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Ex-Buchhalter der Ems-Chemie vor Gericht

Ein ehemaliger Chefbuchhalter der Ems-Chemie, der seinen Arbeitgeber um über 13 Millionen Franken erleichtert haben soll, steht seit heute vor Gericht.

Ein Teil des unterschlagenen Geldes liegt auf den Bahamas: Ems-Chemie.
Ein Teil des unterschlagenen Geldes liegt auf den Bahamas: Ems-Chemie.
Keystone

Der 74-Jährige und sein Komplize haben sich seit Montag vor dem Bezirksgericht Imboden in Domat/Ems GR zu verantworten.

1968 war der Angeklagte als Chefbuchhalter und Leiter des Rechnungswesens in die Ems-Chemie eingetreten. Er behielt diese Stellung bis 1998, wurde drei Jahre später in allen Ehren pensioniert und in Teilzeit weiterbeschäftigt, bis die krummen Geschäfte 2004 aufflogen.

Zuvor genoss der Finanzfachmann bei seiner Arbeitgeberin laut Anklageschrift «hohes Ansehen und Vertrauen». In Essen geboren, liess er sich 1981 in Domat/Ems einbürgern und wurde Schweizer. Er galt als Stütze der Gesellschaft, sass jahrzehntelang im Vorstand einer Regionalbank, war Revisor im Kirchenrat und engagierte sich als Finanzchef eines Eishockeyclubs auch im Sport.

Fiktive Rechnungen

Dem heutigen Witwer und seinem 66-jährigen Komplizen, der von 1977 bis 1983 bei der Ems-Chemie im Verkauf tätig war, wirft die Staatsanwaltschaft gewerbsmässigen Betrug, Urkundenfälschung, Geldwäscherei und Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage vor.

Das Duo soll mit fiktiven Rechnungen von Scheinfirmen zehn Millionen Franken auf eigene Konten geschafft haben. Der pensionierte Buchhalter hat sich ausserdem wegen ungerechtfertigter Checkbezüge zu Lasten seines Arbeitgebers in der Höhe von 3,1 Millionen Franken zu verantworten.

Die geschickt geplante Geldmaschine lief fast neun Jahre wie geölt. Dennoch fanden die Behörden beim jüngeren der beiden Betrüger keine Aktiven, sondern nur Betreibungen vor.

Geld auf den Bahamas

Der Buchhalter hingegen legte laut Anklageschrift knapp 9,6 Millionen Franken auf Banken, bei Finanzdienstleistern und Versicherungen in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich an. Davon stellten die Untersuchungsbehörden 7,8 Millionen Franken sicher.

Über 1,6 Millionen Franken könnte der Hauptangeklagte noch verfügen: Diese in eine Gesellschaft auf den Bahamas eingebrachten Vermögenswerte zu blockieren, ist der Bündner Justiz misslungen.

Der Prozess vor dem Bezirksgericht hat am Montagmorgen begonnen und dauert mehrere Tage. In einem späteren Verfahren wird über das Verschulden einer Sachbearbeiterin der damals noch von Christoph Blocher geführten Firma geurteilt. Die Frau soll an der Ausführung der Betrügereien beteiligt gewesen sein.

SDA/mt

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