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Experten sollen Unabhängigkeit der Untersuchung sicherstellen

Die Affäre um die illegale Buchungspraxis bei Postauto drückt schwer auf das Ergebnis der Post. Der Gewinn ist gegenüber dem Vorjahr um fast ein Viertel auf 420 Millionen Franken gesunken. Externe Experten sollen den Skandal untersuchen.

Illegale Buchhaltungspraxis bei der Postauto AG: Urs Schwaller nimmt Stellung. (Video: Tamedia)

Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller hat das Fehlverhalten in der Postauto-Affäre zwischen 2007 und 2015 als «absolut inakzeptabel» bezeichnet. Um die Unabhängigkeit der externen Untersuchung zu unterstreichen, hat Schwaller nun drei Experten eingesetzt.

Das Gremium besteht aus dem ehemaligen Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle, Kurt Grüter, dem Strafrechtsprofessor der Universität Zürich, Andreas Donatsch, sowie Felix Uhlmann, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht ebenfalls an der Universität Zürich.

Urs Schwaller, Präsident des Verwaltungsrats, (l.), und CEO Susanne Ruoff gönnen sich vor der Bilanzmedienkonferenz in Bern noch einen Schluck Wasser.
Urs Schwaller, Präsident des Verwaltungsrats, (l.), und CEO Susanne Ruoff gönnen sich vor der Bilanzmedienkonferenz in Bern noch einen Schluck Wasser.
Peter Schneider, Keystone
Danach gehts zur und um die Sache: Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller präsentiert zuerst die Zahlen 2017.
Danach gehts zur und um die Sache: Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller präsentiert zuerst die Zahlen 2017.
Peter Schneider, Keystone
Susanne Ruoff erklärt den Betriebsverlust von 69 Millionen Franken. Zu den laufenden Untersuchungen bei der Postauto AG wollte sie sich nicht äussern.
Susanne Ruoff erklärt den Betriebsverlust von 69 Millionen Franken. Zu den laufenden Untersuchungen bei der Postauto AG wollte sie sich nicht äussern.
Peter Schneider, Keystone
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Bei Postauto seien zwischen 2007 und 2015 offensichtlich gravierende Fehler passiert, sagte Schwaller am Donnerstag vor den Medien. Dafür gebe es keine Ausreden. Die Post habe damit viel Vertrauen verspielt, und um dieses wieder aufzubauen, brauche es eine unabhängige Untersuchung.

Er sei nicht jemand, der «aus der Hüfte heraus schiesst», sagte Schwaller. Es sei ihm deshalb wichtig, dass die laufende externe Untersuchung eines Anwaltsbüros und einen Unternehmensberaters «gründlich und mit der nötigen Sorgfalt durchgeführt» werde. Die Experten sollen diese Untersuchung begleiten und deren Unabhängigkeit sicherstellen. Der externe Bericht müsse ohne Einflussnahmen durch ihn oder andere Stellen der Post erstellt werden können, sagte Schwaller.

«Konsequezen ziehen»

Auf der Basis der Ergebnisse werde er dann auch die richtigen Schlüsse ziehen und «organisatorische und personelle Konsequenzen» treffen. Es sei ihm wichtig, dass der Konzern aus dem «Ausnahmezustand» herausfinde. Das sei ein steiniger Weg, und es brauche grosse Anstrengungen.

Aber «ich will eine ehrliche Post, auf die sich die Menschen in allen Bereichen ohne jeden Zweifel auch in Zukunft verlassen können», sagte Schwaller. Eine «schonungslose Aufklärung» sei deshalb zentral, auch für die 60’000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Den Untersuchungsbericht und das Gutachten der Experten will Schwaller nach Abschluss der Arbeiten «transparent veröffentlichen».

Verfahren begrüsst

Der Verwaltungsratspräsident begrüsste auch das eingeleitete Verwaltungsstrafverfahren durch das Bundesamt für Polizei (Fedpol), das der Bundesrat auf Antrag des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) beschlossen hatte. Dieses gehe allen anderen Verfahren vor, und die Post werde es «vollumfänglich unterstützen».

Anfang Februar war bekannt geworden, dass die Postauto AG jahrelang im subventionierten Geschäftsbereich Gewinn erzielt und zu hohe Subventionen von Bund und Kantonen bezogen hatte. Letztere verlangen deshalb 78,3 Millionen Franken von der Post zurück. Unter anderem wegen der Rückerstattung der Gelder an Bund und Kantone und einer weiteren Rückstellung ging der Jahresgewinn der Post um fast ein Viertel zurück.

Postauto-Affäre drückt auf Gewinn

Die Affäre um die illegale Buchungspraxis bei Postauto drückt schwer auf das Ergebnis der Post. Der Gewinn ist gegenüber dem Vorjahr um fast ein Viertel auf 420 Millionen Franken gesunken.

Post-Chefin Susanne Ruoff äussert sich an der Bilanzmedienkonferenz in Bern. (Video: Tamedia/mit Material der SDA)

Die Post hatte in den Jahren 2007 bis 2015 mit unrechtmässigen Umbuchungen zu hohe Abgeltungen erhalten. Sie zahle den Betrag von 78,3 Millionen Franken vollumfänglich an Bund und Kantone zurück, schrieb die Post in einem Communiqué am Donnerstag. Dies führe bei Postauto zu einem Betriebsverlust von 69 Millionen Franken. Der Betriebsertrag der Tochter sank auf 836 Millionen Franken. Zusätzlich stelle die Post für die Jahre 2016 bis 2017 rund 30 Millionen Franken zurück. Der genaue Betrag werde in den nächsten Wochen festgelegt, hiess es weiter.

Der Betriebsertrag des Mutterhauses sank wie bereits vor einem Jahr leicht um 2,5 Prozent auf 7,987 Milliarden Franken. Und auch das Betriebsergebnis vor Finanzerfolg und Steuern (Ebit) ging zurück – um rund 11 Prozent auf 630 Millionen Franken. Im Kerngeschäft Briefpost hingegen konnte die Post zulegen: Das Betriebsergebnis stieg dank «ergänzenden Dienstleistungen auf der Letzten Meile» um rund 17 Prozent auf 370 Millionen Franken.

Wegen des Mengenrückgangs bei den adressierten Briefen und den zugestellten Zeitungen reduzierte sich der Betriebsertrag bei Postmail um 2,5 Prozent auf 2,835 Milliarden Franken. Der Rückgang habe aber dank einem Kostenmanagement, Effizienzmassnahmen und Einmaleffekten kompensiert werden können.

SDA/nag

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