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Nestlé-Chef wird Walliser und spart Steuern

Weil die Waadt dem Präsidenten von Nestlé bei den Steuern nicht entgegenkam, zieht Peter Brabeck ins steuergünstigere Wallis.

Das Wallis gilt in der Schweiz nicht gerade als Steueroase. Doch das Beispiel von Peter Brabeck zeigt, dass der Kanton für gut Betuchte durchaus attraktiv sein kann.

Mit gut 17 Millionen Franken Einkommen gehörte der Chef und Verwaltungsratspräsident von Nestlé letztes Jahr zu den Topverdienern des Landes – und damit in seinem Wohnkanton Waadt auch zu den Topsteuerzahlern. Obschon Brabeck Ausländer ist, kam er nämlich nicht in den Genuss eines pauschalen Steuerabkommens. Schliesslich hatte er sein Geld in der Schweiz verdient.

Der Rückzug auf das Präsidium im September 2007 war für Brabeck Grund genug, seine Steuersituation zu prüfen. «Der Manager erkundigte sich, ob er mit Steuererleichterungen rechnen könne», zitiert das Blatt «24 Heures» Frédéric Grognuz, Finanzchef an Brabecks früherem Wohnort La Tour-de-Peilz. Da sei aber nichts zu machen gewesen. «Sonst müssten wir das gleiche Angebot 2000 bis 3000 anderen Steuerzahlern auch unterbreiten», sagt Grognuz dem TA. Dass sich Brabeck für das Wallis entschieden habe, sei für die Schweiz im Übrigen ein Glücksfall; er habe auch die Wohnsitznahme im Ausland geprüft. Im November 2007 habe Brabeck seinen Wohnsitz nach Verbier im Wallis verlegt, wo er bereits Besitzer eines Ferienhauses war. In La Tour-de-Peilz miete der Manager aber weiterhin eine Villa als Zweitwohnsitz.

In steuerlicher Hinsicht fährt der Nestlé-Präsident und geübte Bergsteiger an der Bergluft im Wallis in mehrfacher Hinsicht besser. In einem frei gewählten Beispiel mit 8 Millionen Franken steuerbarem Einkommen und 20 Millionen steuerbarem Vermögen würde ein Steuerzahler in Verbier insgesamt knapp ein Drittel weniger Steuern zahlen als in La Tour-de-Peilz. Das ist das Resultat einer Auswertung der auf Finanzberatungssoftware spezialisierten Zürcher Brain Group.

Das hat vor allem mit tieferen kantonalen Einkommenssteuern zu tun, aber auch mit geringeren Vermögenssteuern. Hinzu kommt, dass der Kanton Wallis und Brabecks neue Wohngemeinde Verbier bei direkten Nachkommen auf Schenkungen und Erbschaften keine Steuern erheben. Brabeck ist Vater dreier erwachsener Kinder und könnte damit durchaus von dieser Regelung Gebrauch machen.

Auch Bertarellis verliessen die Waadt

Mit Brabeck verliert der Kanton Waadt zum zweiten Mal innert kurzer Zeit einen gewichtigen Steuerzahler. Auch der frühere Serono-Chef und Alinghi-Segler Ernesto Bertarelli, seine Mutter Maria Iris sowie seine Schwester Dona Späth haben Ende letzten Jahres dem Kanton den Rücken gekehrt – der neue Wohnsitz ist Gstaad im Berner Oberland. Damals erklärte der Waadtländer Finanzdirektor Pascal Broulis das Waadtländer Steuersystem als «nicht konkurrenzfähig»; der Kanton sei für grosse Vermögen viel teurer als andere Kantone, die ab einer gewissen Schwelle keine weiteren Steuern mehr erheben würden.

Was der Wegzug prominenter Steuerzahler für kleinere Gemeinden bedeutet, zeigt sich in Gingins VD. Durch den Wegzug von Maria Iris Bertarelli fehlen der Gemeinde Steuereinnahmen von einer Million Franken. Nun muss der Steuersatz um 10 Punkte angehoben werden.

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