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Die UBS-Quartalszahlen schrecken die Anleger auf

Die Margen in der Vermögensverwaltung sind drastisch gesunken, besonders im internationalen Geschäft.

TA Grafiik

Manchmal hilft das Glück den Tüchtigen. Oswald Grübel war an der gestrigen Medienorientierung so heiser, dass seine Stimme praktisch versagte. Deshalb musste John Cryan, Finanzchef UBS, die mageren Quartalszahlen präsentieren, und der Chef konnte schweigen. Nicht geschwiegen haben jedoch die Anleger: Ihre Verkäufe liessen die UBS-Aktie um 5 Prozent absacken.

Warum der Absturz an der Börse? Auf den ersten Blick sieht das Ergebnis der UBS gar nicht so schlecht aus. 1,6 Milliarden Franken Gewinn und 1,2 Milliarden Franken Neugeld, und dies nachdem in der Krise 400 Milliarden Franken Kundengelder aus der Bank geflossen sind. Das hätte eigentlich ein Triumph werden können. Doch selbst Cryan wollte nicht jubeln, sondern sagte: «Wir müssen erst deutlich mehr zeigen.» Zum einen wird der Gewinn der Bank durch eine Steuergutschrift von 825 Millionen Franken verzerrt. Zum andern schreibt das Investmentbanking erneut 406 Millionen Franken Verlust, und auch das Private Banking ist nicht mehr die Geldmaschine, die es einmal war.

Die Analysten rechnen anders

Für einmal sind es also nicht die grossen Abschreiber, die auf das Resultat der UBS drücken, sondern eine allgemeine Flaute in beinahe allen Sparten. Hinzu kommt die etwas eigenwillige Rechungslegung der grössten Schweizer Bank. Im Vorquartal machte das zu einem grossen Teil in den USA domizilierte Investmentbanking 1,3 Milliarden Franken Gewinn, dieses Mal 406 Millionen Verlust, und auch die Vermögensverwaltung in den USA schreibt 46 Millionen Franken Verlust.

Trotzdem gelangt die UBS laut Cryan in ihrer neuen Fünfjahresplanung zum Schluss, dass die Gewinnaussichten in den USA nun viel besser seien. Dies bedeute, so erklärte die Bank, dass sie gegenüber den Steuerbehörden einen grösseren Teil von den Verlusten aus den Krisenjahren 2008/09 mit den künftigen Gewinnen verrechnen kann. Deshalb schreibt sie einen ausserordentlichen Gewinn von über 825 Millionen in diesem Quartal und nochmals rund 375 Millionen Franken im nächsten.

Grübel's Billig-Strategie

Die Analysten rechnen anders. Sie ziehen den ausserordentlichen Steuergewinn ab und zählen einen ausserordentlichen Verlust von 387 Millionen Franken auf den eigenen Schulden dazu und kommen so auf 1,2 Milliarden Franken bereinigten Gewinn. Das ist deutlich weniger als die Credit Suisse mit 1,6 Milliarden. Dies erklärt einen Teil des Kursverlustes und ist auch der Grund dafür, weshalb die CS-Aktie im Gegensatz zu vielen anderen Bankaktien gestern im Plus blieb.

Es gibt aber auch einen langfristigen Trend in der Vermögensverwaltung, der belegt, dass bei der UBS noch lange nicht alle Probleme gelöst sind. Offiziell erklärt Cryan die Flaute in der Vermögensverwaltung mit der Passivität der Kunden. Diese seien verunsichert und würden ihr Geld passiv in den Depots liegen lassen. Es gibt aber auch noch eine andere Erklärung. Da Grübel sein ganzes Prestige darauf verwendet hatte, die Geldabflüsse der UBS endlich wieder zu stoppen, hat er sich im internationalen Geschäft auf eine Billig-Strategie verlegt. Billig heisst in diesem Fall, dass man vor allem in Asien die reichen Kunden mit Discount-Gebühren anlockte.

Anleger zweifeln wieder

Das hat dazu geführt, dass die Erträge aus der Vermögensverwaltung gegenüber 2007 um 40 Prozent gesunken sind, gegenüber dem Krisenjahr 2008 beträgt der Einbruch immer noch 30 Prozent. Da die Kosten nicht im selben Ausmass gesunken sind wie die Gebühren, sank der Gewinn in der Vorzeigesparte seit 2007 um 60 Prozent. Beunruhigend an der Entwicklung ist, dass in den letzten zwei Jahren nicht nur die mit Kundenaktivität verbundenen Einnahmen, sondern auch die wiederkehrenden Erträge (beispielsweise Depotgebühren) jedes Quartal um eine Milliarde gesunken sind.

Logischerweise sind also die Margen in der Vermögensverwaltung drastisch gesunken. Insbesondere im Internationalen Geschäft, wo sie noch 85 Basispunkte (0,85 Prozent) der investierten Vermögen betragen. Das könnte auch auf die schwindende Bedeutung des Bankgeheimnisses zurückzuführen sein. Reichen die UBS-Gewinne, um innert nützlicher Frist das Kernkapital von 29 auf 50 Milliarden Franken zu steigern, wie dies die neuen Vorschriften erfordern? Die Anleger scheinen zumindest seit gestern wieder an der UBS zu zweifeln.

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