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Die Uhr tickt gnadenlos

Das neue Konzept vermochte den Niedergang der Baselworld nicht zu stoppen. Doch noch ist die Basler Uhren- und Schmuckmesse nicht endgültig verloren.

Marcel Rohr
Der Andrang an der Baselwold war deutlich geringer als in früheren Jahren.
Der Andrang an der Baselwold war deutlich geringer als in früheren Jahren.
Keystone

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Zeitgemässes Management ist der Hauptfaktor für ein blühendes Unternehmen, und deshalb stellt sich nach der eben zu Ende gegangenen Baselword die Frage: War das die letzte Uhren- und Schmuckmesse in Basel?

Nur noch 81'200 Besucher, 22 Prozent weniger als im Krisenjahr 2018. Nur noch 520 Aussteller, dazu eine leere Halle 2: Die aktuellen Kennzahlen sind schon wieder eine einzige Enttäuschung. Die Uhr tickt gnadenlos gegen den Anlass.

Doch von Endzeitstimmung will Michel Loris-Melikoff nichts wissen. Der Messechef stand auf der ganz grossen Showbühne, als er sein Konzept für die nächsten drei Jahre präsentierte – unterlegt mit poppiger Musik und viel Bling Bling. Loris-Melikoff zeigte seine Baselworld der Zukunft: Begegnungszonen neben den Ständen, Modeschauen, Talks mit den Firmenbossen. Uhren und Schmuck als Event, quasi ein Disney Land für Gold und Silber, jederzeit abrufbar auf dem Handy. In protzigem Englisch liest sich das so: Eventzone, E-Concierge, Retailer Summit, Marketing Services, Content Concept. Man sucht die Nähe der Aussteller, die Arroganz der Vorjahre samt den verlangten Wucherpreisen dürfen keinen Platz mehr haben.

Nach der 33-minütigen Präsentation klatschten Händler und ein paar Journalisten artig, die gute Laune wurde einzig durch eine Bemerkung eines anderen Ausstellers unterbrochen: «Diese Messe wird nie mehr so erfolgreich sein wie früher!»

Aussteller kalkulieren knallhart

Loris-Melikoff hat die Zeichen der Zeit zwar erkannt. Doch seine salbungsvoll angekündigten Schritte in eine digitale Welt helfen nur wenig. Entscheidend für die Zukunft der Baselword ist die Gemütslage der Aussteller. Sie kalkulieren knallhart: Wie viel muss ich für meinen Stand bezahlen? Wie viele Besucher kommen – und wie viel Ware kann ich verkaufen, damit sich der Aufwand wirklich rechnet?

Mit dem Entscheid, die Baselword 2020 auf Ende April/Anfang Mai zu legen, geht Loris-Melikoff ein grosses Risiko ein. Vielen Händlern ist dieses Datum zu spät, um Neuheiten zu präsentieren. Auch die Abstimmung mit der Messe in Genf ist nicht einfach. Wie formulierte es Uhrenkönig Jean-Claude Biver im BaZ-Interview am Samstag: «Die Messen in Genf und Basel müssen gleichzeitig stattfinden und nicht nacheinander. Sonst reisen die Händler nach zwei Tagen in Basel wieder ab – was geschieht an den übrigen Tagen?»

Mit seinem etwas schwulstig wirkenden Konzept hat Loris-Melikoff eine Chance für 2020 verdient. Ob die Baselworld über 2020 hinaus lebt, ist völlig offen. Die Uhr tickt gnadenlos.

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