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EU sagt Nutella den Kampf an

Zu süss, zu fettig, zu salzig: Werbung für solche Produkte soll stark eingeschränkt werden. Nutella-Hersteller Ferrero sieht rot.

Fererro-Vize sorgt sich: «Heute sagen sie, wir dürfen nicht mehr für Nutella werben. Morgen zwingen sie uns, die Verpackung wie bei den Zigaretten zu beschriften»
Fererro-Vize sorgt sich: «Heute sagen sie, wir dürfen nicht mehr für Nutella werben. Morgen zwingen sie uns, die Verpackung wie bei den Zigaretten zu beschriften»

Die Nahrungsmittelindustrie hat letzte Woche ein wichtiges Gefecht verloren. Eines, das dazu führen könnte, dass die deutsche Fussball-Nationalelf im Fernsehen bald keine Nutella-Brötchen mehr zum Frühstück isst. Denn süss und gesund – das geht nicht zusammen, findet das EU-Parlament. Es hat einen Vorschlag verabschiedet, der die Werbemöglichkeiten für Produkte mit mehr als 10 Gramm Zucker, 4 Gramm gesättigten Fettsäuren oder 2 Milligramm Salz pro 100 Gramm Gewicht stark einschränken würde. Diese Regeln würden auch in der Schweiz gelten.

Bleiben diese Grenzwerte bestehen, haben bald Hunderte von Herstellern ein Problem. So enthalten etwa die meisten Fertigmüesli und Frühstücksflocken mehr als 10 Gramm Zucker. Auch viele Joghurts und Joghurtdrinks wären zu zuckrig. Besonders betroffen wäre aber der Süsswarenkonzern Ferrero, mit Produkten wie Nutella, Milchschnitte oder Kinder Pinguin. Ferrero-Vizepräsident Francesco Paolo Fulci hat denn auch bereits heftig auf den Entwurf reagiert. Die EU-Parlamentarier seien auf dem besten Weg, Nutella und andere Süssigkeiten zu verbieten, sagte er in den italienischen Medien: «Heute sagen sie, wir dürfen nicht mehr für Nutella werben. Morgen zwingen sie uns, die Verpackung wie bei den Zigaretten zu beschriften: ‹Achtung, dieses Produkt ist gefährlich. Es könnte Sie fettleibig machen.› Oder sie erheben Strafsteuern auf Süssigkeiten, wie man das in Rumänien plant.»

Erst ein Gefecht verloren

Das letzte Wort ist allerdings noch lange nicht gesprochen. «Wir haben ein Gefecht verloren, nicht aber den Krieg», so Fulci. Die Regeln wurden in der Vergangenheit schon mehrfach geändert, fast gekippt und wieder eingeführt. Mit einem definitiven Entscheid ist dieses Jahr wohl nicht mehr zu rechnen.

Die sogenannten Nahrungsmittelprofile sind umstritten, seit die EU ihre Einführung 2007 im Grundsatz beschlossen hat – im Zusammenhang mit den sogenannten Health Claims. Dabei geht es im Kern darum, dass die Hersteller in der Werbung nur noch versprechen dürfen, was sie auch beweisen können. Hersteller wie Danone («Actimel aktiviert die Abwehrkräfte») beissen sich an der Beweisführung bereits jetzt die Zähne aus. Falls es aber so weit kommt, könnte es für die Lebensmittelindustrie eng werden. Kein Wunder also schlägt Ferrero bereits jetzt präventiv Alarm.

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