Knall an GV: Aktionäre verweigern UBS-Chefs Décharge

In der Basler St.-Jakobs-Halle stellten sich die UBS-Chefs den Aktionären. Im Ticker können Sie die Ereignisse der GV nachlesen.

Lange Gesichter an der UBS-GV: CEO Sergio Ermotti und Verwaltungsratspräsident Axel Weber haben in Basel einen schweren Stand. (2. Mai 2019)

Lange Gesichter an der UBS-GV: CEO Sergio Ermotti und Verwaltungsratspräsident Axel Weber haben in Basel einen schweren Stand. (2. Mai 2019)

(Bild: Keystone Georgios Kefalas)

Philipp Felber@PhilippFelber

UBS: Aktionäre sollen Décharge verweigern

Ob der Verwaltungsrat und die Konzernleitung der UBS von einer Mehrheit der Aktionäre für das vergangene Jahr die Entlastung erhalten, ist keineswegs sicher. Denn in diesem Punkt sind sich die grossen Stimmrechtsberater einig: Keiner empfiehlt die Zustimmung. Grund sind die grossen hängigen Rechtsfälle in Frankreich und in den USA.

In Frankreich wurde die UBS zu Bussen von 5,1 Milliarden Franken verurteilt, weil sie den reichen Franzosen geholfen haben soll, die Steuerbehörde zu täuschen. Die UBS bestreitet den Vorwurf vehement, hat das Urteil weitergezogen und glaubt, dass sie recht bekommen wird. Allerdings wird das eine völlige Neubeurteilung erfordern. Im bestehenden Urteil werden die Argumente der UBS Punkt für Punkt verworfen.

Darüber hinaus ist ein Streit darüber entbrannt, ob die UBS den Fall mit einem Vergleich hätte erledigen können. Laut einem Artikel im «Journal du Dimanche» vom 19. März 2017 wäre dies zum Preis von 1,1 Milliarden Franken möglich gewesen. Dieser Betrag wäre genau so hoch gewesen wie die Kaution, die die UBS hinterlegen musste. UBS-Chefjurist Markus Diethelm wurde damals mit der Aussage zitiert, dieser Betrag sei aus Aktionärssicht viel zu hoch.

Heute sagt Diethelm, dass «die zirkulierten Beträge über einen möglichen Vergleich signifikant über der Kaution lagen und dass eine Einigung in dieser Höhe einen unverantwortlichen Präzedenzfall kreiert hätte, zumal keinerlei Beweise vorlagen».

Die Klage aus den USA ist sehr detailliert

Namentlich der Stimmrechtsberater ISS weist aber auch auf eine weitere Klage hin, die die US-Regierung eingereicht hat. Der Staatsanwalt versucht, auf 208 Seiten zu beweisen, dass die Bank in der Finanzkrise nicht nur Opfer, sondern auch Täter war. Gemäss der Klageschrift haben UBS-Mitarbeiter ihren Kunden wissentlich verbriefte Hypotheken in der Höhe von 41 Milliarden Dollar angedreht, von denen sie wussten, dass sie nichts wert waren.

In internen Chats sprachen die Mitarbeiter von einem Witz, was die Kontrollen anbelangt («our crack due diligence effort is a joke»). Ob die UBS diesen Rechtsfall gewinnt, ist mindestens fraglich. Die Konkurrenz zahlte jedenfalls bereits Milliarden. Mit der Verweigerung der Décharge sichern sich die Aktionäre immerhin die Möglichkeit, später klagen zu können. Zudem hätte eine Verweigerung seitens der Aktionäre auch eine enorme symbolische Bedeutung. (Arthur Rutishauser)

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