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Finma will Giorgio Behr vor Gericht zerren

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht hat gegen den Industrie-Investor Giorgio Behr Strafanzeige erstattet. Behr soll die börsengesetzliche Offenlegungspflicht schwer verletzt haben.

In Zugzwang: Giorgio Behr.
In Zugzwang: Giorgio Behr.
Keystone

Giorgio Behr soll beim Aufbau einer Beteiligung am Schleifmittel-Hersteller Sia Abrasives illegal gehandelt haben. Die Bank am Bellevue, bei der Behr einer der Mitbegründer und bis 2005 auch Verwaltungsrat war, habe ihre Organisations- und Gewährspflichten ebenfalls schwer verletzt, teilt die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) mit.

Gegen die Bank seien diverse Massnahmen eingeleitet worden, um organisatorische Mängel zu beheben. Gleichzeitig droht ihr die Finma für den Wiederholungsfall mit dem Entzug der Banklizenz.

Behr hatte am 1. April 2008 mitgeteilt, er habe seit 26. März seinen Anteil an sia Abrasives von unter 3 Prozent auf über 20 Prozent der Stimmrechte gesteigert.

Anteile bei Bankkunden parkiert

Laut Finma waren die Anteile aber von der Bank am Bellevue bereits mindestens seit Januar 2008 gekauft worden. Dabei habe sie sia-Aktien auf Rechnung ihrer Kunden gekauft und bei diesen «parkiert», obwohl eine Weiterveräusserung an Behr geplant gewesen sei.

Damit seien die börsengesetzlichen Offenlegungspflichten schwer verletzt worden. Die Finma reichte gegen Giorgio Behr Strafanzeige beim Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) ein. Im Rahmen eines Verwaltungsstrafverfahrens könnte das EFD Sanktionen verhängen.

sia Abrasives wehrte sich gegen Behrs Übernahmeversuch und gehört inzwischen dem deutschen Bosch-Konzern. Behr konnte seine Beteiligung von schliesslich 40 Prozent aber mit grossem Gewinn verkaufen.

Zwist auch bei Georg Fischer

Der Schaffhauser ist ein umtriebiger Unternehmer, seine Industriegruppe Behr Bircher Cellpack (BBC Group) setzt rund 300 Millionen Franken um und zählt rund 1200 Vollzeitstellen. In der breiten Öffentlichkeit wurde der Honorarprofessor der Uni St. Gallen bekannt, als er als Saurer-Verwaltungsratspräsident 2006 eine Abwehrschlacht gegen die britische Investorengruppe Laxey führte.

Als Investor ist Behr aber auch selber umstritten: So sorgte er mit seinem Übernahmeangebot für die Waadtländer Papiergruppe Baumgartner und Beteiligungen an Quadrant und Georg Fischer für Schlagzeilen. Der Streit mit Georg Fischer, wo Behr grösster Aktionär ist, ist weiterhin hängig.

Der Konzern hatte die Eintragung von Stimmrechten verweigert wegen vermuteter Gruppenbildung von Behr als Privatanleger mit seiner Investmentfirma BDS sowie weiteren Aktionären wie dem Wohlfahrtsfonds und der Pensionskasse von Behrs Cellpack sowie zwei Privatanlegern, die mit Behr geschäftlich verbunden seien.

Beschwerde angekündigt

Behr kündigte am Mittwoch in einer Stellungnahme zur Finma-Strafanzeige an, er werde Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben. Er habe sich beim Einstieg in sia Abrasives korrekt verhalten.

Die Bank am Bellevue überlegt sich laut eigener Mitteilung, den Fall ans Bundesverwaltungsgericht zu ziehen. Sie begrüsst hingegen, dass die Finma die Untersuchung abgeschlossen habe. Die Bank habe unverzüglich die Korrektur der festgestellten Organisationsschwächen in die Wege geleitet, hiess es.

Verletzungen der Offenlegungspflicht sind in der Schweiz bislang trotz zahlreicher Verfahren kaum geahndet worden, einzig in einem kleinen Fall ist es zu einer Verurteilung gekommen.

Beim Einstieg der Investoren Viktor Vekselberg, Ronny Pecik und Georg Stumpf bei OC Oerlikon ist das EFD mit seiner geplanten Rekordbusse von 40 Millionen Franken im Beschwerdeverfahren vollständig gescheitert. Im Fall Sulzer stellte das EFD das Verfahren ein, im Gegenzug bezahlten die drei Investoren eine Wiedergutmachung von über zehn Millionen Franken.

SDA/bru

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