Zum Hauptinhalt springen

In jedem zweiten Konzern waren Kriminelle am Werk

Wirtschaftskriminalität ist in der Schweiz weitverbreitet, die Täter kommen oft aus den eigenen Reihen. Laut einer Studie spielen zwei Motive eine zentrale Rolle.

Von wem die Delikte in Unternehmen begangen werden.
Von wem die Delikte in Unternehmen begangen werden.
KMPG

Fast jedes zweite Grossunternehmen und 13 Prozent der KMU in der Schweiz waren in den letzten zwei Jahren mit Wirtschaftskriminalität konfrontiert. Pro Fall werde durchschnittlich ein Schaden von 360'000 Franken angerichtet, zeigt eine in Zürich veröffentlichte Studie.

Etwa die Hälfte der Täter komme aus den eigenen Reihen, heisst es in der Studie des Beratungsunternehmens KPMG, die auf einer Befragung von 93 Grossunternehmen und 500 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Schweiz, Deutschland und Österreich basiert. In die aufgedeckten Fälle seien Topmanager nur sehr selten involviert.

Unachtsamkeit und Nachlässigkeit

In der Schweiz kommen die Täter häufiger aus dem mittleren und oberen Management als in Deutschland. Bei KMU sei die externe Bedrohung besonders gross, sagte Anne van Heerden, Leiter der Abteilung Forensic von KPMG, bei der Präsentation der Studie.

Finanzieller Druck und die Aussicht auf Boni sind gemäss van Heerden zwei zentrale Motive für Wirtschaftsdelikte. Dieses Motiv sei in der Schweiz mit 29 Prozent deutlich stärker ausgeprägt als in Deutschland (11 Prozent). Fehlende Leit- und Vorbilder im Management wurden dagegen in Deutschland (44 Prozent) weit häufiger als Beweggrund genannt als in der Schweiz (7 Prozent).

Zu den Wirtschaftsdelikten kommen kann es nach übereinstimmenden Angaben der meisten Unternehmen in erster Linie wegen mangelnden Unrechtsbewusstseins, fehlender oder mangelhafter Kontrollen sowie Unachtsamkeit und Nachlässigkeit.

Weniger strafrechtliche Sanktionen in der Schweiz

In den meisten Fällen von Wirtschaftskriminalität ziehen die Unternehmen Konsequenzen aus den entdeckten Taten. Ein Grossteil der Delikte komme allerdings gemäss van Heerden nie an die Öffentlichkeit.

In Schweizer Grossunternehmen kommt es nämlich nur in 36 Prozent der Fälle zu strafrechtlichen Sanktionen, in Deutschland liegt dieser Wert bei 67 Prozent. Auch die arbeitsrechtlichen Konsequenzen sind in der Schweiz mit 71 Prozent seltener als in Deutschland (83 Prozent).

Um wirtschaftskriminelle Handlungen aufdecken zu können, sind Unternehmen auf Hinweise von Mitarbeitenden, Geschäftspartnern oder von Strafverfolgungsbehörden angewiesen. Die Aufdeckung per Zufall ist gemäss Studie in der Schweiz deutlich seltener als in Deutschland und Österreich.

Die Wahrnehmung der Risiken stimmt bei den Unternehmen oft nicht mit den tatsächlichen Gefahren überein. Schweizer KMU seien zwar grundsätzlich sensibilisiert für die Risiken von Wirtschaftsdelikten, die Gefahr, von Unterschlagung betroffen zu sein, werde jedoch unterschätzt, heisst es in der Studie.

SDA/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch