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Hilferuf aus Barcelona – Bankia braucht weitere 19 Milliarden Euro

Katalonien kann seine Rechnungen nicht mehr begleichen, und Bankia braucht noch viel mehr Geld als befürchtet. Die Bank will Beteiligungen, die sie hält, schnellstmöglich zu Geld machen.

«Egal wie sie es tun»: Der katalanische Präsident Artur Mas (l) spricht in Barcelona während einer Konferenz. Wirtschaftsminister Andreu Mas-Colell reibt sich die Stirn. (15. Mai 2012)
«Egal wie sie es tun»: Der katalanische Präsident Artur Mas (l) spricht in Barcelona während einer Konferenz. Wirtschaftsminister Andreu Mas-Colell reibt sich die Stirn. (15. Mai 2012)
AFP

In Spanien spitzt sich die Schuldenkrise zu. Der marode Sparkassen-Konzern Bankia braucht zusätzliche Rettungsgelder und die reichste autonome Region Katalonien hat die Zentralregierung in Madrid um rasche finanzielle Hilfe gebeten. «Uns ist es egal, wie sie es tun, aber wir müssen Zahlungen tätigen am Monatsende», sagte der katalonische Präsident Artur Mas. «Unsere Wirtschaft kann sich nicht erholen, wenn wir unsere Rechnungen nicht begleichen können.»

Katalonien, wo ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandproduktes erwirtschaftet wird, muss in diesem Jahr mehr als 13 Milliarden Euro umschulden. Die 17 hoch verschuldeten Regionen Spaniens stehen im Zentrum der Euro-Krise. Investoren befürchten, dass die viertgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone unter den Rettungsschirm flüchten muss.

In Reaktion fiel der Euro erstmals seit Juli 2010 unter 1,25 Dollar. Zum Franken sank der Euro auf 1,2011, er lag damit wieder sehr nahe am Mindestkurs von 1,20 Franken, den die Schweizerische Nationalbank (SNB) offeriert.

Bankia will Beteiligungen verkaufen

Der teilverstaatlichte spanische Sparkassen-Konzern Bankia hat den Verkauf von Unternehmensbeteiligungen in Aussicht gestellt. «Die BFA Gruppe und die Bankia haben ein starkes Portfolio von Firmenanteilen», sagte der Verwaltungsratsvorsitzende von Spaniens viertgrösster Bank.

«Wir werden natürlich danach schauen, einen Verkaufsprozess einzuleiten», sagte Jose Ignacio Goirigolzarri am Samstag vor Journalisten. Bankia und die Muttergesellschaft BFA sind unter anderem an der International Airlines Group beteiligt, unter deren Dach die Fluggesellschaften British Airways und Iberia zusammengefasst sind, und an dem Energieriesen Iberdrola.

Die Sparkasse musste am Freitag den Staat um weitere 19 Milliarden Euro bitten, um zu überleben. 4,5 Milliarden Euro hat die Regierung bereits in das Institut gepumpt. Der Staat hält einen Anteil von 45 Prozent an der Bank. Die Umwandlung von Vorzugsaktien in Kapital sei keine Lösung, sagte Goirigolzarri. Derzeit halten Investoren Vorzugsaktien im Wert von rund vier Milliarden Euro.

Bankia-Aktie vom Handel suspendiert

Gestern Morgen waren Zweifel an der Finanzkraft des Landes genährt worden durch die Meldung, dass die Bankia-Aktie vom Handel ausgesetzt wurde. Wenn Madrid dem Gesuch der Bank nachkommt, wäre die Rettung von Bankia die grösste staatliche Hilfsoperation für ein Unternehmen in der spanischen Geschichte. Der Sanierungsplan muss noch von der Zentralbank, der Regierung und der Europäischen Union bewilligt werden.

Der Betrag übertrifft bei weitem die schlimmsten Befürchtungen der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy. Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte noch am Mittwoch die benötigte Staatshilfe von Bankia auf 9 Milliarden Euro beziffert. Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Bonität der viertgrössten spanischen Bank heute als Reaktion auf Ramschniveau herab.

Bankia gilt als der grösste Problemfall in der spanischen Finanzkrise. Die Bank hat besonders viele «faule» Immobilienkredite in ihren Bilanzen. 2010 hatte die Bank bereits 4,5 Milliarden Euro aus dem staatlichen Bankenrettungsfonds FROB erhalten.

Politischer Zündstoff

Eine weitere Milliardenspritze birgt erheblichen politischen Zündstoff. Denn gleichzeitig streicht Rajoy etwa die Ausgaben für Schulen und Spitäler kräftig zusammen. Um die europäischen Defizit-Vorgaben zu erfüllen, plant der Regierungschef Einsparungen von mehr als 45 Milliarden Euro in diesem Jahr.

Da die Anleger fürchten, dass Spanien am Ende doch um internationale Hilfen bitten muss, verlangen sie von der Regierung in Madrid sehr hohe Zinsen. Am Freitag stiegen sie bei zehnjährigen Anleihen von 6,17 auf 6,27 Prozent.

Die viertgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone büsst hart für die Immobilienblase, die vorübergehend die Konjunktur zum Blühen brachte, dann aber 2007 und 2008 platzte. Das Land befindet sich mittlerweile in einer zweiten Rezession und leidet unter einer Arbeitslosigkeit in Rekordhöhe.

SDA/kle

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