Ein Schiffsunfall mit weitreichenden Folgen

Eine Woche nach dem Tankerunglück auf dem Rhein ziehen sich die Bergungsarbeiten weiter hin. Die Folgen des Unglücks sind inzwischen für eine gesamte Branche spürbar.

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Eine Woche nach der Tankerhavarie bei der Loreley haben die Behörden am Donnerstag die Schiffahrtssperre auf dem Rhein etwas gelockert. Diese macht auch Schweizer Schiffahrtsfirmen zu schaffen. Der Branchenverband hat beim Bund inzwischen wegen Kurzarbeit angefragt.

Die deutschen Behörden haben am Donnerstag laut Agenturmeldungen einzelne Schiffe stromaufwärts am Unglücksschiff vorbei geleitet. Ober- und unterhalb des havarierten Säuretankers stauten sich bis dahin jedoch bereits über 270 Schiffe, die nicht weiter fahren konnten.

Darunter befanden sich allein vier der insgesamt fünf Schiffe von Danser Switzerland. Unter den in Basel tätigen Schiffsunternehmen ist der Schweizer Ableger der holländischen Danser Group damit wohl das am stärksten betroffene.

Schmerzhafte Ausfälle

Die Einbussen für die aus der früheren Natural Van Dam hervorgegangene Danser Switzerland liessen sich noch nicht genau beziffern, sagte Geschäftsführer Heinz Amacker am Donnerstag der Nachrichtenagentur SDA. Es handle sich indes um Einnahmenausfälle «im hohen fünfstelligen Bereich».

Die 170 Meter langen Schubverbände transportieren sonst zwischen Rotterdam und Antwerpen sowie den Oberrheinhäfen zwischen Strassburg und Basel Container im Fahrplanverkehr. Dieser, aber auch Vor- und Nacharbeiten mit den Containern seien nun weggefallen, sagte Amacker.

In Basel, wo Danser rund 50 Mitarbeitende beschäftigt, werde stattdessen Überzeit abgebaut. Für den Fall einer anhaltenden Rheinsperre verwies Amacker zudem als Beispiel auf das Hochwasser von 1999: Damals war der obere Rhein 21 Tage lang für Schiffe gesperrt, und der Bund bewilligte Kurzarbeit.

Abkärung wegen Kurzarbeit

Die Schweizerische Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft (SVS) hat am Donnerstag denn auch eine entsprechende Anfrage an die zuständigen Behörden gerichtet, wie SVS- Geschäftsführer André Auderset sagte. Für die Bewilligung von Kurzarbeit zuständig ist das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco).

Bisher «nicht besorgniserregend» ist derweil die Versorgungslage in Bezug auf die Landesversorgung, wie Ruedi Rytz vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWK) auf Anfrage sagte. Unter den blockierten Schiffen seien nicht sehr viele mit Zielort Basel, und alternative Transportwege über Schiene und Strasse funktionierten normal. Auf Pflichtlager zurückzugreifen, sei denn auch bisher «kein Thema».

Gegen 13 Prozent aller Importe gelangen mit Rheinschiffen in die Schweiz. Bedeutend sind dabei Rohöl und Mineralölprodukte. Diese machen laut den Schweizerischen Rheinhäfen über die Hälfte der Gesamtverkehre in den Häfen der Region Basel aus. Nach Angaben der Erdöl-Vereinigung erfolgen 24,7 Prozent der Importe solcher Produkte auf dem Rhein.

Bergung ab Wochenende

Der Rhein wurde am 13. Januar bei St. Goarshausen gesperrt, nachdem nahe des Loreleyfelsens das Tankschiff «Waldhof» mit gegen 2400 Tonnen Schwefelsäure an Bord gekentert war. Dieses Wochenende sollen drei Schwimmkräne mit der Bergung beginnen.

Laut Nachrichtenagenturen sollen dabei auch Spezialisten eines niederländischen Unternehmens zum Einsatz gelangen, die 2001 bereits an der Bergung des russischen Atom-U-Boots «Kurks» beteiligt waren.

mrs/sda

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