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«Dieses Hotel gilt heute als Bijou»

Jürg Schmid, der oberste Schweizer Tourismus-Vermarkter, erklärt am Beispiel des Hotels Waldhaus in Flims, warum das Zweitwohnungsgeschäft wichtig ist.

Wird von Tourismus-Fachleuten als Beispiel für eine gelungene Erneuerung hervorgehoben: Das Hotel Waldhaus in Flims.
Wird von Tourismus-Fachleuten als Beispiel für eine gelungene Erneuerung hervorgehoben: Das Hotel Waldhaus in Flims.
Keystone
Hier sind Hotels etwas weniger vom Zweitwohungsgeschäft abhängig, weil die saisonalen Schwankungen kleiner sind: Zermatt im Wallis mit dem Matterhorn als Anziehungspunkt.
Hier sind Hotels etwas weniger vom Zweitwohungsgeschäft abhängig, weil die saisonalen Schwankungen kleiner sind: Zermatt im Wallis mit dem Matterhorn als Anziehungspunkt.
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Gleiches gilt auch für Davos, wo man das ganze Jahr über als Kongress-Stadt punkten kann: Das Hotel Seehof im grössten Bündner Tourismus-Ort.
Gleiches gilt auch für Davos, wo man das ganze Jahr über als Kongress-Stadt punkten kann: Das Hotel Seehof im grössten Bündner Tourismus-Ort.
Keystone
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Herr Schmid, in den Schweizer Tourismusgebieten geht nach Annahme der Zweitwohnungsinitiative die Angst um. Können Sie den neuen Vorschriften etwas Positives abgewinnen? Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative ist ja nicht gegen den Tourismus gerichtet. Primär geht es um den Landschaftsschutz. Für den Tourismus ist die Schönheit der Landschaft etwas vom Wichtigsten. Da treffen sich die Interessen von Tourismus und Landschaftsschutz.

Haben Sie dennoch Bedenken? Matchentscheidend ist die Ausgestaltung des Gesetzes. Und die muss in gut helvetischer Manier ausgewogen erfolgen. Das heisst, für die Hotellerie ist die Hybridform – Finanzierung neuer Hotels durch das Ferienwohnungsgeschäft – überlebenswichtig. Ohne geht es für viele Hotelbetriebe nicht. Ebenso müssen bestehende Hotels in Ferienwohnungen umwandelbar bleiben. Ohne dies wäre ein Marktausstieg erschwert und eine Kapitalabwertung die Konsequenz. Die Folgen wären gravierend.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass man dies bei der Umgestaltung der Initiative berücksichtigt? Die Initianten sagten im Vorfeld selber, dass man eine «kluge tourismusfreundliche Ausgestaltung» anstrebt und solche Modelle nicht torpedieren wolle. Ich gehe also davon aus, dass dies berücksichtigt wird.

Warum können Hotels ohne Erträge aus dem Bau und Verkauf von Ferienwohnungen nicht überleben? Bei uns sind die Kosten im Vergleich zum Ausland ungleich höher, sei das beim Landkauf oder dem Bau. Und diese hohen Kosten lassen sich nicht auf den Preis umwälzen. Vor allem neue Hotels in Regionen mit stark saisonalem Geschäft können ohne Querfinanzierung kaum entstehen, respektive erneuert werden.

Kennen Sie ein Beispiel? Die finden sich in fast allen Orten. Das Waldhaus in Flims hat den jüngsten Erneuerungsschub inklusive Bau eines Kongresszentrums und einer Curling-Anlage so durchgezogen. Mit neuen Ferienwohnungen in der Parkanlage wurden Erträge generiert. Dieses Hotel gilt heute als Bijou und bereichert das Angebot von Flims-Laax.

In der Hotellerie findet sowieso ein Strukturwandel statt. Ist dieser in gewisser Weise nicht auch erwünscht? Seit 15 Jahren findet in der Schweiz ein Strukturwandel zu deutlich weniger, dafür grösseren Hotels statt. Das ist auch gut so. Wir brauchen grössere Anlagen, weil Grösse Spezialisierung und Professionalisierung erlaubt. Aber der Strukturwandel soll nicht abrupt erfolgen.

Wie standen Sie selber zur Zweitwohnungsinitiative? Der Zweitwohnungsbesitzer ist der sicherste Gast. Er kommt auch, wenn Wirtschaftskrise herrscht, und wirkt damit krisenstabilisierend. Andererseits kann es natürlich nicht Modell sein, dass man Dörfer fast unbeschränkt anwachsen lässt und bisher unberührte Landschaften so verbaut werden. In überwiegenden Teilen der Tourismusbranche ist man sich daher einig, dass es so nicht weitergehen kann. Nur war die Initiative viel zu wenig präzis und die Möglichkeiten und Spezialsituation der Hotellerie unklar.

Befürchten Sie, dass die Annahme der Zweitwohnungsinitiative auch Auswirkungen auf die touristische Infrastruktur hat, dass zum Beispiel Investitionen verschoben oder gar abgesagt werden? Viele Gemeinden in den touristischen Berggemeinden leben zu einem guten Teil von den Steuereinnahmen aus dem Zweitwohnungsgeschäft. Das wird vermutlich zurückgehen. Handwechsel finden aber weiterhin statt und wegen der erwarteten Preissteigerungen könnten hier auch höhere Erträge generiert werden. Möglicherweise müssen die Gemeinden den Gürtel etwas enger schnallen, was sich auch auf ihre Investitionstätigkeit auswirken könnte.

Und die Bergbahnen? Hier gilt: Die Bergbahnen leben mehr von den Hotels. Hotels bringen Gäste auch in Neben- und Vorsaisons. Eine gute Hotellerie bedeutet bessere Bergbahnauslastung. Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative kann sich hier positiv auswirken, aber nur wenn der Gesetzgeber Lösungen für Hotelkonzepte mit Zweitwohnungen und Hotelumwandlungen entwickelt.

Welche internationalen Reaktionen haben Sie im Nachzug zum Abstimmungssonntag erhalten? (lacht) Interessanterweise war das Echo auf die abgelehnte Ferieninitiative grösser. In Frankreich schmunzelt und staunt man offenbar über die «Schweizer als Japaner Europas», weil wir so fleissig sind und uns nicht mehr Ferien gönnen.

Für den Schweizer Tourismus wären sechs Wochen Ferien für alle doch auch gut gewesen. Dann hätten Sie mehr Gäste. So einfach ist das natürlich nicht. Die Leute können ja nur mehr Geld ausgeben, wenn sie höhere Einkommen haben. Das wird mit mehr Ferien kaum der Fall sein. Nein, mehr Ferien wäre eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort Schweiz gewesen.

Und die Reaktionen auf die Zweitwohnungsinitiative? Wenig. Im Ausland sind solche Quoten teilweise bereits in Kraft. Das Tirol zum Beispiel kennt die Marke von acht Prozent bei Zweitwohnungen.

Nun könnten Sie die Annahme der Zweitwohnungsinitiative als Pluspunkt in der Vermarktung der Schweiz als Tourismusland einsetzen. Wir haben schon jetzt den Fokus auf der «schönen Landschaft».

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