Die Kronprinzessin des Schweizer Giganten tritt ab

Sie kam als nächste Nestlé-Chefin infrage – und wurde ausgestochen. Jetzt ist Asienchefin Wan Ling Martello abgetreten.

Wurde nicht befördert – jetzt tritt sie ab: Nestlé-Asien-Chefin Wan Ling Martello.

Wurde nicht befördert – jetzt tritt sie ab: Nestlé-Asien-Chefin Wan Ling Martello.

(Bild: Keystone Gaetan Bally)

Caroline Freigang@c_freigang

Sie galt als potenzielle Nachfolgerin für den Ende 2016 abgetretenen Nestlé-Chef Paul Bulcke: Nestlés Asienchefin Wan Ling Martello. Die chinesisch-amerikanische Managerin wurde von einem externen Kandidaten ausgestochen: Ulf Mark Schneider beerbte Paul Bulcke in seinem Amt. Jetzt tritt Asienchefin Martello zurück.

Die Leiterin der Zone Asien, Ozeanien und Subsahara-Afrika (AOA) verlasse Ende Jahr das Unternehmen, um sich neuen Aufgaben zu widmen. Das teilte Nestlé im Rahmen seiner Neunmonatszahlen mit. Der derzeitige Personalchef Chris Johnson tritt ihre Nachfolge an. Sein Amt übernimmt Béatrice Guillaume-Grabisch, derzeit Nestlé-Deutschland-Chefin.

Im Verwaltungsrat von Alibaba

Martello war 2011 als Finanzchefin zum Lebensmittelkonzern gestossen. 2015 wurde sie zur Leiterin der Zone AOA ernannt, die 95 Länder umspannt. Die Region habe sich unter Martellos Führung zur profitabelsten und am schnellsten wachsenden Geschäftseinheit bei Nestlé entwickelt, schreibt das Unternehmen.

Die Managerin trieb beim Lebensmittelgiganten auch den Onlinehandel voran. Seit 2015 sitzt Martello im Verwaltungsrat des chinesischen Onlinegiganten Alibaba – als einzige Frau. Alibaba-Chef Jack Ma lobte damals ihre «globale Perspektive, Handelsexpertise und ihren unternehmerischen Scharfsinn».

Kurz darauf ging Nestlé Anfang 2016 eine Partnerschaft mit dem Händler ein und verkauft seitdem Produkte über die Plattform. Seit 2017 sitzt Martello auch beim Fahrdienstvermittler Uber im Verwaltungsrat.

Auf den Philippinen und in den USA studiert

Martello wuchs auf den Philippinen auf, studierte dort sowie in den USA. Bevor sie zu Nestlé stiess, war sie in verschiedenen Positionen beim US-Detailhändler Walmart tätig – unter anderem als Leiterin des Segments E-Commerce.

Im Rennen um den CEO-Posten bei Nestlé wurde sie hoch gehandelt. Beobachter schrieben ihr der «Handelszeitung» zufolge Durchsetzungswillen, Entscheidungsfreudigkeit und Mut zu. Sie sei krisenerprobt, global vernetzt und digital sattelfest. Dennoch machte am Schluss ein Mann das Rennen um den Chefposten. Ulf Mark Schneider ist der erste Chef, den Nestlé seit 1992 extern rekrutierte.

Martello war Favoritin

Der «Bilanz» zufolge war Schneider nicht der Wunschkandidat von Chef Paul Bulcke. Dieser habe Asien-Chefin Martello bevorzugt. Die Ernennung Schneiders gelte als letzter Coup des abgetretenen Nestlé-Präsidenten Peter Brabeck.

Martello sagte letztes Jahr im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» auf die Frage, ob sie trotzdem bei Nestlé bleibe – sprich ohne CEO zu werden –, sie fühle sich «sehr gesegnet». Wenn es um Exekutivaufgaben oder Verwaltungsratsmandate gehe, klingele ihr Telefon ständig. Sie liebe aber ihr Team bei Nestlé. Und mit einem möglichen kleinen Seitenhieb beschrieb sie, wie sie 25 Prozent der Management-Positionen ausgewechselt habe – ohne Externe zu holen, sondern indem sie die richtigen Leute in die richtige Position gehievt habe.

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