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Finanzmärkte pfuschen der Opec ins Geschäft

Der Ölpreis ist seit Anfang Juli deutlich gesunken. Einige Ölförderländer wollen deshalb den Nachschub drosseln. Der Preis wird jedoch von den Anlegern bestimmt.

Heute kostete das Fass Brent-Rohöl 99.50 Dollar. Das sind knapp dreissig Prozent weniger als im Juni, als der Preis bei 147 Dollar stand. Dieser scharfe Einbruch hat die Gemüter offenbar beruhigt. Der hohe Ölpreis ist kaum ein Thema mehr in der Öffentlichkeit. Dabei ist der Preis noch immer doppelt so hoch wie der mehrjährige Durchschnitt von fünfzig Dollar vor 2007.

Dennoch schauen Händler und Analysten nach Wien. Dort entschieden die Ölminister der wichtigsten Förderländer (Opec) über die Fördermenge der kommenden Monate. Saudiarabien will die Menge unverändert lassen. Länder wie der Iran, Venezuela und Libyen verlangen eine Drosselung. Ihre Absicht ist klar: «Eine deutliche Kürzung der Förderquoten würde die Rohölpreise unterstützen», sagt Eliane Tanner, Rohstoffanalystin bei der Credit Suisse.

Die Sorge der Opec ist klar. Seit Juni, als die Fördermenge erhöht wurde, hat sich im wirtschaftlichen Ausblick einiges geändert. Die westlichen Industriestaaten bewegen sich nahe an einer Rezession. Der Ölverbrauch wächst weniger stark oder sinkt sogar. Hinzu kommt, dass die Autofahrer in einen Kaufstreik getreten sind. In den USA, aber auch in Deutschland verkaufen Tankstellen weniger bleifreies Benzin im Vergleich zum Vorjahr. Nur der Verbrauch von Diesel wächst weiter. «Die gewerbliche Nutzung reagiert nicht so rasch wie die private Benzinnachfrage», sagt Shell-Sprecher Rainer Winzenried.

US-Bankenrettung senkt den Ölpreis

Die CS geht davon aus, dass die Ölpreiskorrektur «weitgehend beendet sein dürfte». Zwar drückt das schwache Wachstum auf die Nachfrage; aber die Wirtschaft in den Schwellenländern wie China und Indien brummt. Und der private Konsum wird verbilligt. «Ausserdem dürfte die Opec zu verhindern suchen, dass der Rohölpreis unter 100 Dollar sinkt», sagt Tanner.

Die Angebotsmacht der Opec ist dennoch begrenzt. Erstens fehlen wichtige Förderländer wie Russland in diesem Kartell. Die Opec-Länder bestimmen nur rund vierzig Prozent der weltweiten Fördermenge. Zweitens spielt der Dollarkurs eine wichtige Rolle: Je stärker der Dollar, desto tiefer der Fasspreis und umgekehrt. «Es ist beeindruckend, zu sehen, welchen Einfluss beispielsweise die übers Wochenende erfolgte Rettung der kriselnden US-Hypothekarbanken hatte. Der Dollarkurs schnellte hinauf, und gleichzeitig sank der Ölpreis um drei Dollar», sagt Daniel Hofer, Chef von Migrol. Er glaubt, dass jetzt einzelne Marktteilnehmer erneut die 100-Dollar-Marke testen wollen - «aber diesmal nach unten», sagt Hofer. Im März hatte der Ölpreisindex diese Marke erstmals nach oben durchbrochen.

Neben dem Dollar beeinflussen die Finanzanleger immer stärker den Ölpreis. So gehen Fachleute davon aus, dass die im Frühjahr stark fallende Börse sowie Angst vor Inflation die Anleger, darunter Hedge- Funds, in Öl-Kontrakte flüchten liess. «Dabei führte das Herdenverhalten zu einem Exzess», sagt Hofer. Jetzt ist ein gewisser Optimismus an den Börsen zurückgekehrt. Die Anleger verlassen den Ölmarkt, der Preis sinkt - «auch jetzt exzessiv», so Hofer.

Der Peak von 147 Dollar pro Fass darf rückblickend als spekulative Blase bezeichnet werden. Und dies, obwohl die Opec am Ölkongress im Juni behauptete, dass fundamentale Faktoren entscheidend seien. Die Rede war von «geopolitischen Spannungen», eine Erklärung die jetzt entlarvt ist.

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