«Kontrollversagen» bei der UBS

Laut Singapurer Finanzaufsicht funktionierten die Anti-Geldwäsche-Checks der Grossbank im Fall des malaysischen Skandals nicht. Es drohen «strenge Massnahmen».

«Haben die verdächtigen Transaktionen gemeldet»: UBS-Filiale am Paradeplatz in Zürich.

«Haben die verdächtigen Transaktionen gemeldet»: UBS-Filiale am Paradeplatz in Zürich.

(Bild: Reuters Arnd Wiegmann)

Mario Stäuble@mario_staeuble

Der Geldwäschereifall um den malaysischen Staatsfonds 1MDB zieht immer weitere Kreise. Einen Tag nachdem das US-Justizministerium die Blockade von über einer Milliarde Dollar bekannt gegeben hatte (darunter Filmrechte an «Wolf of Wall Street», Luxusimmobilien, Anteile an Hotels, Bilder von Van Gogh und Monet sowie ein Privatjet), meldete sich die Finanzaufsicht von Singapur zu Wort. Die Behörde bestätigte, dass sie gegen mehrere Banken Aufsichtsverfahren führe, darunter auch die UBS.

Rund 1,9 Milliarden Dollar wurden laut Dokumenten, die zuerst der Enthüllungsblog Sarawak Report öffentlich gemacht hat, im Jahr 2014 über ein Konto des Singapurer Ablegers der Schweizer Grossbank aus dem Umfeld des malaysischen Staatsfonds 1MDB abgezweigt (baz.ch/Newsnet berichtete). Die Frage ist nun, ob die internen Kontrolleure der UBS dies hätten merken und verhindern müssen.

Fehler von «individuellen Mitarbeitern»

Die Untersuchung der Finanzaufsicht von Singapur ist noch nicht abgeschlossen. Im Sinne einer Zwischenbilanz stellt die Behörde aber fest, dass bei der UBS «Fälle von Kontrollversagen» vorgekommen seien. Bei der Aufnahme von neuen Kunden und beim Überwachen von auffälligen Transaktionen habe es «Schwächen» gegeben. Ebenso seien verdächtige Zahlungen erst mit Verspätung entdeckt und überprüft worden.

Im Gegensatz zur Tessiner Bank BSI, der die Finanzaufsicht die Lizenz als Handelsbank entzogen hat, stellte die Behörde bei der UBS kein Systemversagen fest. Vielmehr handle es sich um Fehler von «individuellen Mitarbeitern» in «spezifischen Prozessen». Diese Fehler seien aber als «ernst» einzustufen und würden «strenge regulatorische Massnahmen» gegen die Bank zur Folge haben.

Die UBS selbst teilte mit, sie habe «von sich aus die verdächtigen Transaktionen gemeldet» und sei in engem Kontakt mit den Regulatoren, um die Angelegenheit zu klären.

Schwere Vorwürfe gegen Falcon-Privatbank

Die Grossbank ist nicht das einzige betroffene Geldhaus. Die Finanzaufsicht nennt auch die englische Standard Chartered und die DBS Bank aus Singapur. Ihnen werfen die Kontrolleure ebenfalls Verfehlungen einzelner Angestellter vor.

Härter ist der Ton im Fall der Falcon-Privatbank, die in Zürich ihre Basis hat, aber einem Staatsfonds aus Abu Dhabi gehört. Das Institut ist tief in die 1MDB-Affäre verstrickt, gegen den früheren Verwaltungsratspräsidenten Khadem al-Qubaisi wird deswegen gemäss übereinstimmenden Quellen in mehreren Ländern ermittelt, auch in der Schweiz. Die Singapurer Aufsicht spricht von «substanziellen Verletzungen» der Anti-Geldwäsche-Regeln innerhalb des Singapurer Ablegers der Bank. Verdächtige Überweisungen seien nicht richtig eingeschätzt und auch nicht gemeldet worden. Die Untersuchung läuft aber noch, und die Finanzaufsicht hofft laut eigenen Angaben auf zusätzliche Informationen aus der Schweiz, von wo aus wichtige Kundenbeziehungen gemanagt worden seien.

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma äussert sich nicht zu einzelnen Banken. Es laufen im Fall 1MDB allerdings nach wie vor Enforcement-Verfahren gegen vier Geldhäuser. Bekannt ist auch, dass die Bundesanwaltschaft zwei Verfahren gegen «ehemalige Beamte eines Staatsfonds von Abu Dhabi» führt. Der frühere Falcon-Präsident Khadem al-Qubaisi war gleichzeitig Chef des Abu-Dhabi-Staatsfonds Ipic, der ebenfalls in den Fall 1MDB verwickelt ist.

In einem Statement an baz.ch/Newsnet teilt die Falcon-Privatbank mit, man «kooperiere uneingeschränkt» mit den Behörden und werde Stellung beziehen, sobald die Ermittlungen abgeschlossen seien.

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