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Freddie und Fannie haben ihre Bilanzen geschönt

Die US-Regierung musste heute deshalb so schnell eingreifen, weil die Baufinanzierer ihre Kapitalbasis aufgeblasen haben - und das nicht zum ersten Mal.

Das sagten Angestellte der US-Finanzverwaltung, die die Bücher von Fannie Mae und Freddie Mac studiert haben, der New York Times. Seit Wochen hatten Experten den obersten Finanzverwalter Henry Paulson gedrängt, bei Fannie und Freddie schnell einzugreifen. Letzte Woche dann entdeckten Berater die dunklen Flecken in Freddie Macs Buchhaltung: Das Institut war noch schlimmer dran als gedacht, weil es seine Kapitalbasis in den Büchern grösser angegeben hatte, als sie tatsächlich war. Paulson musste sofort handeln.

Die manipulierte Bilanz bedeutet noch nicht, dass Freddie gegen rechtliche Bilanzvorschriften verstossen hat. Vielleicht wurden diese lediglich ausgereizt. Ein Beispiel: Statt Hypotheken als verloren abzuschreiben, wenn der Schuldner 3 Monate nicht bezahlt hat, wie das Jahrzehnte lang Tradition gewesen sei, hätten Fannie und Freddie seit einiger Zeit damit bis zu 2 Jahre zugewartet und so die Bilanzen voller wertloser Guthaben gehabt, so die New York Times.

Die Zeitung zitiert ausserdem einen Insider aus der Bank, der zugibt, man habe Verluste in der Buchhaltung so lange wie möglich hinausgeschoben. Ohne Kontrolle wären sie erst im Frühjahr 2009 zum Vorschein gekommen, dann, wenn Freddie seine Abschlussrechnung für 2008 präsentiert hätte. Fannie Mae hätte genau die gleichen Methoden angewandt, so die New York Times, allerdings in einem geringeren Ausmass.

2003 bereits ein Strafverfahren

Beide Institute hatten bereits vor einigen Jahren heftige Bussen kassiert, weil sie gegen Buchhaltungsregeln verstossen hatten. Damals mussten auch die Geschäftsführer ihren Hut nehmen. Der gegenwärtige Geschäftsführer von Freddie Mac, Richard F. Syron, hatte sein Amt 2003 von seinen Vorgängern übernommen, nachdem diese die Buchhaltung mit 5 Milliarden Dollar geschönt hatten. Der Chef von Fannie Mae, Daniel H. Mudd, hatte seinen Posten übernommen, nachdem bei dem Unternehmen Abrechnungsfehler über 6,3 Millionen Dollar aufgedeckt worden waren.

«Wir mussten soeben die zwei grössten Finanzinstitute der Welt verstaatlichen, weil unsere Politiker nichts unternehmen», sagte ein Finanzanalyst der New York Times. Seit 2003 wisse man um die Buchhaltungsprobleme der beiden Firmen, und kein Politiker habe etwas unternommen.

Teuerste Übernahme der Geschichte

Die Übernahme kostet laut der US-Behörde mehrere Milliarden Dollar und wird wohl eine der teuersten je von Steuerzahlern finanzierten Rettungsaktionen der Geschichte werden. Vor kurzem musste bereits die Investmentbank Bear Stearns gerettet werden- sie wurde an JP Morgan verkauft, mitfinanziert durch Steuergelder.

Die Regierung habe die beiden Institute verstaatlicht, weil in Finanzkreisen die Furcht umging, Fannie und Freddie könnten ihre Schuldzinsen nicht mehr bezahlen und so eine weitere heftige Finanzkrise auslösen. Da die Häuserpreise in den USA weiter fallen, dürfte sich die Situation der beiden Hypothekengeber sogar noch verschlimmern. Mit der Übernahme deckt die US-Regierung die Schulden der beiden Unternehmen.

(oku)

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