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Prognose: UBS rot, CS schwarz

In der kommenden Woche legen die beiden Grossbanken UBS und CS ihre Jahresergebnisse offen. Für die UBS erwarten Analysten einen Verlust, ihre Branchenkollegin dürfte schwarze Zahlen ausweisen.

Die Schwierigkeiten der Bankbranche werden sich in den Jahresergebnissen widerspiegeln: Passanten beim Paradeplatz in Zürich, wo UBS und CS ihre Sitze haben. (Archivbild Keystone)
Die Schwierigkeiten der Bankbranche werden sich in den Jahresergebnissen widerspiegeln: Passanten beim Paradeplatz in Zürich, wo UBS und CS ihre Sitze haben. (Archivbild Keystone)

2012 war ein durchzogenes Bankenjahr. Einem Aufwärtstrend an den Aktien- und Wertpapiermärkten standen Umstrukturierungen und Bussen gegenüber. In der kommenden Woche stehen die Grossbanken UBS und CS im Schaufenster. Noch mehr als die nackten Zahlen des Jahresergebnisses interessiert aber, wie die UBS mit ihrer Restrukturierung vorankommt und wie weit die CS ist bei der Verbesserung ihrer Kapitalpolster.

UBS-Konzernchef Sergio Ermotti wird am kommenden Dienstag keine Glanzresultate vorweisen können. Doch überraschen wird das niemanden. Analysten rechnen sogar mit einem Jahresverlust von 2,9 bis 3,4 Milliarden Franken. Bereits Anfang Jahr enttäuschte die UBS, weil sie mit 827 Millionen Franken den erwarteten Milliardengewinn fürs erste Quartal nicht erreichte.

Neuausrichtung der Investmentbank

Im zweiten Quartal wies sie mit 425 Millionen Franken Gewinn ebenfalls weniger aus als von Experten erhofft und erschreckte im dritten Quartal die Öffentlichkeit mit einem massiven Verlust von 2,17 Milliarden Franken. Grund waren vor allem ausserordentliche Kosten für die Neuausrichtung der Bank. Die Investmentbank soll kleiner werden, aus Teilen des Handels zieht sich die UBS ganz zurück.

Der Umbau geht auf Kosten von Arbeitsplätzen im Investmentbanking. Bis zu 10'000 Stellen gehen in den nächsten drei Jahren verloren. Für Teresa Nielsen, Analystin bei der Bank Vontobel könnte dies bereits Folgen haben.

«Es ist schwierig abzuschätzen, wie viele Kunden noch bei der Investmentbank geblieben sind», so Teresa Nielsen. «Wenn bei einem Personalabbau Schlüsselpersonen die Bank verlassen, besteht die Gefahr, dass die Kunden mitgehen», führt sie aus.

Investmentbanken unter Druck

Die Schweizer Grossbank ist aber nicht die einzige, die Veränderungen verdauen muss. Die deutsche Unternehmensberatung Roland Berger rechnet beispielsweise damit, dass wegen der Eurokrise in den nächsten fünf Jahren weltweit 75'000 Arbeitsplätze im Investmentbanking gestrichen werden. Das ist fast jede sechste Stelle.

War das dritte Quartal bei der UBS vor allem geprägt vom Umbau, wird auch das vierte und letzte rot ausfallen. Die UBS gab bereits selbst bekannt, dass sie mit einem Reinverlust von 2,0 Milliarden bis 2,5 Milliarden Franken rechnet.

Grund dafür sind neben Restrukturierungskosten Belastungen aus der Neubewertung von Schulden, Rückstellungen für Rechtsfälle und regulatorische Angelegenheiten. Insbesondere wird die UBS für den Libor-Skandal mit 1,4 Milliarden Franken zur Kasse gebeten.

Stärkere Kapitalbasis

Bussen, Regulierungen, Vorschriften. Gerade letzteres beeinflusst auch die Credit Suisse (CS), die am Donnerstag ihr Jahresergebnis vorlegt. Nach neun Monaten wies die CS mit einem Gewinn von mehr als einer Milliarde Franken schwarzen Zahlen aus. Analysten erwarten darum bezüglich Jahresergebnis keine Hiobsbotschaften.

Doch die grosse Frage ist gemäss Experten, ob sich die Bank bezüglich den Vorschriften von Basel III verbessert hat. Diese Vorschriften zielen auf die Stärkung des Eigenkapitals der Banken.

Fortschritt bei der CS

Die CS hatte im Oktober angekündigt, die Bilanz bis Ende 2013 um 130 Milliarden Franken zu verringern, um die vorgegebenen Quoten zu erreichen. Die Analysten der Zürcher Kantonalbank gehen davon aus, dass die CS auf gutem Weg ist, dieses Ziel zu erreichen. «Die Frage ist langfristig, ob die CS mit einer verkleinerten Bilanz ihre Investmentbank überhaupt noch betreiben kann», sagt Analystin Teresa Nielsen von der Bank Vontobel.

Die CS erwirtschaftete im dritten Quartal einen Reingewinn von 254 Millionen Franken, im zweiten ein Ergebnis von 788 Millionen Franken. Im ersten Quartal schlitterte die Bank knapp an den roten Zahlen vorbei: Eigenheiten der Bilanzierung und die Kosten für Bonusprogramme drückten den Reingewinn auf 44 Millionen Franken.

Im Geschäftsjahr 2011 wies die CS insgesamt ein Konzernergebnis von rund 1,95 Milliarden Franken aus, die UBS einen Gewinn von rund 4,2 Milliarden Franken. Beide Banken kämpfen in der Vermögensverwaltung mit Margen – wohl eine Herausforderung, die auch 2013 ansteht und die gesamte Banken-Branche betrifft. Auch die Bank Julius Bär und die Zürcher Kantonalbank, die ihre Ergebnisse am Montag respektive Freitag offen legen, spüren den Druck.

Kampf um Überkapazitäten

«Die Banken werden gefordert sein im Kampf um Überkapazitäten und Effizienzsteigerung», so Christian Casal, Direktor und Bankenexperte beim Beratungsunternehmen McKinsey. «Die Banken werden neue Wachstumsfelder suchen müssen. Es wird darum gehen, dies schnell und geschickt zu tun», sagt er. Als Beispiel nennt er spezialisierte Beratungen, produktebezogen oder geografisch. «Zudem sind im komplexen und schnell gewachsenen Bankensystem Vereinfachungen nötig».

Als weitere Herausforderung für Banken nennt er den Kampf um Talente. Trotz Stellenabbau sind gute Banker nach wie vor gefragt, denn trotz stürmischen Zeiten wird die Branche bestehen. «Das Bankengeschäft ist zyklisch. Langfristig, über 10 Jahre gesehen, kann man von einer positiven Entwicklung ausgehen», so Christian Casal.

SDA/rub

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