Luxusmarke Globus beschert Migros 90-Millionen-Abschreiber

Migros-Chef Zumbrunnen gibt dem im höheren Preissegment angesiedelten Warenhaus noch zwei Jahre, um auf Erfolgskurs zu kommen.

Der Gruppenumsatz ist gestiegen: Eine Migros-Angestellte in einer Filiale. Foto: Urs Jaudas

Der Gruppenumsatz ist gestiegen: Eine Migros-Angestellte in einer Filiale. Foto: Urs Jaudas

Erich Bürgler@sonntagszeitung

Die Migros konnte im vergangenen Jahr zwar mit ihren Supermärkten Marktanteile gewinnen und den Gruppenumsatz leicht steigern. Doch der Gewinn schrumpfte. Hauptgrund sind die Warenhäuser und Läden von Globus. Dort kämpft der orange Riese schon seit Jahren mit Schwierigkeiten. Eine schnelle Lösung der Probleme ist nicht in Sicht.

Für 2018 musste die Migros wegen Globus 90 Millionen Franken abschreiben. Die Wertberichtigung wurde aber nicht wegen des «sehr schwierigen Jahres 2018» notwendig. Ausschlaggebend für die Korrektur war die Beurteilung der Geschäftsaussichten von Globus, wie Migros-Finanzchef Jörg Zulauf an der Bilanzmedienkonferenz erklärte.

Das heisst: Auch im laufenden Jahr bleibt die Lage für Globus alles andere als einfach. Das neue Konzept, das mithilfe der Berater von McKinsey umgesetzt wurde, funktioniert noch nicht. Globus will sich in einem höheren Preissegment etablieren – und das unter einem einheitlichen Namen. Die Marken Schild und Herren Globus passten nicht mehr ins neue Konzept und wurden aufgegeben.

Teure Massnahmen

Zudem sucht Globus mit dem Ausbau des Onlinegeschäfts den Erfolg. Zuvor vernachlässigte Globus Verkäufe im Internet jahrelang. Laut Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen konnte der Online-Umsatz von Globus 2018 zwar verdreifacht werden, doch die kritische Grösse, um damit Geld zu verdienen, sei noch nicht erreicht. Zudem ist die Online-Offensive teuer. Dabei fallen nicht nur Investitionen in die Logistik ins Gewicht, sondern auch Marketingmassnahmen. So hat Globus beispielsweise ausgewählten Kunden mit einer Globus-Karte, die noch nie online eingekauft haben, Gutscheine im Wert von 50 Franken für Käufe im Internet verschenkt.

Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen gibt Globus eine letzte Chance.

Migros-Chef Zumbrunnen gibt Globus noch zwei Jahre, um auf Erfolgskurs zu kommen – die wohl letzte Chance für das Unternehmen. Die Zahlen des gesamten Departements Handel, zu dem Globus gehört und das seit 2016 von Beat Zahnd geführt wird, sind ernüchternd. Ein positives Betriebsergebnis erreichte das Segment letztmals 2014. Zwischen 2015 und 2018 hat sich ein Betriebsverlust von 353 Millionen Franken angehäuft. Dies, obwohl auch Unternehmen wie Denner, Migrolino und Migrol zum Bereich Handel gehören. Sie sind laut Zumbrunnen erfolgreich unterwegs.

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Ein weiteres Sorgenkind im Departement Handel sind die Depot-Läden. Ein Grossteil der auf Wohnaccessoires ausgerichteten Filialen steht in Deutschland. Auch dort schafft es die Migros bislang nicht, die schrumpfenden Verkäufe in den Läden mit zusätzlichen Einnahmen aus dem Onlinehandel wettzumachen. Die Migros stieg 2009 beim Unternehmen ein, doch der Erfolg blieb aus. Es wäre keine Überraschung, wenn sich Fabrice Zumbrunnen dazu entscheiden würde, Depot aufzugeben. Auf mögliche Verkäufe von Geschäftsbereichen allgemein angesprochen, sagt Zumbrunnen: «Wir müssen die Zusammensetzung unseres Gruppen-Portfolios ständig überprüfen. Das gilt nicht nur für das Departement Handel.»

Im Gegensatz zum Geschäftsbereich Handel schaffte es die Migros im Detailhandel der Genossenschaften, den Betriebsgewinn um 18 Prozent auf 363 Millionen Franken zu steigern. Im langfristigen Vergleich ist aber auch das mager. 2014 lag das Betriebsergebnis noch bei 623 Millionen Franken.

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