Gewinn von Raiffeisen bricht ein

Die Vincenz-Ära belastet das Ergebnis der Bank. Grund sind Wertberichtigungen auf Beteiligungen.

Er soll die Raiffeisen wieder auf Kurs bringen: Der neue Verwaltungsratspräsident Guy Lachapelle.

Er soll die Raiffeisen wieder auf Kurs bringen: Der neue Verwaltungsratspräsident Guy Lachapelle.

(Bild: Keystone)

Bei der Raiffeisen-Gruppe ist im Geschäftsjahr 2018 der Gewinn eingebrochen. Belastet wurde das Ergebnis vor allem von Bewertungskorrekturen für die unter dem früheren Konzernchef Pierin Vincenz übernommenen Beteiligungen. Im Hypothekargeschäft konnte die Gruppe indes auch im vergangenen Jahr deutlich wachsen.

Der Gruppengewinn sank in vergangenen Jahr um 41 Prozent auf 540,8 Millionen Franken, wie die Raiffeisen-Gruppe am Freitag mitteilte. Die Sondereffekte im Gesamtumfang von 270 Millionen Franken belasteten auch das operative Ergebnis: Der Geschäftserfolg lag mit 699,1 Millionen Franken um 37 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Wie bereits im Januar angekündigt, hat Raiffeisen die Werthaltigkeit aller Beteiligungen von Raiffeisen Schweiz überprüft. Zudem wurden für den Erwerb des bisherigen Informatik-Joint Ventures Arizon Rückstellungen von 69 Millionen Franken gebildet.

Ende Januar hatte die Genossenschaftsbank den Schaden noch auf maximal 300 Millionen Franken beziffert. In der Ära Vincenz hatte Raiffeisen Schweiz zwischen 2012 und 2015 durch Zukäufe von Beteiligungen neue Geschäftsbereiche im Wert von über 1 Milliarde Franken aufgebaut.

Tieferer Ertrag

Insgesamt erwirtschaftete die Gruppe einen Gesamtertrag von 3,01 Milliarden Franken, was einem Rückgang um 7,0 Prozent entsprach. Im wichtigsten Geschäft der Gruppe, dem Zinsengeschäft, ging der Ertrag dabei trotz weiterem Kreditwachstum netto leicht um 0,9 Prozent auf 2,23 Milliarden Franken zurück.

Die Sonderfaktoren der Vincenz-Ära drückten auch auf das Kosten-Ertrags-Verhältnis. Im Vergleich zur Vorperiode verschlechterte sich dieses auf 64,9 Prozent von vorher 60,8 Prozent.

Im Hypothekargeschäft war die Raiffeisen Gruppe mit einem Anstieg der Forderungen um 4,0 Prozent auf 179,6 Milliarden Franken weiterhin schnell unterwegs. Die Bank habe damit ihre Position in den wettbewerbsintensiven Marktweiter ausgebaut, schreibt das Unternehmen. Raiffeisen halte nun einen Marktanteil von 17,6 Prozent nach 17,5 Prozent im Vorjahr, so die Bank.

Die verwalteten Kundenvermögen (AuM) lagen mit 196,1 Milliarden Franken um rund 6,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Allerdings hatte die Gruppe im vergangenen Jahr ihre Vermögensverwaltungsbank Notenstein La Roche verkauft. Insgesamt vermeldete Raiffeisen einen Zufluss von Nettoneugeldern in Höhe von 6,3 Milliarden Franken.

Aufarbeitung fast abgeschlossen

Insgesamt sei das Jahr 2018 für Raiffeisen ein «Jahr der Aufarbeitung und des Neustarts» gewesen, so das Institut. Mit der unabhängigen Untersuchung zur Ära des früheren Konzernchefs Vincenz sowie der personellen Erneuerung der Bankspitze sei «der Grundstein für die Weiterentwicklung gelegt» worden. Mit dem Verkauf von Notenstein La Roche an Vontobel hat Raiffeisen Schweiz die Entflechtung der Unternehmensstrukturen «fast abgeschlossen».

2019 soll für die Gruppe nun ein «Jahr des Übergangs» werden. Man werde die Massnahmen zur Erneuerung grösstenteils abschliessen, um sich verstärkt bankstrategischen Fragestellungen widmen zu können, kündigt das Institut an. Im Fokus stehe dabei der weitere Ausbau der Beratungsdienstleistungen und -kompetenzen.

Die Chronik zum Raiffeisen-Skandal

So kam die Affäre Vincenz ins Rollen. (Video: Tamedia, SDA)

ij/sda

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