Konzernchef macht Pause

Ein weiterer, hochrangiger Manager zieht sich aus der Alltagshektik zurück: Johann Rupert, Präsident des Uhren- und Schmuckherstellers Richemont, legt ein Sabbatical ein.

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«Ich denke, nach 25 Jahren habe ich mir eine Auszeit verdient», sagte Johann Rupert heute in einer Telefonkonferenz gegenüber Journalisten. Der Südafrikaner ist langjähriger CEO bei Richemont, seit 2012 übt er das Präsidentenamt aus. Ab September will der Erbe einer Unternehmerdynastie ein Jahr Pause machen, um stärker über seine eigene Zeit verfügen zu können. An dieser habe es ihm in den letzten Jahren oft gemangelt, so Rupert, der aus Zeitgründen auf Dinge wie einen Trip an die Rugby-WM nach Neuseeland oder eine Exkursion zum Fliegenfischen verzichten musste. «Es ist doch ironisch, dass jemand aus der Uhrenbranche keine Kontrolle über seine eigene Zeit hat.»

Die Ankündigung erfolgt in einer günstigen Phase für Richemont. Der Hersteller von Cartier-Schmuck und Luxusuhren der Marken Jaeger-LeCoultre und IWC vermochte seinen Gewinn zuletzt auf gut zwei Milliarden Euro zu steigern, teils aufgrund von günstigen Wechselkurseffekten. Im Vorjahr hatte der starke Franken noch am Gewinn genagt. Der Umsatz bei Richemont wuchs wechselkursbereinigt um neun Prozent auf zehn Milliarden Euro. Wie der Konzern heute mitteilte, schüttet Richemont fürs abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von einem Franken aus. damit gönnt Johann Rupert seinen Aktionären eine um 80 Prozent erhöhte Dividende als im Jahr zuvor.

50 ungelesene Bücher

Innert Wochenfrist ist Rupert damit der dritte Manager eines Schweizer Grossunternehmens, der aus privaten Gründen kürzertritt. Vergangene Woche hatte ABB-Konzernchef Joe Hogan seinen Abgang bekannt gegeben, ohne nähere Gründe zu nennen. Kurz darauf gab auch der Forschungschef desselben Konzerns seinen Rücktritt bekannt, um zu seiner Familie in die USA zurückzukehren. Handelt es sich bei Hogan um eine angestellte Führungskraft, so ist der Fall Rupert anders gelagert: Der 62-jährige Milliardär ist eine illustre Unternehmerpersönlichkeit und verfügt bei Richemont über die Aktien-Stimmenmehrheit. Die Ursprünge von Richemont gehen auf eine Zigarettenfabrik zurück, die Ruperts Vater in den 1940er-Jahren gegründet hatte.

Während Ruperts Abwesenheit sollen die Co-CEOs Richard Lepeu und Bernard Fornas sowie Finanzchef Gary Saage als Stellvertreter amten. Nach der Auszeit, die im September nach der Richemont-Generalversammlung beginnt, werde er auf seinen Posten als Präsident zurückkehren, so Rupert. «Vielleicht schon früher, wenn ich mich langweile.» Rupert lebt in Südafrika, sein Reinvermögen wird von Bloomberg mit 7,7 Milliarden Dollar beziffert. Möglicherweise werde er die Antarktis besuchen, sagte Rupert heute, zudem gebe es mindestens fünfzig Bücher, die er gerne noch lesen würde. Zu den Hobbys des Richemont-Besitzers zählen die Winzerei, Oldtimerautos und Golf.

Aktien hinken dem Markt hinterher

Wie Analysten sagen, hinterlässt Rupert dem Management ein gut bestelltes Haus. Richemont besitzt 19 Marken, von denen die Mehrheit seit über hundert Jahren besteht. Trotz einer langsameren Entwicklung im grössten Markt Asien wuchsen die Verkäufe im April mit zwölf Prozent erheblich stärker als erwartet. Im Weihnachtsquartal hatten die Verkäufe in Asien noch stagniert. In China sind teure Uhren als Geschenk unter Geschäftsfreunden zunehmend verpönt. Dafür kauften Japaner mehr Luxusuhren und manche Chinesen bedienen sich auf Reisen in Europa, wo der Umsatz im vergangenen Jahr um 14 Prozent zunahm. Insgesamt bestehe für das laufende Jahr Grund zu Optimismus, erklärte der Konzern, der sich traditionell mit Geschäftsprognosen zurückhält.

Die Richemont-Aktie legte bis am frühen Nachmittag um knapp sieben Prozent auf 88.25 Franken zu. Die Anteilsscheine gewannen im vergangenen Jahr 50 Prozent, dieses Jahr hinkt der Aktienkurs wegen Sorgen über die konjunkturelle Entwicklung in China mit einem Plus von 16 Prozent dem Markt hinterher. Analysten begrüssten die Dividendenerhöhung. Die Dividendenrendite sei allerdings mit 1,2 Prozent immer noch vergleichsweise niedrig, erklärte Sarasin-Analyst David Kägi. ZKB-Analyst Patrik Schwendimann rechnet für das kommende Geschäftsjahr mit einem Umsatzwachstum von etwa sechs Prozent.

ssc/Reuters/Bloomberg

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