«Für mich ist das kein Widerspruch»

Novartis-Konzernchef Vas Narasimhan erhöht die Prognose für das Geschäftsjahr 2018 und erklärt, warum das Pharmaunternehmen dennoch Stellen streicht.

Der US-Amerikaner Vasant Narasimhan (42) ist seit dem 1. Februar 2018 Konzernchef von Novartis. Er sieht den Stellenabbau als notwendigen Schritt für eine erfolgreiche Zukunft. Foto: Getty Images

Der US-Amerikaner Vasant Narasimhan (42) ist seit dem 1. Februar 2018 Konzernchef von Novartis. Er sieht den Stellenabbau als notwendigen Schritt für eine erfolgreiche Zukunft. Foto: Getty Images

Herr Narasimhan, Sie haben die Umsatzerwartungen erhöht. Was macht Sie zuversichtlich?
Wir sehen ein ­starkes Wachstum bei unseren wich­tigen, neuen Medikamenten wie dem Schuppenflechtenmittel Cosentyx und dem Herzmedikament Entresto. Zudem beobachten wir generell eine positive Entwicklung unseres Onkologiegeschäfts. Das hat uns bestärkt, unsere Prognose für das Jahr 2018 zu erhöhen, und gibt uns auch Zuversicht für die mittelfristige Perspektive in diesen Schlüsselprodukten.

Ist es nicht ein Widerspruch, die ­Prognose zu erhöhen und gleichzeitig den Abbau von Tausenden Stellen zu planen?
Wir betrachten den Abbau unter einer langfristigen Perspektive. Wir wollen sicherstellen, dass wir auch in Zu­kunft eine wettbewerbsfähige Firma bleiben, die stark in der Schweiz engagiert ist, unter anderem mit drei ­Milliarden Dollar an jährlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung und all den anderen Investitionen. Das ist ein notwendiger Schritt, um erfolgreich zu bleiben. Man darf zudem nicht vergessen, dass wir diesen Abbau über vier Jahre vollziehen werden und in dieser Zeit alles daransetzen werden, diesen Übergang für die potenziell betroffenen Mitarbeitenden auf eine möglichst res­pektvolle Weise zu vollziehen.

Der Widerspruch bleibt.
Für mich ist es kein Widerspruch, weil wir dafür arbeiten, dass Novartis auf hohem Niveau wettbewerbsfähig bleibt. Wir wollen auf lange Sicht erfolgreich sein.

Wie ist der Stand beim ­angekündigten Jobabbau in der Schweiz?
Momentan finden die Konsultationen mit unseren Arbeitnehmervertretungen statt. Seit unserer An­kündigung hat sich deshalb noch nichts Neues ergeben.

Haben Sie mit der starken Kritik an dem Abbau gerechnet?
Wir wussten, dass es eine schwierige Entscheidung ist, aber wir sind überzeugt, dass der Abbau dazu beiträgt, Novartis in der Schweiz sowohl in der Produktion als auch bezüglich der internen Dienstleistungen fit für die Zukunft zu machen.

Auch die Basler Regierung hat sich ­enttäuscht gezeigt. Volkswirtschaftsdirektor Christoph Brutschin spricht mit Blick auf den Abbau von einer anderen Qualität, weil die 700 bedrohten Stellen in der Service­organisation hier in Basel nicht gestrichen, sondern an andere Standorte verlagert werden.
Grundsätzlich sind wir dankbar für die seit Jahrzehnten verlässliche Partnerschaft mit der ­Basler Regierung und deren Unterstützung. Für die internen Dienstleistungen erwarte ich, dass der Grad an Automatisation in Zukunft noch stärker zunehmen wird. Einige dieser betroffenen Stellen werden daher in Zukunft auch auf diese Weise ersetzt werden, und an­dere werden in die globalen Servicecenter verlegt. Gleichzeitig aber ­werden wir ­beispielsweise in Stein Kapazitäten im Bereich der Zell- und Gentherapie aufbauen oder in Basel den Hauptsitz für unsere Aktivitäten im Bereich der Daten- und Digitaltechnologie. So investieren wir in der Schweiz in die relevanten Fähigkeiten von morgen.

Wie viele Jobs werden weltweit im Zuge des gesamten ­Programms bis 2022 bei Novartis gestrichen?
Es existiert kein globales Programm, sondern jeder Standort wird einzeln betrachtet und optimiert. Aus diesem Grund kann ich auch keine Gesamtzahl zum Stellenabbau nennen.

Wie weit sind Sie bei der Ausgliederung Ihrer Augenheilsparte Alcon?
Wir liegen im Zeitplan. Die ­Ausgliederung wird im ersten Halbjahr des nächsten Jahres ­erfolgen.

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