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Dramatische Entwicklung bei Nokia

Der einst weltgrösste Handykonzern hat im zweiten Quartal umgerechnet 1,69 Milliarden Franken in den Sand gesetzt. Jetzt kämpft der Konzern ums Überleben.

2010 entschieden sich Nokia-Chef Stephen Elop und Microsoft-Chef Steve Ballmer (rechts) für eine enge Kooperation. Die Entwicklung von Windows Phone 7 wurde im Frühherbst 2010 abgeschlossen.
2010 entschieden sich Nokia-Chef Stephen Elop und Microsoft-Chef Steve Ballmer (rechts) für eine enge Kooperation. Die Entwicklung von Windows Phone 7 wurde im Frühherbst 2010 abgeschlossen.
AFP
Das Lumia 800 war das erste Nokia-Smartphone mit dem Betriebssystem Windows Phone 7.5. Es ist in der Schweiz seit Mitte Januar 2012 erhältlich.
Das Lumia 800 war das erste Nokia-Smartphone mit dem Betriebssystem Windows Phone 7.5. Es ist in der Schweiz seit Mitte Januar 2012 erhältlich.
Keystone
Googles Betriebssystem Android kann seine dominierende Stellung auf dem Handy-Markt weiter ausbauen. In den Zahlen der führenden Marktforschungsinstitute gibt es zwar kleinere Unterschiede, der Trend aber ist klar: Der Marktanteil der Android-Geräte ist inzwischen auf über 60 Prozent gestiegen. Apples iOS liegt als zweitplatziertes Betriebssystem knapp unter 20 Prozent. Laut der Marktforschungsfirma IDC brachten Samsung und andere Hersteller im zweiten Quartal fast 105 Millionen Android-Smartphones auf den Markt, was einem Marktanteil von 68 Prozent entspräche. Die Analysten von Gartner ermittelten 98,5 Millionen Android-Geräte und einen Marktanteil von 64,1 Prozent im zweiten Quartal. Im Vorjahreszeitraum arbeitete Android nur in 47 Prozent (IDC) beziehungsweise 43,3 Prozent (Gartner) aller Smartphones. Unter dem Android-Boom Boom leiden vor allem der Blackberry-Hersteller Research in Motion und Nokia. Die beiden Unternehmen verloren jeweils fünf Prozent Marktanteil.
Googles Betriebssystem Android kann seine dominierende Stellung auf dem Handy-Markt weiter ausbauen. In den Zahlen der führenden Marktforschungsinstitute gibt es zwar kleinere Unterschiede, der Trend aber ist klar: Der Marktanteil der Android-Geräte ist inzwischen auf über 60 Prozent gestiegen. Apples iOS liegt als zweitplatziertes Betriebssystem knapp unter 20 Prozent. Laut der Marktforschungsfirma IDC brachten Samsung und andere Hersteller im zweiten Quartal fast 105 Millionen Android-Smartphones auf den Markt, was einem Marktanteil von 68 Prozent entspräche. Die Analysten von Gartner ermittelten 98,5 Millionen Android-Geräte und einen Marktanteil von 64,1 Prozent im zweiten Quartal. Im Vorjahreszeitraum arbeitete Android nur in 47 Prozent (IDC) beziehungsweise 43,3 Prozent (Gartner) aller Smartphones. Unter dem Android-Boom Boom leiden vor allem der Blackberry-Hersteller Research in Motion und Nokia. Die beiden Unternehmen verloren jeweils fünf Prozent Marktanteil.
Keystone
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Die Lage beim kriselnden finnischen Handybauer Nokia verschlimmert sich: Im zweiten Quartal machte der Konzern einen Verlust von umgerechnet 1,69 Milliarden Franken, wie Nokia mitteilt. Das ist deutlich mehr als die knapp eine Milliarde Euro Verlust im ersten Quartal und viermal so viel wie im zweiten Quartal 2011. Nokia war bis vor kurzem noch der grösste Handyhersteller weltweit.

Angesichts der Krise hatte Nokia vor eineinhalb Jahren eine radikal neue Strategie angekündigt und war unter anderem eine Partnerschaft mit dem US-Softwareriesen Microsoft eingegangen. Konzernchef Stephen Elop setzte im Juni ein drastisches Sparprogramm mit dem Abbau von 10'000 Arbeitsplätzen in Gang. Trotz der angeschlagenen Lage verfügt Nokia noch immer über ein Finanzpolster von 5 Milliarden Franken.

Dieses Sicherheitsnetz sorgte am Donnerstag auch für positive Reaktionen am Aktienmarkt: Am Mittag stieg der Kurs der Nokia-Aktie an der Börse in Helsinki um rund 9,6 Prozent auf 1,50 Euro das Stück. Das ist immer noch weit entfernt von den mehr als acht Euro, die Anleger pro Aktie zahlten, bevor Stephen Elop seine radikalen Umstrukturierungspläne vorlegte.

Desaströses Handygeschäft

Mittlerweile kämpft der Konzern ums Überleben. Er hatte die Entwicklung der Smartphones zunächst verschlafen. Vor allem im Handygeschäft schreibt der einstmals weltgrösste Hersteller im laufenden Geschäft tiefrote Zahlen. So sank der Gesamtumsatz des Konzerns im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 19 Prozent auf gut 9 Milliarden Franken, wie Nokia am Donnerstag im finnischen Espoo mitteilte. Dabei lief ein operativer, nicht nach dem IFRS-Standard bilanzierter Verlust von 392 Millionen Franken auf. Im zweiten Quartal 2011 waren noch 480 Millionen Franken verdient worden. Der Kurs des Nokia-Papiers zog trotz des Milliardenverlusts kräftig an: Die Aktie legte um elf Prozent zu.

Vor allem in der Handy-Sparte brachen die Erlöse ein. Hier machte Nokia den Angaben zufolge mit 4,8 Milliarden Franken mehr als ein Viertel weniger Umsatz als noch im Vorjahr. Der Absatz der Nokia-Smartphones fiel um 39 Prozent auf 10,2 Millionen Geräte. Davon waren allerdings bereits vier Millionen Smartphones der neuen Lumia-Reihe mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone.

Samsung und Apple uneinholbar

Der Ende 2011 eingeführte Hoffnungsträger konnte sein Ergebnis im Vergleich zum ersten Quartal damit zwar verdoppeln – allerdings verkaufen die Marktführer Samsung und Apple regelmässig 35 bis 40 Millionen Smartphones in einem Vierteljahr. Noch im April hatte Elop angekündigt, dass der Konzern im Quartal einen operativen Verlust von etwa drei Prozent der Erlöse erwarte.

Unruhe schon am Mittwoch

Bereits am Mittwoch hat der Krisenkonzern für Unruhe gesorgt: Nokia teilte am Mittwoch mit, das Unternehmen habe 9243 Nokia-Aktien an die rund 4500 am unternehmenseigenen Aktienprogramm beteiligten Beschäftigten ausgegeben – viel weniger als noch im April.

Damals waren es 126'000 Anteilsscheine gewesen, zudem lag der Kurs damals noch zweimal so hoch wie jetzt. Am Mittwoch stand der Kurs der Nokia-Aktie an der Börse von Helsinki bei 1,35 Euro. An jeden der am Aktienprogramm Beteiligten flossen im Schnitt also noch nicht einmal 3,00 Euro.

Update vom 20. Juli: Die Ratingagentur Fitch stuft den kriselnden finnischen Handybauer Nokia weiter herab. Fitch senkte seine Bewertung der Kreditwürdigkeit des Unternehmens um zwei Stufen von BB+ auf BB-, wie die Agentur am Freitag mitteilte. Aktien mit dieser Bewertung empfiehlt Fitch nur Anlegern, die das Risiko nicht scheuen. Fitch urteilte am Freitag, Nokia sei nicht in der Lage, den weiteren Abstieg in die Verlustzone zu stoppen. Der Handyhersteller habe nicht die Produkte im Angebot, um seine Verluste ausgleichen zu können. Die harte Konkurrenz in der Branche lasse es sehr schwierig erscheinen, dass Nokia einen bedeutenden Anteil des Smartphone-Marktes zurückerobern werde.

afp/dapd/sda/rek

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