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«Die Schweizer Wirtschaft ist fragil»

Die Prognosen für die Schweizer Wirtschaft werden gegenwärtig zurückgeschraubt. UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler erklärt, wo die grössten Risiken liegen.

Die Schweizer Wirtschaft ist nach Ansicht von UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler in einer weniger komfortablen Lage als gemeinhin angenommen. Der Topbanker führt dies vor allem auf den schrumpfenden Produktionssektor zurück.

Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft werde im wesentlichen von der Zuwanderung angeschoben, sagte Gähwiler heute im Gespräch mit Journalisten in Zürich. Der Konsum werde zum Teil vom Sozial- und Gesundheitswesen und durch Ausgaben der öffentlichen Hand gestützt.

In den letzten 20 Jahren seien 200'000 Arbeitsplätze im Sozial- und Gesundheitswesen geschaffen worden. «Das ist aber nicht die absolute Kernleistung der Wirtschaft», sagte Gähwiler. Die Industrie habe gleichzeitig 100'000 Arbeitsplätze verloren. «Die Schweizer Wirtschaft ist in einer relativ fragilen Situation», sagte er.

Politisch entscheidende Phase

Laut Gähwiler führt die Frankenstärke zu einer langsamen, nicht unmittelbar wahrnehmbaren Verlagerung von Industriearbeitsplätzen und damit Wertschöpfungsbestandteilen ins Ausland. Politisch sei die Schweiz in einer wichtigen Phase: «Wir werden in den nächsten zwei Jahren über Dinge entscheiden, welche die nächsten 10 bis 15 Jahre bestimmen werden.»

Beide politischen Lager beeinflussen laut Gähwiler die Entscheidungen stark. Die politische Rechte mache dies vor allem mit ihrer Kritik an der Einwanderung, die Linke mit dem Versuch, die Liberalität des Arbeitsmarktes einzuschränken.

Überflieger Uhrenbranche

Generell erachtet die UBS die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft immer noch als sehr hoch, auch wenn es zwischen der Exportindustrie, die sich unter grossen Anstrengungen einem sinkenden Eurokurs anpassen musste, und den binnenwirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen, die zum Teil wenig Konkurrenz hätten, grosse Unterscheide gebe.

Die beste Stellung im internationalen Wettbewerb haben laut UBS die Uhrenbranche, die Pharmaindustrie und die Präzisionsinstrumentenhersteller, wozu auch die Medizinaltechnik gehört. Diese Branchen stellen Produkte her, bei denen die Kunden häufig nicht als Erstes auf den Preis schauen.

Der Finanzplatz leide in Sachen Wettbewerbsfähigkeit unter der verschärften Regulierung, sagte Lukas Gähwiler. Gerade ausländische Kunden zeigten sich ihm gegenüber auch wegen der Diskussionen um das Bankgeheimnis verunsichert. Der Strukturwandel in der Finanzindustrie werde vieles grundlegend verändern.

Der Schweizer Finanzplatz werde seine Stabilität bewahren können, sagte Gähwiler. «150 Jahre Handwerk in der Vermögensverwaltung, das kann man nicht so einfach ersetzen», sagte er. Im Steuerstreit müsse sich die Schweiz internationalen Trends wohl anpassen, aber mit der EU, den USA und anderen Ländern je separate Abkommen treffen.

Eher pessimistischer 2013-Ausblick

Die Ökonomen der Grossbank haben ihre Wachstumsprognose von 0,9 Prozent für die Schweizer Wirtschaft im laufenden Jahr seit ihrem letzten Konjunkturausblick im Januar nicht geändert und schauen vergleichsweise pessimistisch in die Zukunft. Angesichts einer schrumpfenden Wirtschaft in der Eurozone stütze einmal mehr vor allem die Zuwanderung das Wachstum.

SDA/mrs

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