CS kriegt einen Rüffel – und einen Aufpasser ins Haus

Die Finma rügt die Schweizer Grossbank wegen Mängeln im Kampf gegen die Geldwäscherei.

Mängel in Sachen Geldwäsche: Sitz der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz.

Mängel in Sachen Geldwäsche: Sitz der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz.

(Bild: Keystone WALTER BIERI)

Holger Alich@Holger_Alich

Die Finanzaufsicht Finma rügt die Credit Suisse wegen Mängeln im Kampf gegen Geldwäscherei und beim Risikomanagement. In diesem Zusammenhang hat die Finma zwei sogenannte Enforcementverfahren gegen die Grossbank abgeschlossen. Ein Verfahren betrifft mangelnde Sorgfalt bei der Geldwäschereibekämpfung mit Blick auf die Korruptionsfälle rund um den Weltfussballverband Fifa, den brasilianischen Ölkonzern Petrobras und den venezolanischen Ölkonzern PDVSA. Beim zweiten Verfahren geht es Versäumnisse im Skandal rund um den Genfer Kundenberater Patrice L. Dieser hatte über Jahre Gelder osteuropäischer Kunden veruntreut, unter anderem Gelder des ehemaligen georgischen Premieministers Bidsina Iwanischwili.

Als Konsequenz aus den Verfehlungen schickt die Finma der Credit Suisse einen Aufpasser, im Fachdeutsch einen Prüfbeautragten, ins Haus. Er soll darüber wachen, dass die Grossbank ihre Systeme und Prozesse im Kampf gegen Geldwäscherei wie gefordert verbessert.

Einsicht in Kundenbeziehungen auf Knopfdruck

Die Credit Suisse muss aber keine Busse zahlen, die Bank muss auch keine als unrechtmässig angesehen Gewinne zurückerstatten. Die Finma belässt es mit der Forderung, dass die Credit Suisse ihre interne Organisation und Risikokontrolle in der Vermögensverwaltung zu verbessern habe, um effektiver gegen Geldwäscherei-Risiken vorgehen zu können.

So soll die Bank bis Ende nächsten Jahres ein System installiert haben, dass erlaubt, alle relevanten Daten über eine Kundenbeziehungen auf Knopfdruck einsehen zu können, auch über Ländergrenzen hinweg. Die Credit Suisse teilte mit, die Mitteilung der Finma «zur Kenntnis» zu nehmen und betont, dass es sich bei den festgestellten Fälle um Altlasten handele.

13 Verfahren eingeleitet

Die Finma untersucht seit dem Jahr 2015 die Rolle von mehreren Schweizer Banken bei den internationalen Korruptionsfällen Fifa, Petrobras und PDVSA. Seit dem Jahr 2016 hat sie hierzu 13 Enforcementverfahren eingeleitet. Bekannt ist, dass auch Julius Bär im Fall Fifa im Visier der Finma ist.

In die Korruptionsfälle rund um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras sind laut Schweizer Bundesanwaltschaft rund 30 Banken involviert. Vom nationalen Ölkonzern Venezuelas PDVSA sind seit 2004 über 10 Milliarden Dollar schwarz abgeflossen, wie ein Bericht des venezolanischen Parlaments festhält. Ein Teil des Gelds landete in der Schweiz, unter anderem bei der Credit Suisse.

Vorgänge bis 2016 untersucht

Die Verfahren gegen die Credit Suisse ist nun abgeschlossen. Es ist davon auszugehen, dass die Aufseher bald weitere Banken rüffeln werden, in Sachen Geldwäsche-Bekämpfung zu wenig getan zu haben.

Im Fall der Credit Suisse untersuchte die Finma die Vorgänge zwischen 2006 und 2016. Die Bank selbst betont, dass die untersuchten Fälle nur bis zum Jahr 2014 reichen. Sprich, das neue Management unter CEO Tidjane Thiam trägt keine Verantwortung. Die Finma schreibt dagegen, dass die festgestellten Verfehlungen «mehrheitlich» vor 2014 aufgetreten seien. Um wie viele Gelder oder Kundenbeziehungen es geht, dazu machtem weder die Finma noch die Credit Suisse Angaben.

Mängel bei der Identifizierung

Konkret hat die Aufsicht Mängel bei der Bank unter anderem bei der Identifizierung der wirtschaftlichen Berechtigten, der Kategorisierung von Geschäftsbeziehungen mit erhöhtem Risiko und der Identifizierung der Vertragspartei festgestellt. «Überdurchschnittliche viele Mängel fanden sich bei Geschäftsbeziehungen, die von der ehemaligen Gruppengesellschaft Clariden Leu AG eröffnet worden waren», teilte die Finma mit. Die Tochtergesellschaft wurde 2012 in die Credit Suisse integriert.

«Für ein effektives Geldwäschereidispositiv sollen sämtliche Rollen und Beziehungen eines Kunden für alle relevanten Stellen innerhalb der Bank auf Knopfdruck sichtbar sein», fordert die Finma. Sprich, die internen Aufpasser sollen wissen, in welchen Ländern ein Kunde wie viel Konten hat und welche Transaktionen darüber laufen. Die Credit Suisse arbeitet seit 2015 daran, solch ein Cockpit-System einzuführen. Bisher habe aber nur rund 500 Compliance-Experten Zugang dazu. Die Bank will es nun auch den Supervisoren in der Vermögensverwaltung bis 2019 zugänglich machen.

Kritik an Erfassung von Risiken

Beim zweiten Enforcementverfahren geht um den Fall des im Februar zu 5 Jahren Haft verurteilten Bankberaters in Genf, Patrice L. Dieser konnte über Jahre Gelder zwischen Kundenkonten vor allem von osteuropäischen Oligarchen hin- und herschieben und verursachte laut Gericht einen Schaden von 143 Millionen Franken. Einer der Kunden war der georgische Ex-Premier Iwanischwili, der mehrere Prozesse gegen die Grossbank angestrengt hat. Die Anwälte des Oligarchen dürften nun den Rüffel der Finma als Argument im Kampf um Schadenersatz einsetzen.

Denn laut Finma soll die Bank die Risiken, die von den Geschäftsbeziehungen mit politisch exponierten Personen und dem fraglichen Kundenberater ausgingen, über Jahre weder weder angemessen erfasst noch überwacht haben. Der Berater habe aktenkundig die Compliance-Vorschriften der Bank verletzt. Statt ihn dafür zu bestrafen, sei der Berater mit hohen Entschädigungen honoriert worden, bemängelt die Finma.

Bank räumt Mängel ein

Die Credit Suisse räumt ein, dass es Mängel dabei gegeben habe, gerade Kunden mit mehreren Konten verteilt über mehrere Länder korrekt zu überwachen. Auch die Prozeduren zur Aufnahme neuer Kunden seien nicht in allen Ländern gleich streng gewesen. Doch seit dem Amtsantritt von Bankchef Thiam und seinem Team sei viel passiert, so habe die Compliance-Abteilung um 800 Mitarbeiter beziehungsweise 42 Prozent aufgestockt. Die Bank investiere massiv in automatisierte Systeme, die Anomalien entdecken sollen. So habe die Bank insgesamt 25'000 als riskant eingeschätzte Kundenbeziehungen einer vertieften Prüfung unterzogen.

Die Tatsache, dass die Finma aber selbst heute immer noch nicht mit den Fortschritten zufrieden ist, sei unter anderem darauf zurück zu führen, dass sich die Regulierung in Anti-Geldwäsche-Regulierung permanent strenger würde, argumentiert die Credit Suisse.

Keine personellen Konsequenzen

Trotz dem Rüffel der Finma gegen die Credit Suisse soll es zu keinen personellen Konsequenzen kommen. Alle bei den Skandalen involvierten Kundenberater hätten die Bank lange verlassen, heisst es. Mit dem Antritt von Bankchef Tidjane Thiam sei zudem das Topmanagement ausgetauscht worden.

Als einziges Mitglied der alten Geschäftsleitung ist noch Finanzchef David Mathers an Bord. Von 2004 bis 2009 war indes der heutige Verwaltungsratspräsident Urs Rohner Chefjurist der Bank und Mitglied der Geschäftsleitung. Seit 2009 amtet er im Verwaltungsrat, seit 2011 ist Präsident der Bank.

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