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Opel am Abgrund: Merkel ruft zu Krisengipfel

Nach dem Hilferuf von Opel lädt Angela Merkel zu mehreren Krisengipfeln. Derweil fleht der Mutterkonzern General Motors in den USA um Milliardenhilfe – politische Grabenkämpfe verhindern eine Lösung.

Trauerstimmung in Detroit – in der traditionellen Autostadt kämpft General Motors um jeden Dollar. Es ist das Ende einer glorreichen Branche.
Trauerstimmung in Detroit – in der traditionellen Autostadt kämpft General Motors um jeden Dollar. Es ist das Ende einer glorreichen Branche.
Keystone
Chic in den Siebzigerjahren: Der Opel Manta, produziert zwischen 1970 und 1988. Bild von einem Opel-Manta-Treffen in Hessen, 2006.
Chic in den Siebzigerjahren: Der Opel Manta, produziert zwischen 1970 und 1988. Bild von einem Opel-Manta-Treffen in Hessen, 2006.
Keystone
Angestellte verlassen im Jahr 2006 das General Motors-Werk in Oshawa, Ontario: Das Unternehmen gab kurz zuvor Massenentlassungen bekannt.
Angestellte verlassen im Jahr 2006 das General Motors-Werk in Oshawa, Ontario: Das Unternehmen gab kurz zuvor Massenentlassungen bekannt.
Keystone
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Bundeskanzlerin Angela Merkel lud die Konzernspitze für Montag zu einem Treffen ein. Am Dienstag will Finanzminister Peer Steinbrück mit Ländervertretern über Bürgschaften für Opel beraten. Ausserdem lud SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier die Betriebsräte der deutschen Autoindustrie für Montagabend zu Gesprächen ein. Opel fehlen Medienberichten zufolge bis zu zwei Milliarden Euro.

Man werde sich «Schritt für Schritt mit der Situation vertraut machen und nach Lösungsmöglichkeiten suchen», sagte Merkel am Samstag in Washington am Rande des G-20-Gipfels. An dem Krisengipfel sollen unter anderem der Europa-Chef von General Motors (GM), Carl-Peter Forster, Deutschland-Chef Hans Demant und der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz teilnehmen. Die Bundesregierung nehme sich «dieser Sache an», versicherte die CDU-Vorsitzende.

Steinbrück kritisiert Länder

Vor den Beratungen mit den Ländern am Dienstag kritisierte Steinbrück, dass einzelne Bundesländer bereits mit Zusagen vorgeprescht sind: «Das erleichtert die Gespräche nicht», sagte der SPD-Politiker in Washington. Opel braucht wegen eines Absatzeinbruchs und der dramatischen Krise bei der Konzernmutter GM eine Bürgschaft von Bund und Ländern. Mehrere Ministerpräsidenten hatten bereits am Freitag ihre Hilfe zugesagt.

Die Bundesregierung wird nach den Worten von Wirtschaftsminister Michael Glos Bedingungen für Rettungsmassnahmen für angeschlagene Auto-Konzerne stellen. Der «Bild am Sonntag» sagte der CSU-Politiker: «Wenn wir Steuergeld zur Rettung internationaler Automobilkonzerne riskieren, dann werden wir Bedingungen stellen.» Als Beispiele nannte er die Sicherung von Standorten und Arbeitsplätzen.

Nach Informationen von «Bild am Sonntag» und «Focus» geht es bei Opel um zwei Milliarden Euro, die GM seiner Tochter schuldet. Mit Verweis auf Regierungskreise berichtet «Focus», dass der Bund davon eine Milliarde als Bürgschaft übernehmen soll, den Rest sollen sich die Länder teilen, wobei sich die Höhe nach der Zahl der Opel-Arbeitsplätze in dem Bundesland richten soll. Ein Opel-Sprecher wollte die Zahlen nicht kommentieren.

«Operatives Geschäft an Marktsituation anpassen»

GM stellte nach Informationen der «Bild am Sonntag» aus Regierungskreisen einen Eigenbeitrag von einer Milliarde Euro in Aussicht. Dem Bericht zufolge geht es dabei aber nicht um Finanzmittel, sondern um Vermögenswerte des Konzerns in Europa, die Opel als Sicherheiten für Kredite überlassen werden könnten.

Einem Bericht der «Automobilwoche» zufolge muss Opel im kommenden Jahr auf Druck von GM 750 Millionen Euro einsparen. Dazu werde derzeit mit Arbeitnehmervertretern über mögliche Kürzungen gesprochen. Ein Opel-Sprecher bestätigte, dass man an einem Sparpaket arbeite, «um das operative Geschäft an die Marktsituation anzupassen». Dazu liefen derzeit konstruktive Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. Noch vor Weihnachten erwarte man eine Lösung.

General Motors ringt um Milliarden

Der schwer angeschlagene Autokonzern General Motors ringt in den USA um dringend benötigte Milliarden-Hilfen. Noch am Wochenende wollen einflussreiche Mitglieder des Verwaltungsrates in Washington Druck machen.

Sie wollten im US-Kongress, im Weissen Haus und bei Vertretern des künftigen Präsidenten Barack Obama die Dringlichkeit der Lage vor Augen führen, wie das «Wallstreet Journal» am Samstag berichtet.

General Motors (GM) hatte vor einigen Tagen vor einer möglichen Insolvenz gewarnt. Sie würde nicht nur die 123'000 Arbeitsplätze des Konzerns in Nordamerika in Gefahr bringen, sondern auch Hunderttausende weitere Jobs bei Autozulieferern. Und Ausfälle von Teile-Lieferanten würden auch die Konkurrenten Ford und Chrysler an den Abgrund bringen - denn die meisten grossen Zulieferer seien gleich mit mehreren Herstellern im Geschäft.

Die Hilfen für die notleidenden US-Autohersteller drohen, in politischen Grabenkämpfen zerrieben zu werden. Die Demokraten im US-Kongress sind dafür, den Autoherstellern den Zugang zum 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspaket für die Finanzbranche zu öffnen.

Die Republikaner setzen dagegen auf das bereits gebilligte Kredit-Paket von 25 Milliarden Dollar, das eigentlich die Entwicklung sparsamerer Autos fördern soll.

Zuletzt setzte sich Präsident George W. Bush dafür ein, die Umwelt-Bindung aufzuheben, und das Geld einfach so zu gewähren. Die Demokraten lehnen dies ab. Ein solcher Schritt würde auf Kosten der Zukunftsfähigkeit der US-Autoindustrie gehen, argumentieren sie.

sda/ap/bru/oku

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