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«Ich brauche ein Wunder»

Über den 31-jährigen Händler, der die UBS um zwei Milliarden Dollar brachte, sind neue Details bekannt geworden. Kurz vor seiner Verhaftung startete er einen verzweifelten Aufruf im Internet.

War in den Wochen vor seiner Verhaftung verzweifelt: Der mutmassliche Täter Kweku Adoboli.(Bild: Telegraph)
War in den Wochen vor seiner Verhaftung verzweifelt: Der mutmassliche Täter Kweku Adoboli.(Bild: Telegraph)

Seit die Londoner Polizei den Händler festgenommen hat, versuchen die britischen Medien ein Bild des 31-Jährigen zu zeichnen, der vermutlich für den Milliardenschaden bei der UBS verantwortlich ist. Seine Geschichte liest sich wie jene eines Senkrechtstarters. Kweku Adoboli kam in Ghana zur Welt, ist der Sohn eines UNO-Diplomaten und besuchte gemäss dem «Wall Street Journal» die Ackworth School in West Yorkshire, eine internationale Quäker-Schule, die 41'000 Pfund pro Jahr kostet. Adoboli sei ein sehr fähiger Schüler gewesen, erinnert sich Schulleiterin Kathryn Bell. Später studierte der junge Mann an der Nottingham University in Grossbritannien. Freunde bezeichneten ihn als Computergenie.

2006 stieg Kweku Adoboli bei der UBS ein. Er arbeitete im Bereich European Equity Trading am Desk Delta One, einer Einheit, die eigentlich risikoarme Geschäfte tätigt, die auf Computeralgorithmen beruhen. Adoboli machte offenbar bald viel Geld. Gemäss Londoner Headhuntern, die sich in britischen Medien äusserten, dürfte der Mann rund 200'000 Pfund pro Jahr zuzüglich Bonus verdient haben. Er leistete sich ein luxuriöses Apartment in der Nähe des Londoner Finanzdistrikts, dessen Monatsmiete 4000 Pfund betragen haben soll. Der Banker mochte gemäss Zeitungsberichten argentinische Weine, den nigerianischen Saxofonisten Fela Kuti und übte sich als Hobbyfotograf. Auf seiner Facebook-Seite finden sich 419 Freunde und Links zu einigen schicken Restaurants in London. Das Boulevardblatt «Sun»bezeichnet den Mann als Partylöwen.

Der Druck der Branche war enorm

Doch Adoboli hatte offenbar auch eine ernsthafte Seite. Ein ehemaliger Kollege sagt gegenüber dem britischen «Express»: «Er schien jemand zu sein, der hart gearbeitet hatte, um dorthin zu kommen, wo er war.» Nachbarn sagten gegenüber der Zeitung, Adoboli sei kaum je zu Hause gewesen. Der 42-jährige Philip Octave, der Vermieter, beschreibt den Banker zudem als vorbildlichen Mieter, der immer pünktlich bezahlt und kaum Ärger gemacht habe, auch wenn er nicht gerade der Ordentlichste gewesen sei. Nachbarn beschwerten sich allerdings ab und zu, weil er einige Male eine zu laute Party schmiss. Er habe sich dann aber jeweils umgehend bei ihnen entschuldigt, versicherten Nachbarn den britischen Boulevardmedien.

Irgendwann war die Partystimmung zu Ende. Spätestens neun Tage vor seiner Festnahme erkannte der 31-Jährige den Ernst der Lage. «Ich brauche ein Wunder», liess er seine Freunde über Facebook wissen. «Können wir nicht die globalen Märkte für eine Woche schliessen, damit sich alle wieder einmal beruhigen können?», schrieb er gemäss dem «Express». Offenbar sprach er zudem in letzter Zeit mit Freunden darüber, wie gross der Druck der Branche sei.

Die Familie zeigt sich gemäss dem «Telegraph» erschüttert. Sein Sohn habe einen Fehler begannen oder eine falsche Einschätzung gemacht, sagt sein Vater John, ein pensionierter UNO-Mitarbeiter, der in Ghana lebt, gegenüber der Zeitung. «Wir lesen alles, was über ihn geschrieben wird. Der Familie bricht es das Herz, denn das ist nicht unser Lebensstil.»

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