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Jetzt stinkts gewaltig

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn wusste womöglich schon früher über den Abgasbetrug Bescheid.

Martin Winterkorn. Der Ex-VW-Chef steht nun auch unter Betrugsverdacht.
Martin Winterkorn. Der Ex-VW-Chef steht nun auch unter Betrugsverdacht.
Michael Sohn, Keystone

Unerwartete Wende im Fall Winterkorn: Der Mann, der sich keines Fehlverhaltens im ­Abgasskandal bewusst ist, gerät noch zusätzlich wegen Betrugsverdacht ins Visier der Justiz. Die Polizei durchsuchte in der vergangenen Woche die Münchner Villa und Büros des ehemaligen Konzernchefs nach Beweismaterial. Es hätten sich genügend Anhaltspunkte dafür ergeben, dass «Mr. Volkswagen» früher als von ihm öffentlich behauptet Kenntnis von der manipulierenden Software und deren Wirkung gehabt haben könnte. Bisher hatte die Staatsanwaltschaft gegen Spitzenmanager nur wegen des Verdachts der Marktmanipulation ermittelt, weil VW die ­Finanzmärkte möglicherweise zu spät über die milliardenschweren Risiken des Skandals informiert haben könnte.

Der 69-jährige Winterkorn hatte erst vor einer Woche vor dem Bundestags-Untersuchungsausschuss jegliche persönliche Verstrickung in den Abgasskandal bestritten und sich selbst als Opfer dargestellt. Der Stuttgarter zeigte sich enttäuscht ob der Tatsache, dass er nicht frühzeitig und eindeutig über die Messprobleme aufgeklärt worden sei. Die Enttäuschung sei umso grösser, als er stets einen engen Kontakt mit seinen Mitarbeitenden gepflegt hätte. Der zweifache Familienvater wurde nie müde zu betonen, dass Volkswagen sein Leben sei und dies auch bleiben werde.

Winterkorn sowohl von Belegschaft als auch von Aktionären geschätzt

Kein Wunder: 35 Jahre verbrachte er im Konzern. Kurz nach dem Studium der Metallphysik und der Promotion an der Universität Stuttgart begann seine Laufbahn in der Audi-Zentrale in Ingolstadt. 1993 wechselte er als Leiter der Konzern-Qualitäts­sicherung zu Volkswagen. 2002 wurde Winterkorn Audi-Chef, 2007 schaffte er es an die VW-Spitze. Er baute den Konzern zu einer Zwölf-Marken-Gruppe aus und fuhr Rekordzahlen ein. Inzwischen ist Volkswagen als grösster Autobauer der Welt an Toyota vorbeigezogen – trotz Skandal.

Sowohl Belegschaft wie auch Aktionäre schätzten den Technik-Freak Winterkorn. Dem häufig als perfektionistisch bezeichneten Manager wurden in der Folge Ehrendoktortitel, Orden und Auszeichungen wie «Manager des Jahres » zuteil. Der Hobbyfussballer fungiert auch als Mitglied des Aufsichtsrats von Bayern München. Während mehreren Jahren spielte Winterkorn in der ­Champions League der bestverdienenden DAX-Manager. Sein Gehalt betrug zwischen 14 und 16 Millionen Euro. Im Wolfsburger Weltkonzern galt der Manager vielen als unverzicht- und unantastbar, insbesondere nach dem überstandenen Kräftemessen mit dem Patriarchen und Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch.

Tiefer Fall im Abgasskandal

Auf der Welle des Erfolgs reitend, war der Fall im Abgas­skandal für ihn umso härter. Seinen Rücktritt im September 2015 bezeichnete Winterkorn als «den schwersten Schritt meines Lebens». Trotz persönlichem Schmerz blieb ihm offenbar keine andere Wahl. Das Interesse seines Unternehmens stand an erster Stelle. Wie unerwartet die Krise rund um die manipulierten Abgastests tatsächlich kam, wie viel er wusste und wie er allenfalls darauf reagierte, ist Gegenstand der neuen Untersuchungen. Bereits vor der Razzia war Winterkorn in den Schlagzeilen: Seit Januar stehen ihm monatlich rund 93 000 Euro VW-Betriebsrente zu.

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