Heute ist Schicksalstag für den Stahlriesen

Die Rettung von Schmolz+Bickenbach wird zum Krimi. Ein Investor hat einen Plan B in der Tasche.

Nach Angaben eines Firmensprechers reicht die Liquidität noch bis in den Januar: S+B-Konzernchef Clemens Iller (vorne) mit Finanzchef Matthias Wellhausen. <nobr>Foto: Ennio Leanza (Keystone)</nobr>

Nach Angaben eines Firmensprechers reicht die Liquidität noch bis in den Januar: S+B-Konzernchef Clemens Iller (vorne) mit Finanzchef Matthias Wellhausen. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Holger Alich@Holger_Alich

Die Zukunft des Stahlkonzerns Schmolz+Bickenbach (S+B) ist unsicher. Trotz harter Verhandlungen am Sonntag gab es bis dato keine ­Einigung zwischen den Grossaktionären Viktor Vekselberg (27 Prozent) und dem Amag-Eigner Martin Haefner (17,5 Prozent) über die Frage, wie die nötige Rekapitalisierung des angeschlagenen Konzerns mit seinen über 10'000 Mitarbeitern aussehen soll. Mit am Tisch sitzen auch die Gründererben, die noch rund 10 Prozent der Aktien halten.

Heute sollen die Aktionäre über Haefners Vorschlag abstimmen, der indes chancenlos scheint: Haefner will 325 Millionen Franken einschiessen unter der Bedingung, dass er danach 37,5 Prozent der Anteile hält und damit zum grössten Aktionär wird. Ferner will er von der Pflicht entbunden werden, den Minderheitsaktionären ein Übernahmeangebot machen zu müssen.

Davon wollen Vekselberg und seine Holding Liwet nichts wissen. So bekräftigte Liwet in einem offenen Brief vom Wochenende, dass eine Lösung «keinen Kontrollwechel zur Folge haben darf». Haefner wiederum beharrte in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» darauf, die Macht übernehmen zu wollen: «Liwet ist als Aktionär willkommen, muss aber akzeptieren, dass ich als Hauptgeldgeber entscheidenden Einfluss nehmen will.»

Bei der Finma beschwert

Und selbst wenn Vekselberg Haefners Bedingungen akzeptieren würde, steht in den Sternen, ob diese Lösung funktioniert. Denn die Übernahmekommission will Haefner nicht von der Pflicht befreien, den Minderheitsaktionären ein Kaufangebot machen zu müssen. Dagegen haben Haefner und S+B bei der Finma Beschwerde eingereicht. Bis Freitag konnten hierzu Eingaben gemacht werden. Daher will die Finma erst am 9. Dezember in dem Fall entscheiden.

Laut «SonntagsZeitung» hat Vekselberg nun einen alternativen Rettungsplan ausarbeiten lassen. Nach der wahrscheinlichen Ablehnung von Haefners Plan an der Generalversammlung will er dem Vernehmen nach eine alternative Rekapitalisierung den Aktionären zur Abstimmung vorlegen. Demnach soll es eine Kapitalerhöhung von nur 200 Millionen Franken geben. Da das Geld nicht ausreicht, um den Konzern wieder auf solide Beine zu stellen, sollen Vekselberg und Haefner zusätzlich je 100 Millionen Franken als nachrangiges Darlehen einschiessen.

Aber Haefner lehnt diesen Plan ab. Ein Problem bestehe ­darin, dass auch einige Konsortialbanken den Plan nicht unterstützen würden, heisst es aus beteiligten Kreisen. Beide Seiten betonen ihren guten Willen. Aber die Zeit wird knapp. Nach Angaben eines S+B-Sprechers reicht die Liquidität des Stahlkonzerns noch bis in den Januar.

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