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Mehr Chinesen, weniger Deutsche

Die 38 Schweizer Luxushotels leiden unter dem starken Franken und der Krise in der EU. Besonders gutbetuchte Gäste aus Europa bleiben aus. Die Hoteliers wollen keine Stellen streichen, haben aber Forderungen an die Politik.

Im März sind die Hotelübernachtungen von Schweizern stark gestiegen. Das ist aber vor allem auf den frühen Zeitpunkt von Ostern zurückzuführen.
Im März sind die Hotelübernachtungen von Schweizern stark gestiegen. Das ist aber vor allem auf den frühen Zeitpunkt von Ostern zurückzuführen.
Jean-Christophe Bott, Keystone
Im Zentrum von Zürich, direkt am See: Das Baur au Lac.
Im Zentrum von Zürich, direkt am See: Das Baur au Lac.
Keystone
Bereits 1896 eröffnet, mit Blick auf den See: Das Palace in St. Moritz.
Bereits 1896 eröffnet, mit Blick auf den See: Das Palace in St. Moritz.
Keystone
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Die Konjunkturschwäche in Europa und der starke Franken hinterlassen auch im obersten Segment des Schweizer Tourismus Spuren. Die Luxushoteliers verlieren Gäste und klagen über steigende Kosten.

Die Vereinigung «Swiss Deluxe Hotels» verzeichnete im vergangenen Jahr einen Rückgang der Logiernächte um 1,7 Prozent. Insgesamt 835'000 Übernachtungen buchten Touristen in den 38 Nobelherbergen, die dem Verbund angeschlossen sind. Im vergangenen Jahr hatte die Zahl der Gäste noch um 4 Prozent zugenommen.

Der Umsatz ist hingegen schon seit einiger Zeit rückläufig. 2012 lag er mit 1,41 Milliarden Franken erneut tiefer als im Vorjahr, wenn auch das Minus mit 1 Prozent vergleichsweise gering ausfiel.

Hoher Administrationsaufwand

Neben dem Rückgang der Gästezahl machten den Luxushotels die steigenden Kosten zu schaffen, sagte Siro Barino, Geschäftsführer von «Swiss Deluxe Hotels», heute im «Dolder Grand» in Zürich. Er nannte vor allem die hohen Arbeitskosten. In der Schweiz müssten teilweise doppelt so hohe Löhne bezahlt werden wie im benachbarten Ausland. Auch den steigenden Aufwand für Administration drückt die Stimmung bei den Luxushoteliers.

Sie rufen nun nach mehr Unterstützung vonseiten der Politik. «Swiss Deluxe Hotels» fordert die Einführung eines einheitlichen Mehrwertsteuersatzes. Dies würde den administrativen Aufwand für die Hotels senken, sagte Barino. Bisher gilt für die Hotellerie ein tieferer Sondersatz von 3,8 Prozent.

Der schnellste Weg, um die Kosten zu reduzieren, seien Stellenstreichungen, sagte Jan Brucker, der Präsident von «Swiss Deluxe Hotels», gegenüber der Nachrichtenagentur sda. «Wir versuchen aber vor allem, neue Märkte zu erschliessen, um den Ertrag zu steigern.» Die Luxushotels profitierten nun davon, dass sie sich schon früh auf aufstrebende Regionen wie China oder dem Nahen Osten ausgerichtet hätten.

Deutsche bleiben zu Hause

Immer mehr gutbetuchte Gäste aus diesen Regionen wählen die Schweiz als Reiseziel. Im vergangenen Jahr legte etwa die Zahl der Übernachtungen von Touristen aus China und der Golfregion um je ein Viertel zu. Es ist allerdings ein Zuwachs auf tiefem Niveau: Der Anteil der Golfstaaten an der Gesamtzahl der Übernachtungen beträgt nur 5 Prozent, jener Chinas liegt noch tiefer.

Die Wachstumsmärkte vermochten die Einbussen bei den europäischen Gästen deshalb nicht zu kompensieren: Aus der EU kamen 7,7 Prozent weniger Touristen. Insbesondere die gutbetuchten Deutschen – die wichtigste Gästegruppe hinter den Schweizern – bleiben dem südlichen Nachbarland fern: Sie verzeichneten im vergangenen Jahr 11 Prozent weniger Übernachtungen. Die Zahl der inländischen Gäste bewegte sich derweil auf dem Niveau des Vorjahres.

Eine Trendwende bei den Logiernächten ist nicht in Sicht: Im Januar ging die Zahl der Übernachtungen in Luxushotels im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent zurück. Für das Gesamtjahr 2013 ist «Swiss Deluxe Hotels» denn auch wenig optimistisch und rechnet mit leicht rückläufigen bis konstanten Gästezahlen.

Mögliches neues Mitglied

«Swiss Deluxe Hotels» erhebt den Anspruch, die namhaftesten Fünf-Sterne-Hotels der Schweiz zu vereinen. Unter den 38 Mitgliedern finden sich etwa das «Palace» in St. Moritz, das «Baur au Lac» in Zürich, das «Les Trois Rois» Basel oder das «Beau-Rivage Palace» in Lausanne.

Demnächst könnte sich ein weiteres Nobelhotel in die Liste einreihen. Man prüfe gegenwärtig die Aufnahme eines 39. Hotels, sagte Geschäftsführer Siro Barino, ohne nähere Angaben zu machen.

SDA/rbi

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