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Pharmariesen im Fusionsfieber

Die Pharmabranche ist in den letzten Monaten weltweit durch eine grosse Zahl von Übernahmen regelrecht umgepflügt worden. Was sind die Gründe?

Auch die Basler Pharmavertreter mischten kräftig mit im weltweiten Fusionspoker: Der Roche-Turm in Basel. (18. September 2015)
Auch die Basler Pharmavertreter mischten kräftig mit im weltweiten Fusionspoker: Der Roche-Turm in Basel. (18. September 2015)
Gaetan Bally, Keystone

Weltweit drehte sich das Pharma-Fusionskarussell 2015 immer schneller: Dutzende von Milliarden-Übernahmen zeugen davon. Gar zweistellige Milliardenbeträge mussten dabei aufgewendet werden für die Übernahmen des US-Konzerns Hospira durch Pfizer (17 Milliarden Dollar), für jene des US-Pharmakonzerns Salix durch die kanadische Valeant (10 Milliarden Dollar) und diejenige des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich durch die deutsche Merck (13,1 Milliarden Euro).

Verschiedene Faktoren heizen die Fusionspläne an:

  • Angetrieben wird die Übernahmewelle in der Pharmaindustrie wie auch in anderen Branchen durch die Billiggeldschwemme der Notenbanken rund um den Globus. Tiefe Zinsen machen Fusionen und Übernahmen attraktiv.
  • Zusätzlich gibt es branchenspezifische Gründe, etwa staatliche Sparmassnahmen im Gesundheitswesen, die den Preisdruck erhöhen.
  • Bei Konzernen wie Pfizer, Merck, Novartis und Roche laufen aktuell Patente für Verkaufsschlager aus und Lücken im eigenen Portfolio werden teilweise durch Übernahmen geschlossen.
  • Der Trend zur Spezialisierung nährt die Übernahmewelle weiter. Während sich früher grosse Pharmakonzerne durch ein breites Produktportfolio auszeichneten, gilt heute eine kritische Grösse in besonders lukrativen Nischen - etwa der Krebstherapie - als der Königsweg. Zahlreiche Konzerne spalten sich deshalb auf oder tauschen Geschäftsbereiche untereinander aus.
  • Nicht zu vergessen sind steuerliche Vorteile, die allerdings selten so offen kommuniziert werden, wie beim letztjährigen Zukauf von Allergan durch Pfizer. Erstere hat ihren Firmensitz im steuerlich günstigeren Irland.

Der lauteste Paukenschlag ertönte kurz vor Jahresende mit der Rekordübernahme des Botox-Herstellers Allergan durch den Viagra-Konzern Pfizer für 160 Milliarden Dollar. Die beiden Pharmariesen werden auf einen Umsatz von rund 60 Milliarden Dollar kommen.

Umtriebige Basler

Kein Konkurrent kann da mithalten. Der Umsatz von Novartis belief sich im vergangenen Jahr auf 49,4 Milliarden Dollar. Roche wird seine Umsatzzahlen für 2015 am Donnerstag bekannt geben. 2014 setzte Roche 47,5 Milliarden Franken um. Roche war bei den Übernahmen im vergangenen Jahr sehr umtriebig. Kommuniziert wurden die folgenden Transaktionen: Die Verstärkung der Krebsdiagnostik mit dem Kauf einer Mehrheit am US-Diagnostikspezialist Foundation Medicine (FMI) für rund 780 Millionen Dollar.

Für 120 Millionen Euro in bar sowie bis zu 350 Millionen Euro bei Erreichen bestimmter Meilensteine verleibte sich Roche auch den französischen Biotechfirma Trophos ein. Trophos hat einen Wirkstoff zur Behandlung der Erbkrankheit spinale Muskelatrophie entwickelt.

Mitte August verstärkte Roche mit der Übernahme der kalifornischen Diagnostikfirma Geneweave für bis zu 425 Millionen Dollar diesen Unternehmenszweig erneut. Fast gleichzeitig übernahm Roche das in der Genanalyse tätige US-Unternehmen Kapa Biosystems zu einem nicht genannten Preis.

Im Oktober kaufte Roche ausserdem für bis zu 580 Millionen Dollar die in der Immuntherapie tätige US-Firma Adheron Therapeutics. Und kurz vor Weihnachten erwarben die Basler die auf Genanalyse spezialisierte kalifornische Bina Technologies. Angaben zum Kaufpreis wurden keine gemacht.

Dass Novartis stark mit dem eigenen Transformationsprozess beschäftigt war, zeigt sich in den geringeren M&A-Aktivitäten. Novartis verstärkte 2015 den Bereich Immun-Onkologie durch die Übernahme des US-Biotech-Unternehmens Admune Therapeutics und traf Lizenzvereinbarungen mit der spanischen Palobiofarma und der kalifornischen Xoma Corporation. Finanzielle Einzelheiten dazu wurden nicht kommuniziert.

Generika-Markt im Umbruch

Stark im Fokus der weltweiten Übernahmen stand 2015 insbesondere der Generika-Markt. Branchenprimus Teva kaufte für 40,5 Milliarden Dollar die Nachahmer-Medikamente des amerikanischen Botox-Herstellers Allergan. Mit der Akquisition stiegen die Israeli nach eigenen Angaben in die Top-Ten der weltweit grössten Pharmakonzerne auf. Ausserdem baute Teva sein Geschäft in den Schwellenländern mit dem Zukauf der mexikanischen Rimsa für 2,3 Milliarden Dollar aus.

Der zweitgrösste deutsche Pharmakonzern Boehringer verkaufte seine US-Generikasparte Roxane für 2,65 Milliarden Dollar an die britische Hikma Pharmaceuticals. In Indien entstand ausserdem durch die Übernahme von Ranbaxy durch Sun Pharmaceutical für 3,2 Milliarden Dollar der weltweit fünftgrösste Generikahersteller.

2016 ist mit weiteren Fusionen in der Pharmabranche zu rechnen. Bereits unter Dach und Fach ist die Übernahme des US-Konzerns Baxalta durch den britisch-irischen Konzern Shire für rund 32 Milliarden Dollar.

SDA/thu

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