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Grübel wettert in Wien

Die geplanten Finanzmarktregulierungen gehen einigen Bank-Chef zu weit. Ihren Unmut bringen sie derzeit an einem Treffen in der österreichischen Hauptstadt zum Ausdruck.

«Vieles passiert derzeit unkoordiniert - oft von Leuten, die nicht genug über die Märkte wissen»: Oswald Grübel.
«Vieles passiert derzeit unkoordiniert - oft von Leuten, die nicht genug über die Märkte wissen»: Oswald Grübel.
Reuters

Zwar geht der Basler Ausschuss bei der geplanten Finanzmarktregulierung auf die Banken zu. Die Institute sollten mehr Zeit erhalten, um die Vorschläge für die Änderungen der Eigenkapitalregeln (Basel III) umsetzen zu können. «Wir werden sicherstellen, dass sich der Bankensektor über die Einbehaltung von Gewinnen und vertretbare Kapitalerhöhungen an die neuen Vorschriften anpassen kann», sagte EZB-Ratsmitglied Nout Wellink am Freitag an einem Treffen des Banken-Verbands IIF in Wien.

Einige der derzeit auf dem Tisch liegenden Entwürfe müssten entschärft und Kompromisse erzielt werden, sagte Wellink, der auch Vorsitzender des Basler Ausschusses und chef der niederländischen Notenbank ist. «Aber ich denke, wir werden eine annehmbare Lösung finden.»

Horror-Szenarien

Aktuell schätzen die Banken die Folgen für ihr Geschäft ab. Ähnlich wie schon bei Basel II beurteilten sie die neuen Regeln kritisch und warnen vor den Folgen. Weltweit bemühen sich Regulierer, neue Eigenkapitalrichtlinien festzuzurren, um Investmentbanken dazu zu bringen, riskante Finanzwetten mit mehr Eigenkapital zu unterlegen.

Am Donnerstag hatten die Banken vor dem Verlust von Millionen Arbeitsplätzen und einem niedrigeren Wirtschaftswachstum gewarnt, sollte der Finanzsektor übermässig stark reguliert werden.

Einige Experten, darunter der renommierte Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Stephen Cecchetti, bezweifeln die Horror-Szenarien der Branche und werfen ihr gezielte Meinungs- und Panikmache vor.

Unkoordiniertes Vorgehen

Mehrere Top-Banker warnten am Freitag in Wien erneut vor einer Überregulierung und mahnten Aufsichtsbehörden und Politik zu einem abgestimmten Vorgehen.

UBS-Chef Oswald Grübel sparte beispielsweise nicht mit Kritik: «Vieles passiert derzeit unkoordiniert - oft von Leuten, die nicht genug über die Märkte wissen.»

Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Vorsitzender des IIF, forderte eine bessere Abstimmung bei der Regulierung: Die neuen Regeln sollten zeitgleich, symmetrisch und vergleichbar in allen wichtigen Finanzplätzen eingeführt werden.

Unrealistischer Fahrplan

Die neue Regeln für die Finanzbranche sollten eigentlich Ende 2012 eingeführt werden. Die Banken sehen dies als unrealistisch an. Zuletzt wurde im Kreis der G20-Finanzminister eine gestreckte Einführung diskutiert, um die Banken nicht zu überfordern.

Wellink schrieb den Top-Bankern ins Stammbuch, nicht nur auf Regulierer und Aufseher zu schimpfen. Die neuen Regeln seien dafür gedacht, das ganze Finanzsystem widerstandsfähiger zu machen für künftige Krisen. Auch die Institute müssten dazu ihren Teil beitragen.

SDA

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