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Julius Bär übernimmt Privatkunden von Leumi

Julius Bär kauft die Schweizer und Luxemburger Privatkundensparte der Bank Leumi. Das israelische Geldinstitut stand im Visier der US-Justizbehörden.

Strategische Partnerschaft: Filiale der Bank Leumi in Genf.
Strategische Partnerschaft: Filiale der Bank Leumi in Genf.
AFP

Julius Bär wächst dank dem Rückzug der israelischen Bank Leumi aus dem Schweizer Privatkundengeschäft. Der grösste reine Privatvermögensverwalter der Schweiz kommt damit zu mehr Kundengeldern und beteuert, von Leumi keine Schwierigkeiten im US-Steuerstreit zu erben.

Vom Schweizer Ableger der Bank Leumi hiess es im Juni, dass er im Konflikt mit den USA um Steuersünder kurz vor einer Einigung stehe. Die Bank Julius Bär verhandelt immer noch, nach Angaben des Managements ist eine Lösung nah. Beide Banken gehören der Kategorie 1 an, die je einzeln mit Washington um einen Ablass ringen müssen.

Julius Bär übernimmt bei der Transaktion nur den Kundenstamm. Die Rechtseinheit und somit auch die Notwendigkeit, mit den Amerikanern zu verhandeln, bleibt beim Leumi-Konzern: «Die Rechtsverantwortung liegt weiter beim Verkäufer», sagte Julius-Bär-Finanzchef Dieter Enkelmann in Zürich.

Laut Konzernchef Boris Collardi ist die Übernahme der Kundengelder Teil der grossen Konsolidierung im Schweizer Privatbankensektor. Leumi Schweiz hat rund 6 Milliarden Fr. Kundenvermögen.

Einkaufstouren

Dafür bezahlt Julius Bär 10 Millionen für den Unternehmenswert der Transaktion (Goodwill) in bar. Der Einfluss aufs Kapital wird 60 bis 70 Millionen Fr. betragen: Dazu gehören auch Kapitalunterlegungen, Transaktions-, Integrations und Restrukturierungskosten. Die Zürcher Bank will auch in Luxemburg zugreifen, wo sich Leumi ebenfalls zurückzieht: Dort winken 1,3 Milliarden Fr. Kundengelder.

Die Einkaufstouren von Julius Bär der letzten Jahre haben die verwalteten Kundengelder anschwellen lassen. Auch im ersten Halbjahr setzte sich der Trend fort: Ende Juni betreute die Bank 274,2 Milliarden Franken, 19,8 Milliarden Fr. mehr als Ende 2013. 7 Milliarden Fr. des Kundengeldzuwachses gingen auf Zukäufe zurück, unter anderen in Brasilien.

Mit 7,5 Milliarden Fr. Neugeldern unter dem Strich verzeichnete Julius Bär im Halbjahr einen ungewöhnlich hohen Zufluss. 5,7 Milliarden Fr. vom der Erhöhung der verwalteten Vermögen gehen auf Wertsteigerungen in der Folge von steigenden Börsenkursen zurück. Wechselkurse frassen dagegen 0,4 Milliarden Fr. an Wert wieder weg.

Der wichtigste Zukauf der letzten Jahre, das ausseramerikanische Privatkundengeschäft der Bank Merrill Lynch, befindet sich laut Konzernchef Collardi in der Schlussphase. Als Julius Bär im August 2012 den Kauf ankündigte, visierte die Bank die Übernahme von 57 bis 72 Milliarden Fr. Kundenvermögen an.

Gewinn über Prognosen

Bis Ende Juni hat Julius Bär 54 Milliarden Fr. herübergeholt. Konzernchef Collardi sagte, er rechne bis zum Abschluss der Merrill-Lynch-Integration im nächsten Jahr mit 60 Milliarden Franken. Damit liegt die Bank wie schon seit längerem erwartet am unteren Ende der von ihr selbst gesetzten Zielspanne.

Im ersten Halbjahr hat Julius Bär den adjustierten Konzerngewinn, der für die operative Leistung der Bankengruppe steht, um 10 Prozent auf 288 Millionen Fr. gesteigert: Analysten hatten in einer Umfrage der Nachrichtenagentur nur 261 Millionen Fr. vorausgesagt. Der Gewinn nach Buchhaltungsregel IFRS stieg um gut die Hälfte auf 179 Millionen Franken.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an; Analysten kreideten der Bank am ehesten an, dass sie immer noch kaum Angaben zum Steuerstreit mache. Die Aktie des Geldhauses war gefragt: Zum Handelsschluss legte die Aktie 8,34 Prozent zu.

SDA/fko

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