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Ein Tweet mit milliardenschweren Folgen

Twitter hat bereits 200 Millionen Teilnehmer. Nun will das US-Tech-Unternehmen sein Potenzial zu Gold machen.

So teilt man der Öffentlichkeit heute mit, dass man an die Börse geht: IPO-Tweet von Twitter selber.
So teilt man der Öffentlichkeit heute mit, dass man an die Börse geht: IPO-Tweet von Twitter selber.
Reuters

Nach dem Online-Netzwerk Facebook will auch der Kurznachrichtendienst Twitter an die Börse gehen. Das US-Unternehmen teilte am Donnerstag per Twitter-Nachricht mit, bei der US-Börsenaufsicht SEC die Dokumente für eine Neuemission eingereicht zu haben. Experten schätzen den Wert von Twitter auf zehn bis 15 Milliarden Dollar.

In den vergangenen Monaten war immer wieder über einen bevorstehenden Börsengang von Twitter spekuliert worden. Das 2006 gegründete Unternehmen ist eines der am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerke im Internet und zählt nach eigenen Angaben mehr als 200 Millionen aktive Nutzer weltweit. Einer Analyse der Webseite «Statistic Brain» zufolge hat die Kommunikationsplattform sogar mehr als 500 Millionen aktive Nutzer und wächst täglich um 135'000 Mitglieder.

Twitter plant «vertraulichen» Börsengang

Der geplante Börsengang von Twitter wird in der Technologiebranche ähnlich heiss erwartet wie das Börsendebüt von Facebook im Mai vergangenen Jahres. Der Facebook-Kurs war nach der von Pannen überschatteten Neuemission zunächst eingebrochen, liegt mittlerweile aber über dem Ausgabepreis.

Twitter nutzt eine neue Möglichkeit für einen «vertraulichen» Börsengang, wie das Unternehmen mitteilte. Demnach müssen Firmen mit einem Jahresumsatz von weniger als einer Milliarde Dollar weniger Informationen öffentlich machen. «Das heisst, sie haben etwas zu verbergen», sagte der Analyst Trip Chowdhry von Global Equities Research. «Wir wissen nicht, wie es dem Unternehmen seit zwei Jahren geht. Das stellt die Glaubwürdigkeit der Firmenführung in Frage.»

«Grossen Erfolg» erwartet

Eine «grossen Erfolg» für den Börsengang erwartet hingegen der Investor Lou Kerner. Er verwies auf das enorme Wachstum von Twitter sowie die «Love Story» der Märkte mit den sozialen Netzwerken.

Twitter hatte sich erst am Dienstag mit der Übernahme einer Online-Werbefirma schick für die Börse gemacht. Der Multimillionen Dollar schwere Zukauf MoPub hilft Unternehmen, Werbung in mobilen Apps zu schalten. Das Werbegeschäft auf Smartphones und Tablets war bei Facebook zum Zeitpunkt des Börsengangs im Mai 2012 ein Schwachpunkt gewesen.

Die Twitter-Nutzer können sich untereinander vernetzen und Kurznachrichten verschicken. Diese sogenannten Tweets dürfen maximal 140 Zeichen lang sein. Oft werden dabei auch Verlinkungen zu Webseiten, Fotos oder anderen Dokumenten versendet. Schätzungen der Marktforschungsfirma eMarketer zufolge dürfte Twitter in diesem Jahr 582,8 Million Dollar an Werbeeinnahmen erzielen. Im kommenden Jahr könnte die Summe auf knapp eine Milliarde Dollar ansteigen.

Justin Bieber mit 44 Millionen Followers

Die Plattform, die anfangs als Netzwerk zum Austausch von Belanglosigkeiten belächelt wurde, hat in den vergangenen Jahren stark an politischer und gesellschaftlicher Relevanz gewonnen. Die Demonstranten in der arabischen Welt nutzten Twitter, um die staatliche Zensur zu umgehen und ihre Aktivitäten zu koordinieren. Vor allem in den USA treten Politiker über das Netzwerk direkt mit Wählern in Kontakt, Behörden verschicken über Twitter Mitteilungen.

Auch in der Unterhaltungsbranche erfreut sich Twitter grosser Beliebtheit. Viele Sänger und Schauspieler wenden sich über die Kommunikationsplattform an ihre Fans. Der kanadische Teeniestar Justin Bieber hat der Webseite twittercounter.com zufolge mehr als 44 Millionen Follower, also Nutzer, die seine Kurznachrichten verfolgen. Der führende Politiker ist US-Präsident Barack Obama, der immerhin auf mehr als 36 Millionen Follower kommt.

AFP/sda/wid/chk

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