Zum Hauptinhalt springen

Reich, verschwenderisch, arrogant

Larry Ellison ist ein Titan des Silicon Valley. Der IT-Multimilliardär baute ein Imperium auf, war mit Steve Jobs befreundet – und beendete die Alinghi-Ära. Jetzt schaltet er einen Gang runter.

Der bislang erste und einzige Chef von Oracle: Larry Ellison bei einer Produktpräsentation in San Francisco. (30. September 2012)
Der bislang erste und einzige Chef von Oracle: Larry Ellison bei einer Produktpräsentation in San Francisco. (30. September 2012)
Robert Galbraith, Reuters
Passion fürs Segeln: Hier feiert er die einen Sieg in der Qualifikations-Regatta für den 32. Americas Cup. (11. September 2004)
Passion fürs Segeln: Hier feiert er die einen Sieg in der Qualifikations-Regatta für den 32. Americas Cup. (11. September 2004)
Laurent Gillieron, Keystone
War bis 2010 Mitbesitzer der achtgrössten Megajacht: Die 138-Meter «Rising Sun» in Kapstadt. (25. April 2010)
War bis 2010 Mitbesitzer der achtgrössten Megajacht: Die 138-Meter «Rising Sun» in Kapstadt. (25. April 2010)
Dean Treml, AFP
1 / 4

Am Donnerstag gab Ellison bekannt, dass er vom Chefposten von Oracle abtritt. Er beschränkt sich fortan auf das Verwaltungsratspräsidium. Sein Abschied von der Firmenspitze markiert das Ende einer Ära im Silicon Valley.

Der 70-Jährige Milliardär ist legendär für seine aggressive Gangart, markige Sprüche und einen exzessiven Lebensstil. So scheut Ellison keine Kosten für seine grosse Leidenschaft, das Segeln: Seine Teams gewannen immer wieder den prestigeträchtigen America's Cup, er liess jüngst den Auftritt bei einer Kundenkonferenz ausfallen, um einem Entscheidungsrennen zuzusehen. Im Februar 2010 beendete er mit seinem Sieg über das Schweizer Team Alinghi dessen erfolgreiche America's-Cup-Ära.

Bescheiden ist ganz sicher kein Wort, das auf Ellison zutrifft. Das Magazin «Forbes» führt ihn in der aktuellen Liste der reichsten Menschen der Welt auf Platz fünf mit einem Vermögen von 51,3 Milliarden Dollar dank seines Oracle-Anteils.

Er sammelt Häuser, Autos und Flugzeuge. Im Jahr 2012 kaufte er sich eine Insel bei Hawaii, laut Medienberichten für eine halbe Milliarde Dollar. Er war viermal verheiratet und wurde viermal geschieden.

Gnadenloser Eroberer

Vor allem macht Ellison aber ein gnadenloser Eroberer-Geist aus. Er zog mit harter Hand milliardenschwere feindliche Übernahmen durch und ist berüchtigt für verbale Attacken gegen Konkurrenten.

Zum Beispiel als SAP mit dem Datenbanken-Produkt Hana auf den Markt kam, schloss Ellison eine Gefahr für Oracle in einer Telefonkonferenz mit Analysten im Herbst 2012 in Anspielung auf den ehemaligen SAP-Chef Léo Apotheker in seiner typischen Manier aus: «Gebt mir den Namen von dem Apotheker, sie müssen auf Drogen sein.»

Mit SAP und Mitgründer Hasso Plattner pflegt Ellison sowieso schon lange eine herzliche Abneigung: Sie sind erbitterte Rivalen nicht nur im Geschäft, sondern auch bei Segelrennen. 2007 setzte Oracle auch eine juristische Schlacht gegen Europas führenden Softwarekonzern in Gang, nachdem Mitarbeiter einer amerikanischen SAP-Tochter Material von einer Oracle-Firma heruntergeladen hatten.

Symbolträchtig kündigte SAP in den USA ausgerechnet am Tag von Ellisons Abschied vom Chefposten nach 37 Jahren die grösste Übernahme der Firmengeschichte an. Für rund 6,5 Milliarden Euro soll der Anbieter von Firmensoftware für Reisemanagement und Reisekostenabwicklung Concur gekauft werden.

Selfmade-Legende

Oracle steht auch für die klassische Geschichte eines Selfmade-Mannes, der vom einfachen Programmierer zum Milliardär wurde. Er wuchs als Adoptivkind in Chicago auf und brach sein Mathematikstudium ab, um als Programmierer nach Kalifornien zu gehen.

Im Jahr 1977 hatte Ellison die Idee, mit einer eigenen Firma ins Geschäft mit Datenbanken für Firmen einzusteigen, das damals von IBM beherrscht wurde. Er traf einen Nerv. Die Verkäufe wuchsen schnell und Oracle brachte Ellison in eine Liga mit Titanen der Computerbranche wie Microsoft-Gründer Bill Gates und Apples Steve Jobs.

Als Microsoft Ende der 90er-Jahre im Visier von Wettbewerbshütern stand, heuerte Ellison Privatdetektive an, um dem Windows-Riesen illegale Geschäftspraktiken nachzuweisen.

Freundschaft mit Steve Jobs

Mit Jobs verband dagegen Ellison eine jahrelange Männerfreundschaft. Sie lernten sich kennen als in frühen Oracle-Jahren ein von Jobs' damaliger Freundin geschenkter Pfau seinen Nachbarn Ellison mit seinem Gekreische um den Schlaf brachte. Das gemeinsame Schicksal als Adoptivkind verband die beiden Männer auch emotional.

Später, Mitte der 90er-Jahre, bot Ellison seinem Freund Jobs an, er könnte den strauchelnden Apple-Konzern einfach kaufen und in die Hand des Gründers legen. Das erwies sich als unnötig, Apple holte sich Steve Jobs selbst als Retter.

Zuletzt zeigte sich der Oracle-Gründer in seiner üblichen ungenierten Art skeptisch, ob Apple nach dem Tod seines Freunde erfolgreich bleiben könne: «Wir haben schon einmal gesehen, was mit Apple ohne Steve Jobs passierte.»

SDA

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch