

Die einzige überregionale Zeitung der Romandie: Eine Frau liest «Le Temps». (29. November 2013)
Die einzige überregionale Zeitung der Romandie: Eine Frau liest «Le Temps». (29. November 2013)
Keystone

Ringier kann die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» übernehmen. Die Wettbewerbskommission (Weko) hatte bereits am 28. August grünes Licht gegeben, wie heute bekannt wurde. Die Weko habe entschieden, keine vertiefte Untersuchung durchzuführen, sagte Sprecher Patrick Ducrey.

Ducrey bestätigte einen Bericht der Freiburger Zeitung «La Liberté». Damit verstösst der Kauf des Anteils von Tamedia an «Le Temps» durch Ringier nicht gegen das Kartellgesetz. Bislang waren beide Zürcher Medienhäuser mit je 46,25 Prozent an der Genfer Zeitung beteiligt.

«Le Temps» war im Oktober 2013 zum Kauf angeboten worden. Mehrere Seiten bekundeten danach öffentlich ihr Interesse. Darunter befanden sich der Verein Freunde von «Le Temps», die Medien VielFalt Holding von Christoph Blocher und Tito Tettamanti oder Jean-Claude Biver, der Leiter des Uhrengeschäfts des LVMH-Konzerns und Hublot-Präsident.

92,5 Prozent der Aktien

Im April 2014 unterzeichnete Ringier schliesslich einen Kaufvertrag mit Tamedia. Demnach übernahm Ringier den bisher von Tamedia gehaltenen Anteil an ER Publishing und wurde Alleinaktionärin von ERP und mithin indirekte Mehrheitsaktionärin der Westschweizer Tageszeitung«Le Temps». Über ERP hatten Ringier und Tamedia «Le Temps» bis dahin gemeinsam kontrolliert.

Die restlichen Aktien von «Le Temps» teilen sich drei Parteien: Der Genfer Bankier Claude Demole besitzt drei Prozent, die Redaktion und das Personal von «Le Temps» 2,4 Prozent und die Societé Editrice du Monde SAS weitere 2,1 Prozent.

Wie viel Ringier für den Tamedia-Anteil bezahlt hat, ist unbekannt. Man habe keinen Schleuderpreis gezahlt, hatte der Direktor von Ringier Romandie, Daniel Pillard, im April lediglich gesagt.

Ringier verstärkt Präsenz

«Le Temps» ist die einzige überregionale Zeitung der Romandie. Dem Blatt kommt trotz einer eher kleinen Auflage von 39'716 Exemplaren bei 109'000 Lesern eine grosse Bedeutung zu. Entsprechend reagierte die Romandie auf den Verkauf.

Ringier hat versprochen, dass die Direktion des «Temps» in der Romandie bleiben werde. Zudem zeigt der Zürcher Verlag sich bereit, in die Westschweizer Zeitung zu investieren, um die «Qualität zu erhalten und auszubauen». Ringier-CEO Marc Walder hatte bei der Medienkonferenz zur Übernahme diese als «Herzenssache» bezeichnet.

Mit der traditionsreichen Qualitätszeitung verstärkt Ringier die strategische Position in der Romandie und baut die bisherige Palette französischsprachiger Produkte, darunter «L'Hebdo», «L'illustré», «TV8» und «edelweiss», aus.

Lausanne, Genf?

Heftig diskutiert wird in der Westschweiz die Zukunft der Redaktion von «Le Temps». Pillard hatte im Juli auf Anfrage erklärt, es sei niemals die Absicht von Ringier gewesen, die Redaktionen von «Le Temps» und «L'Hebdo» zu fusionieren.

Der Herausgeber wolle aber Synergien freilegen und sich alle Türen offen halten, namentlich was den Standort eines möglichen «Newsroom» betreffe. «Wir sind auf der Suche nach einem Modell, entschieden ist aber noch nichts», unterstrich Pillard damals.

Entscheide über eine Neuorganisation oder den Standort würden erst nach dem Entscheid der Weko gefällt werden. Nach Angaben der Zeitung «Liberté» kommt es bereits am Mittwoch zu einem Treffen von Ringier und dem Personal.

SDA/ajk

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