Gold-Trading ist Minenfeld für UBS und Bär

Die Weko ermittelt gegen die Banken wegen Manipulierens des Edelmetallhandels. UBS und Julius Bär hatten zuvor das Problem kleingeredet.

Schweizer Banken stehen im Zentrum der Vorwürfe: Der Paradeplatz in Zürich.

Schweizer Banken stehen im Zentrum der Vorwürfe: Der Paradeplatz in Zürich.

(Bild: Keystone)

Die Banken sind bei den Vorwürfen rund um Kursmanipulationen nicht aus dem Schneider. Vielmehr haben sie die Wettbewerbskommission (Weko) der Schweiz am Hals. Diese gab heute früh die Eröffnung eines Verfahrens gegen die UBS, die Julius Bär und fünf ausländische Bankinstitute bekannt. Bei Gold, Silber, Platin und Palladium könnten die Banken untereinander die Preise abgesprochen haben, meldete die Behörde. Dies wäre zum Nachteil der Kunden gegangen.

Die Weko-Ermittlungen erwischt die beiden Schweizer Institute auf dem linken Fuss. Weder die UBS noch die Bank Bär haben den Vorermittlungen der Kommission bis anhin grosses Gewicht eingeräumt, sondern sie lediglich als Randnotiz zu den Devisenvorwürfen behandelt. So tat die UBS die Weko-Vorabklärungen in ihrem letzten Quartalsbericht mit einem einzigen Satz ab. Die Kürze kontrastiert mit den übrigen Rechtsverfahren, die sich über 10 Seiten hinwegziehen.

Kein Wort über die Affäre

Bei der Julius Bär sieht es nicht viel anders aus. Die Zürcher verlieren in ihrem aktuellen Halbjahresbericht kein Wort über die Affäre. Und im Jahresbericht von Februar dieses Jahres werden die Weko-Ermittlungen in einem einzigen Abschnitt abgehandelt, die übrigen 4 Seiten zu den rechtlichen Rückstellungen drehen sich um andere Fälle.

Fragen stellen sich vor allem bei der Privatbank Bär. Während Ermittlungen gegen die UBS, die bei praktisch allen Manipulationsvorwürfen an vorderster Front dabei ist, zu erwarten waren, überraschen sie nämlich bei der Zürcher Bank. Diese betreibt offiziell gar keinen Eigenhandel, sondern will einzig für ihre vermögenden Privatkunden Geschäfte machen.

Auch ist die Julius Bär nicht Teil des sogenannten «Fixings». Gemeint ist die tägliche Fixierung von Mittelkursen, die dann für die Abrechnung mit den Kunden genutzt werden. Die UBS gehört zusammen mit anderen grossen Investmentbanken zu den Fixing-Banking, während die Bär dort nur Zaungast ist. Umso mehr überrascht, dass die Wettbewerbsbehörde gegen die Zürcher vorgehen; und zwar nicht nur bei den Edelmetallen, sondern auch bei den Devisen. Dort ermittelt die Weko seit über einem Jahr gegen mehrere Banken, darunter auch die Julius Bär.

Weko hält sich bedeckt

Der zuständige Mann bei der Weko wollte keine Details nennen, warum seine Behörde auch gegen die Privatbank Bär vorgehe, obwohl diese weder zu den grössten Instituten zählt noch beim Fixing dabei ist. Ein Sprecher von Bär nahm ebenfalls keine Stellung zu Details. Bis Resultate bei den Devisen- und Edelmetall-Untersuchungen vorliegen, dürfte es noch lange gehen. Laut dem Weko-Ermittler stehen einzig die Ergebnisse bei den Untersuchungen rund um Absprachen beim Libor vor dem baldigen Abschluss. Die Weko kann die Banken nur mit Bussen sanktionieren, im Unterschied zu den Aufsichts- und Justizbehörden, die schärfere Massnahmen aussprechen können.

Ein Sprecher der UBS wollte auf Anfrage ebenfalls nichts zum neuen Weko-Verfahren sagen. Aus UBS-Kreisen ist aber zu hören, dass die Ermittlungen der Behörde bei den Edelmetallen der Bank keine grossen Bauchschmerzen bereiten würden. Man habe sich als Kronzeugin zur Verfügung gestellt, gleich wie dies bereits in verschiedenen Verfahren bei Libor und Devisen der Fall gewesen sei. Somit könne die UBS damit rechnen, wenig oder keine Busse zu zahlen.

Mögliche Zivilklagen

Gefahr droht hingegen von Zivilklägern. In den USA haben bereits mehrere Kunden Sammelklagen gegen die UBS rund um deren Devisenmanipulationen lanciert. Gleiches könnte nun bei den Edelmetallen drohen. Aber selbst diese Zivilverfahren hätten nicht das gleiche Schadenspotenzial wie die Häuserkredite aus der Subprime-Zeit, sagt ein UBS-Insider. Dort hat die Bank inzwischen fast 800 Millionen Dollar für potenzielle Zahlungen zur Seite gelegt.

Was für die UBS nicht im Zentrum steht, sieht für die Julius Bär düster aus. Die Bank kommt vermutlich nicht in den Genuss der Kronzeugenregelung. Entsprechend müssten die Zürcher mit einer höheren Busse der Wettbewerbskommission rechnen. Das Gleiche gilt für die Devisenuntersuchungen.

Damit drohen der Bank in nächster Zeit hohe Rechnungen ins Haus zu flattern. Im US-Steuerstreit hat die Julius Bär vor ein paar Monaten 350 Millionen Dollar zurückgestellt. Ob dieser Betrag genügt, ist derzeit noch völlig offen. Mit den absehbaren Edelmetall- und Devisenbussen gerät Bär tiefer in den Rechtsstrudel.

baz.ch/Newsnet

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