Zum Hauptinhalt springen

Hitze führt zu erheblichen Ernteausfällen

Weniger Erdbeeren, Himbeeren und Steinobst: Die Bauern leiden unter den Temperaturen. Salat wird bereits teurer.

Massensterben: Toter Fisch am Ufer des Rheins, Schaffhausen. (6. August 2018)
Massensterben: Toter Fisch am Ufer des Rheins, Schaffhausen. (6. August 2018)
Keystone
Im Rhein bei Schaffhausen leiden die kälteliebenden Äschen unter zu warmen Wassertemperaturen.
Im Rhein bei Schaffhausen leiden die kälteliebenden Äschen unter zu warmen Wassertemperaturen.
20 Minuten Leserreporter
Die Schifffahrt auf dem Rhein ist wegen des tiefen Pegels eingeschränkt. In Zürich fahren die Limmatschiffe der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft gar nicht mehr – allerdings nicht wegen Wassermangels, sondern weil es auf den Schiffen für Passagiere zu heiss wird.
Die Schifffahrt auf dem Rhein ist wegen des tiefen Pegels eingeschränkt. In Zürich fahren die Limmatschiffe der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft gar nicht mehr – allerdings nicht wegen Wassermangels, sondern weil es auf den Schiffen für Passagiere zu heiss wird.
Christian Beutler, Keystone
1 / 17

Tote Fische im Rhein, schmelzender Asphalt, fehlendes Trinkwasser für das Vieh: Die Hitzewelle hält die Schweiz im Griff und macht besonders den Bauern zu schaffen. Auch die Obstproduzenten müssen Ernterückgänge in Kauf nehmen. «Die starke Hitze schadet der Erdbeer- und Himbeerproduktion, was zu einem deutlichen Rückgang der Erntemengen führt», sagt Hubert Zufferey vom Schweizer Obstverband.

Im Vergleich zum Jahr 2014 seien in diesem Jahr 25 Prozent weniger Erdbeeren geerntet worden, beziffert Zufferey diesen Rückgang. Im Vergleich zum Jahr 2016 betrage das Minus 10 Prozent. Bei den Himbeeren ergab die Ernte im Vergleich zum letzten Jahr 15 Prozent weniger.

Höhere Bewässerungskosten

Auch bei Kernobst, Äpfeln und Birnen dürfte der prognostizierte Verlust bei über 15 Prozent liegen, so Zufferey. Damit sei eine marktgerechte Ernte zwar möglich. Wegen der Hitzewelle fielen aber zusätzliche Kosten für die Bewässerung an.

Im Obst- und Gemüsebau seien zwar grosse Betriebe für die Bewässerung ausgerüstet, heisst es diesbezüglich beim Bauernverband. Probleme gebe es aber dort, wo die Produzenten kein Wasser mehr bekämen. Besonders betroffen seien unbewässerte hochstämmige Obstbäume. Hier müsse mit zum Teil grossen Ausfällen gerechnet werden, sagt Sprecherin Sandra Helfenstein.

Tankwagen bringen Wasser auf die Felder

Kernobstbauern im Thurgau könnten derzeit sogar nur an Wasser gelangen, indem sie Wasser aus dem Bodensee mit Traktor und Tankwagen auf ihre Felder bringen, berichtet Zufferey vom Obstverband: «Diesen Mehraufwand muss der Produzent selber berappen, und seine Kosten steigen.»

Zusätzliches Wasser brauche es auch, um die Ernte des nächsten Jahres sicherzustellen. Bei den Kirschen sei die Ernte beispielsweise zwar bereits vor der Hitzewelle beendet worden, so Zufferey. Jetzt müsse man sich aber um die Kulturen kümmern, um die Früchte für das nächste Jahr zu sichern.

Salat wird teurer

Beim Verband Schweizer Gemüseproduzenten heisst es, die Lage sei grundsätzlich stabil. «Bei der gesamten Produktionsmenge an Frischgemüse liegen wir etwa bei der vom Vorjahr», sagt Sprecher Markus Waber. «Es herrscht grundsätzlich eine gesunde Marktversorgung.» Das Angebot bleibe bei gewissen Salaten allerdings eher knapp. «Beispielsweise wurde für Eisbergsalate eine gewisse Menge Import bewilligt», so Waber.

Die Ernterückgänge beim Salat zeigen sich auch bei den Preisen: Der Migros zufolge seien die Salatpreise tendenziell leicht steigend. Das erklärt der Detailhändler mit stärkerer Bewässerung. Gemüseverband-Sprecher Waber zufolge dürften die steigenden Preise auch mit dem geringeren Angebot zu tun haben.

Früher Importware

Die Preise für andere Obst- und Gemüsesorten scheinen stabil. Sie stiegen erst dann, wenn es auf dem Gesamtmarkt zu Engpässen käme, so Helfenstein vom Bauernverband. Hier seien das künftige Wetter und die Möglichkeit, an Wasser zu kommen, entscheidend. Und entsprechende Engpässe scheinen noch nicht vorzuliegen.

Migros und Coop geben auf Nachfrage bekannt, dass derzeit keine Preisveränderungen bei Obst und Gemüse festzustellen seien. Beim Kernobst habe der Übergang auf Importware früher stattgefunden, so die Migros.

Solidarität der Konsumenten

Doch nicht nur bei Obst und Gemüse, sondern auch bei Getreide und bei Futtermitteln wird es bei der anhaltenden Hitze eng. Die Getreideernte dürfte dem Getreideproduzentenverband zufolge wohl kleiner ausfallen als im letzten Jahr. Der Richtpreis sollte aber stabil bleiben, da aus dem letzten Jahr noch rund 50'000 Tonnen übrig seien.

Bei Mais und Gras, der Alpwirtschaft sowie den Zuckerrüben müsse zum Teil mit grossen Ausfällen gerechnet werden, sagt Helfenstein vom Bauernverband. Entsprechend werden Hilferufe laut. Der Verband will heute beim Bund einen Forderungskatalog einreichen, in dem er eine Senkung der Importzölle auf Heu verlangt.

In einem zweiten Schritt könnte laut SBV-Direktor Jacques Bourgeois die gleiche Forderung für den Import von Futtermais aktuell werden. Auch die Produktepreise müssten den extremen Verhältnissen angepasst werden können, so Bourgeois. Er zähle dabei auf die Solidarität der Konsumenten und deren Bereitschaft, zum Beispiel für die Milch etwas mehr zu bezahlen im Laden.

Heute hat zudem die Schweizer Berghilfe angekündigt, den Älplern unter die Arme zu greifen. Einige Bauern und Sennen hatten mit Helikoptern oder Tanklastwagen Wasser auf die Alpen bringen müssen. Das geht ins Geld. Darum hat die Berghilfe eine halbe Million Franken für die Hilfe bereitgestellt. Der Wasserbedarf auf den Alpen ist hoch: Eine Milchkuh trinkt bei der derzeitigen Hitze über 100 Liter pro Tag.

Gutes Klima für Mostobstbauern

Nicht alle Bauern leidern derweil unter der Hitze. Den Mostobstbauern blüht nach einem schlechten letzten Jahr eine überdurchschnittlich grosse Ernte. Seit 2007 haben die Hersteller nicht mehr so früh mit dem Mosten begonnen. Die Verarbeitung der Früchte startete bereits im April, der Getränkehersteller Ramseier in Oberaach TG presst seit Anfang August Saft.

Gemäss ersten Schätzungen des Schweizerischen Obstverbands (SOV) dürfte die diesjährige Ernte 117'340 Tonnen Mostäpfel und 11'552 Tonnen Mostbirnen einbringen. Sie läge damit 83 Prozent über dem Durchschnitt der letzten vier Jahre und 52 Prozent über dem Jahr 2016. Grund dafür sei der normal ausgefallene Winter und das Frühjahr, in dem kaum Frostschäden an den Obstkulturen entstanden seien. Der April war der zweitwärmste seit 1864 - sonnenreich und niederschlagsarm.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch