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Messe schreibt Verlust wegen Baselworld

Die MCH Group schreibt erstmals rote Zahlen und dies gleich dreistellig. Schuld ist der Wertzerfall der Messegebäude in Basel.

Die Messe hat angesichts des Geschäftsgangs und der Perspektiven den Wert seiner Hallen in Basel neu taxiert.
Die Messe hat angesichts des Geschäftsgangs und der Perspektiven den Wert seiner Hallen in Basel neu taxiert.
Keystone

Die MCH Group schreibt erstmals rote Zahlen: Das Messeunternehmen hat für 2017 einen Verlust von 110 Millionen Franken verbucht, dies wegen Sondereffekten, primär weil die Uhrenmesse schrumpft. Der Umsatz stieg dank Zukäufen um 12 Prozent auf 493,3 Millionen Franken.

Ohne Sondereffekte hätte MCH einen Gewinn von 10 Millionen Franken ausweisen können, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte - nach 34,3 Millionen Franken Gewinn im Vorjahr. Doch Sonderabschreibungen für eine Wertberichtigung der Messegebäude in Basel betrugen 102,3 Millionen und Sonderrückstellungen für Reorganisationen 17,7 Millionen Franken.

Diese Mitte Februar angekündigten Sondereffekte führten unter dem Strich zum Verlust von 110 Millionen Franken. Die Abschreiber wurden jetzt verbucht, weil MCH angesichts des Geschäftsgangs und der Perspektiven den Wert seiner Hallen in Basel neu taxierte. Bisher standen diese mit 402 Millionen Franken in den Büchern.

Uhren glänzen blasser

Hauptursache für den Wertzerfall ist das starke Schrumpfen der Uhren- und Schmuckmesse «Baselworld», weil die Branche zunehmend digitaler handelt. Diese Schau hatte 2017 ihr 100-Jahre-Jubiläum gefeiert und ist mit Abstand - vor der Kunstmesse Art Basel - wichtigstes MCH-Standbein.

In diesem Jahr ist die Baselworld, die am Donnerstag öffnet, kleiner und kürzer, und ihre Standpreise sind tiefer als früher. Insgesamt sind schon 2017 die Flächenerträge der MCH gemäss Finanzbericht um knapp 27 Millionen Franken zurückgegangen. Das MCH-Eigenkapital sank um das Doppelte des Sonderabschreibers, um 205,3 Millionen Franken oder 46,8 Prozent auf 233,7 Millionen Franken. Dies wird mit rasch abgeschriebenem Goodwill auf Zukäufen erklärt. 2017 hatte MCH die US-Firma MC2 für einen ungenannten Preis gekauft; insgesamt wurden 2017 für Akquisitionen 115 Millionen Franken verbucht.

Dividende soll ausfallen

Wegen des Mitte Februar angekündigten Verlustes beantragt der MCH-Verwaltungsrat nun der Generalversammlung vom 4. Mai den Verzicht auf eine Dividende; bisher betrug diese 5 Prozent. Grösster Aktionär der börsenkotierten MCH ist mit einem Drittel Kapitalanteil der Kanton Basel-Stadt; auch Baselland (7,8 Prozent) und Zürich (4 Prozent Kanton und 3,7 Prozent Stadt) sind beteiligt.

Per Ende 2017 weist die MHC eine Bilanzsumme von 688,2 Millionen Franken aus und ein Eigenkapitalanteil von 34 Prozent. Die flüssigen Mittel werden auf 115,9 Millionen Franken beziffert. Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer schreibt von einem «nach wie vor gesunden und leistungsstarken» Unternehmen, das zudem stark diversifiziert habe.

2018 geht die Unternehmensleitung von einem weiteren schwierigen Jahr aus: Das nationale Messe- und Eventgeschäft sei weiter im Sinkflug; zudem stünden weitere Entwicklungskosten an. Diese Effekte könnten durch die bisherigen Massnahmen - darunter Übernahmen und neue eigene Messen - «noch nicht kompensiert werden».

2018 schwierig

Aus ordentlicher Geschäftstätigkeit - die Gruppe veranstaltet jährlich rund 40 eigene Messen, bietet einschlägige Dienstleistungen an und ist Gastgeberin von gegen 1000 Events - erwartet die MCH-Führung deshalb 2018 ein Ergebnis in einstelliger Millionenhöhe. Das Unternehmen kündigte am Dienstag zudem an, die Gesellschaftsstruktur der in der Schweiz ansässigen Teile zu vereinfachen und «die Brand-Architektur anzupassen». Mehrere Einheiten sollen örtlich zusammengelegt werden.

Heute habe die MCH-Sparte «Life Marketing Solutions» viele verschiedene Firmen, meist über die Jahre zugekaufte, teils mit Töchtern und an verschiedenen Standorten, erklärte dazu ein Sprecher auf Anfrage. Bündeln wolle man insbesondere die strategische Ebene, um zusammen optimal gegenüber der Kundschaft aufzutreten.

Es gehe nicht um eine Sparübung und man plane keinen Stellenabbau damit. Details dieser Reorganisation sind laut dem Sprecher erst zu klären; teils gehe es juristisch um Fusionen mit entsprechenden Abläufen. Im Sommer wisse man mehr, und umgesetzt werde das im zweiten Semester oder 2019. Die meisten betroffenen Firmen seien und blieben wohl im Raum Zürich.

Der Personalbestand der MCH-Gruppe legte im vergangenen Jahr stark zu um 371 Angestellte auf 1003 Personen, respektive um 246 Vollstellen auf 834. Im Wesentlichen liegt dies an der Übernahme der US-Firma MC2, die alleine 364 Angestellte beschäftigt.

SDA/amu

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