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Eine neue Dotcom-Blase droht

Hunderte von Milliarden Dollar wurden in der Dotcom-Euphorie der 1990er-Jahre vernichtet. Jetzt mehren sich die Anzeichen, dass sich eine neue IT-Blase bildet.

Teure Übernahme eines gewinnlosen Unternehmens durch eine noch unkotierte Firma: Instagram hat nicht mehr nur eine Fanseite auf Facebook, sondern gehört dem sozialen Netzwerk.
Teure Übernahme eines gewinnlosen Unternehmens durch eine noch unkotierte Firma: Instagram hat nicht mehr nur eine Fanseite auf Facebook, sondern gehört dem sozialen Netzwerk.
AFP

Im Silicon Valley zirkulierte vor Jahren ein legendärer Autoaufkleber («bumper sticker»), auf dem zu lesen war: «Lieber Gott, schenk uns bitte nur noch eine Dotcom-Blase.» Die Internet-Euphorie der 1990er-Jahre war für die Bewohner des Valleys eine paradiesische Ära. Jungunternehmer wurden über Nacht Milliardäre und selbst deren Sekretärinnen erhielten beim Börsengang (IPO) noch Millionen ausbezahlt. Studenten verkauften ihre Firmen, noch bevor sie ihren Abschluss gemacht hatten. «Nur der Himmel ist die Grenze», lautete der Wahlspruch einer Generation von IT-Freaks.

Wirtschaftlich gesehen war die Dotcom-Blase jedoch der Inbegriff von Irrsinn. Garagenfirmen, die noch nie einen Franken Gewinn erzielt hatten, wurden bei überstürzt arrangierten IPOs mit Milliarden vergoldet. Bankanalysten trieben mit rosigen Berichten Aktien in die Höhe, die sie in internen Mails als «Mist» bezeichneten. Hastig gegründete Internet-Dienstleister wie AOL waren über Nacht mehr wert als Traditionskonzerne wie Time Warner. Das Ganze endete schliesslich, wie es enden musste: in Tränen. Die Tech-Börse Nasdaq brach im Verlauf des Sommers 2002 etwa um zwei Drittel ein, Hunderte von Milliarden Dollar lösten sich in Luft auf.

Beunruhigende Parallelen bei Social Media

Nun scheint es, als ob das Stossgebet auf dem «bumper sticker» erhöht würde. Facebook hat für eine Milliarde Dollar Instagram gekauft, ein 18 Monate altes Unternehmen mit zwölf Mitarbeitern. Es hatte eine spezielle Software zur Behandlung von Photos im Internet entwickelt und rund 50 Millionen Benützer. Instagram hat jedoch noch keinen Franken Gewinn erzielt und Facebook hat zwar einen Börsengang angekündigt, ihn aber noch nicht vollzogen. Das weckt böse Erinnerungen an den Dotcom-Boom. Wird hier eine zweite IT-Blase herangezüchtet?

Verspochen hat man das Gegenteil. Man habe die Lektion der 1990er-Jahre gelernt, und in der Web-2.0-Ära werde auf solide Geschäftsmodelle gebaut, heisst es nun. Tatsächlich erzeugen Unternehmen wie Google im Internet nicht nur Hype, sondern verdienen auch gutes Geld. Doch gerade bei den sozialen Medien, die derzeit schwer im Trend sind, gibt es beunruhigende Parallelen zu den Dotcoms der 1990er-Jahre. «Die Kombination von niedrigen Eintrittsbarrieren, digitaler Distribution, emsigen Risikokapitalisten, ehrgeizigen Software-Ingenieuren und der Chance, über Nacht den Milliarden-Jackpot zu gewinnen, sorgt für einen Hyper-Wettbewerb», stellt die «Financial Times» besorgt fest.

Neue Firmen lauern

Um die aufkommenden Blasen-Ängste zu vertreiben, hat Mark Zuckerberg sofort angekündigt, der Kauf von Instagram sei eine Ausnahme gewesen, die sich nicht wiederholen werde. Aber nirgends wütet die «kreative Zerstörung» des Politökonomen Joseph Schumpeter so heftig wie in der IT-Branche. Einst hoch gehandelte Stars wie Yahoo oder AOL sind heute höchstens noch einen Bruchteil ihres Wertes wert. Andere ehemalige Überflieger wie Netscape oder Myspace sind gar von der Bildfläche verschwunden. Dafür lauern bereits neue Konkurrenten auf ihren Tag an der Börse: Unternehmen wie Path, Pinterest und andere.

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