Zum Hauptinhalt springen

Kindersklaverei in Afrika: Vorwürfe an Schweizer Schoggi-Produzenten

Für den Kakaoanbau in Westafrika werden Kinder verschleppt und versklavt. Die Erklärung von Bern zeichnet «ein Schreckensbild».

Die Kinderarbeit auf westafrikanischen Kakaoplantagen ist laut der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern (EvB) nach wie vor «erschreckend». Die Bemühungen der Schokoladeindustrie zur Eindämmung hätten bisher kaum gefruchtet.

Vor neun Jahren hat die Kakao- und Schokoladebranche mit dem «Harkin-Engel-Protokoll» eine freiwillige Selbstverpflichtung unterzeichnet. Damit sollten bis 2005 die schlimmsten Formen von Kinderarbeit, Kinderhandel und Zwangsarbeit von Erwachsenen auf den Kakaofarmen in der Elfenbeinküste und Ghana beseitigt sein.

Verschleppt und verkauft

Gebracht habe das Protokoll bisher wenig, schreibt die EvB in einer Mitteilung vom Dienstag. Sie beruft sich dabei auf die amerikanische Universität Tulane, die beauftragt worden war, den Umsetzungsprozess mit einer Studie zu begleiten. Der am vergangenen Freitag erschienene Schlussbericht zeichne «ein Schreckensbild».

Demnach werden heute tendenziell sogar mehr Kinder aus Burkina Faso und Mali verschleppt und auf ivorische und ghanaische Kakaofarmen verkauft, als man bei Studienbeginn 2002 angenommen hatte. Für die Schweiz als Heimat der weltgrössten Schokoladeunternehmen und mit dem höchsten Pro-Kopf-Schokoladekonsum sei dieser Befund «besonders alarmierend», schreibt die entwicklungspolitische Organisation.

Psychische und physische Gewalt

Alle 600 von der Universität Tulane befragten Kinder, die auf Kakaofarmen arbeiten, seien der schlimmsten Form von Kinderarbeit ausgesetzt. Sie müssten etwa ungeschützt mit Pestiziden arbeiten, schwere Lasten tragen sowie psychische und physische Gewalt erleiden. Ein grosser Teil dieser Kinder seien Opfer von Menschenhändlern geworden.

Für den schleppenden Aufbau einer fairen und nachhaltigen Versorgungskette macht die EvB die Kakao- und Schokoladeindustrie verantwortlich. Sie habe kläglich versagt. Fast alle ihre Projekte konzentrierten sich auf Produktivitäts- und Ertragssteigerung sowie die Weiterbildung der Bauern. Ohne soziale Programme sei eine Verbesserung der Situation der Kinder auf den Farmen nicht zu erwarten.

Viele der Programme hätten zudem heute immer noch den Status von Pilotprojekten. Laut dem Bericht der Uni Tulane seien erst 3 Prozent der ivorischen und 14 Prozent der ghanaischen Gemeinden erreicht, in denen Kakao angepflanzt wird. In den Kakaoplantagen in Nigeria oder Kamerun sei die Situation noch bedenklicher.

Probleme erkannt

Die Schweizer Schokoladeindustrie beschäftige sich seit Jahren mit den sozialen Aspekten des Kakaoanbaus in Westafrika, sagte Franz U. Schmid, Direktor von Chocosuisse, dem Verband Schweizerischer Schokoladefabrikanten, auf Anfrage. Die Probleme seien erkannt und es seien verschiedene Projekte initiiert worden und im Gang. «Wir sind auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel.»

Um den Anteil des Erlöses der Kakaobauern zu erhöhen und einen Beitrag zur Bekämpfung der Armut in den Produktionsländern zu leisten, habe Chocosuisse einen Kodex erarbeitet, mit dem die unterzeichnenden Mitglied-Firmen sich bereit erklären, bei der Beschaffung von Kakao verschiedene Grundsätze einzuhalten Wichtig sei, dass die Kakao-Produktion zurückverfolgt werden könne, betonte Schmid. «Wir wollen wissen, wo die Kakaobohnen produziert wurden und interessieren uns für die sozialen Verhältnisse der Kakaobauern und deren Familien».

Dies sei am besten möglich, wenn der Kakao über verlässliche Kooperativen bezogen werde. Deshalb habe Chocosuisse Ghana und die Elfenbeinküste in den letzten zwei Jahren viermal mit Firmenvertretern bereist. Ein Aussteigen der Schweizer Schokoladeindustrie aus der Kakaoprdouktin in Ghana und in der Elfenbeinküste trage nichts zur Lösung der Probleme bei, sagte Schmid weiter. Damit sei der Bevölkerung in diesen armen Ländern nicht geholfen.

SDA/pbe/jak

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch